Bielefeld/Venedig Erfolgreich in Venedig

Horst Raack und Jochen Schlüter gewinnen mit ihrer Kostüm-Idee beim Karneval

VON MARTINA CHUDZICKI
Hinter der pfauenblauen Maske ist Anne Hoffmann kaum zu erkennen. Die aufwendige Kopfbedeckung erinnert an zwei aufgeklappte Eihälften, auch am Kragen baumeln Fabergé-Eier . Ein Begleiter durch den Karnevalstrubel in Venedig ist der Bielefelder Horst Raack. - © FOTO: PRIVAT
Hinter der pfauenblauen Maske ist Anne Hoffmann kaum zu erkennen. Die aufwendige Kopfbedeckung erinnert an zwei aufgeklappte Eihälften, auch am Kragen baumeln Fabergé-Eier . Ein Begleiter durch den Karnevalstrubel in Venedig ist der Bielefelder Horst Raack. | © FOTO: PRIVAT

Bielefeld/Venedig. Die Nachricht erreicht sie per SMS  um 18.28 Uhr auf dem Flughafen von Triest. Kurz und knapp steht da: "Wir haben gewonnen!"  Anne Hoffmann kann es kaum glauben. Und  in ihre Freude mischt sich  ein wenig Trauer, weil sie beim großen Finale nicht mehr dabei  ist. Wir, das sind die beiden Bielefelder Horst Raack und Jochen Schlüter und die Engeranerin Anne Hoffmann. Und gewonnen haben die Drei nichts weniger als den Kostümwettbewerb beim Karneval in Venedig.

Das Wochenende in der Lagunenstadt wird das Trio so schnell nicht vergessen. "Das war ein Erlebnis, wie ich es in meinem ganzen Leben noch nicht gehabt habe", schwärmt  Hoffmann begeistert.   Hinein geschliddert ist sie in dieses Abenteuer durch Zufall. Einer jener Zufälle, die "das Leben bereichern", sagt sie. Beim Stadtbummel trifft sie ihren langjährigen Bekannten, den Bielefelder Jochen Schlüter. Der erzählt ihr, dass er gemeinsam mit seinem Freund Raack auch in diesem Jahr wieder am Karneval in Venedig teilnehmen wird, wo sie eigene Kostüme präsentieren werden.

2010 hatten die beiden bereits das Finale erreicht, ihre filigrane Arbeit aus einigen hundert Federn und rund 20.000 Perlen und Glitzersteine hatte damals begeistert. Selbst der Kopfschmuck, die Handstabmaske und die Handtaschen der Damen wurden damals Fabergé-Eiern nachempfunden – dieses Motiv wurde nun erneut gezeigt. Und jetzt fragte er also spontan: "Hast Du nicht Lust mitzukommen, Anne?"

Lange überlegen muss Hoffmann nicht. Und so sitzt sie am 5. März im Flieger nach Venedig, wo sie von Jochen Schlüter und Horst Raack bereits erwartet wird. Die Beiden sind mit dem größten Teil der  Kostüme voraus geflogen. Anne Hoffmann hat ihr  Kostüm selbst im Koffer. Jedenfalls das meiste davon. "Mit den  vielen bauschigen Volantröcken  und dem Kleid selbst war der Koffer schon fast voll", sagt sie. "Zum Glück brauchte ich für die zwei Tage ja nicht mehr so viel normale Kleidung ."

Ein wichtiges Detail ihrer Ausstattung hatten die beiden Männer bereits mitgenommen. Unter dem Motto "La famille Fabergé"   hatte Horst Raack Kostüme entworfen und genäht, die an die berühmten Fabergé-Eier erinnern. Hoffmanns Kleid war entsprechend nicht nur über und über mit diesen Eiern bestickt, benäht oder sonst wie verziert. Auf den Hüften wurden darüber hinaus große Eihälften aus Styropor drapiert, die mit edlen Stoffen, Perlen, Bordüren und Spitzen bezogen waren. Diese Styroporhälften waren bereits als Sperrgut verschickt.

Viel Zeit, sich Venedig anzuschauen, blieb den beiden Bielefeldern und Hoffmann nicht. Kaum angekommen, schlüpften sie und ein weiterer Mitstreiter in ihre barock-üppigen Kostüme. Was gar nicht so einfach war. "Allein das Ankleiden dauerte fast eine Stunde." Der Schritt vor die Haustür überwältigt die Neu-Karnevalistin dann. "Vom ersten Moment an ist man Ziel unzähliger Fotografen, alle wollen sich zusammen mit einem ablichten lassen", sagt Anne Hoffmann. Für sie ist das eine ganz neue Erfahrung und so ist es gut, dass sie Horst Raack und Jochen Schlüter an ihrer Seite hat – Raack, den Goldschmied, der nie eine Schneiderlehre absolvierte.

Beide sind "alte Hasen" in Venedig. Schon zum siebten Mal nehmen sie am Kostümwettbewerb teil, 2009 holten sie schon einmal den ersten Platz mit ihren Stofffantasien zum Thema "Die Reisen des Marco Polo". Als "Hobby und Passion" bezeichnen die Freunde ihre Vorliebe für aufwändige Kostümierungen. Rund zwei Jahre dauere es von der Idee bis zum fertigen Unikat aus Brokat, Samt und Moiréstoff.

Lampenfieber gab es nicht, Hoffmann: "Ich konnte mich ja hinter meiner Maske verstecken." Es sei schon spannend, für eine Weile ein ganz anderer Mensch in einer ganz anderen Zeit zu sein. Am Abend waren aber alle trotzdem froh, wieder aus dieser Maske in ein ganz normales Leben zurück schlüpfen und sich in einer kleinen Trattoria von den Strapazen des Tages erholen zu können.

Höhepunkt des letzten Sonntags vor Aschermittwoch ist in Venedig die Prämierung der besten Kostüm-Gruppen, die aus aller Welt angereist kommen. In diesem Jahr waren es 180 Kostümierte, die sich der Jury stellten.

Gewinnchancen hatten sich Jochen Schlüter und Horst Raack diesmal nicht ausgerechnet, weil sie mit ihren Fabergé-Kostümen bereits im vergangenen Jahr in Venedig vertreten waren.

Umso überwältigter waren sie, als die Juroren immer wieder fünf weiße Masken hoch hielten – das Zeichen dafür, dass sie eine Runde weiter gekommen waren und letztlich auf Platz eins landeten.
     

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