BIELEFELD "Rettet die Haltestelle Brackwede-Süd"

Betriebsräte demonstrierten für den Erhalt

VON RAJKUMAR MUKHERJEE

Brackwede. Der Haltepunkt Brackwede-Süd der Sennebahn soll Ende des Jahres stillgelegt werden, weil dann eine neue Station an der Senner Wächterstraße eröffnet wird. Erst nach dem Ausbau der Bahnstrecke Bielefeld-Paderborn könnte die Haltestelle Brackwede-Süd wieder in Betrieb gehen. Ob das überhaupt geschieht und an welcher Stelle, ist derzeit offen. Betriebsratsmitglieder und Mitarbeiter von fünf Unternehmen lehnen sich jetzt gegen eine vorübergehende Schließung auf.

Sie fordern außerdem, dass die Station auch künftig an ihrem Standort an der Kammerichstraße bleiben soll. Carsten Strauch, Betriebsratsvorsitzender der Firma Baumgarte Boiler Systems, gehört zu denen, die für die kleine Bahnstation streiten. Mit Kollegen sammelte er jetzt 120 Unterschriften. Am Freitagmittag rollten 40 Mitarbeiter ein Banner mit ihrer Forderung am Mini-Bahnhof aus. Auch Detlef Willer ist dabei. Der Mitarbeiter von Salzgitter Mannesmann Präzisrohr nimmt jeden Tag die Anfahrt aus dem über 60 Kilometer entfernten Ahlen in Kauf. Mit der Bahn fährt er bis zum Bahnhof Brackwede, steigt von dort in die Sennebahn, die fast vor seinem Arbeitsplatz hält.

"Wenn der Haltepunkt wegfällt, müsste ich extra noch einmal in den Bus umsteigen", sagt Willer. Jeden Tag steht er um 4.30 Uhr auf, um pünktlich losfahren zu können. Morgens später zu kommen oder nachmittags eher zu gehen, "das macht keine Firma mit", sagt Willer.

Auch Ralf Kaiser, vom Betriebsrat Salzgitter Mannesmann macht sich Gedanken. "Wenn erst einmal das Baugebiet Bochumer Straße fertig ist, werden sicher mehr Leute den Haltepunkt nutzen", vermutet Kaiser. Das sieht Anwohner Mustafa Disoglu genauso: "Mein Sohn ist von hier immer zur Uni nach Paderborn gefahren." Disoglu wohnt in der Südstraße.

Während Brackwede-Süd in der Diskussion steht, soll in diesem Jahr im Neubaugebiet Breipohls Hof der Haltepunkt Wächterstraße entstehen. "Aber wer soll da schon einsteigen", wundert sich Markus Hamid von der Firma 3 D Supply. Überwiegend Einfamilienhäuser seien dort entstanden, die Bewohner würden eher das Auto für Einkäufe benutzen, vermutet Hamid.

Viele Mitarbeiter der Firmen rund um die Station Brackwede-Süd - drunter auch die Eisengießerei Baumgarte und DHL - seien vom Auto auf die Bahn umgestiegen. "Sie unterstützen damit den Öffentlichen Personennahverkehr", sagt Strauch. Auch zahlreiche Auszubildende ohne eigenes Auto seien auf den Haltepunkt angewiesen.

Bei der Firma 3 D Supply seien zudem viele Studenten beschäftigt, die aushilfsweise arbeiten. "Wenn die jetzt länger zum Arbeitsplatz brauchen, lohnt sich das für die nicht mehr", ist sich Hamid sicher. Für den Erhalt kämpfen die Mitarbeiter jedenfalls weiter. "Wir werden die Unterschriften jetzt der Stadt und dem Oberbürgermeister vorlegen", sagt Strauch.

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