BIELEFELD Schüler des Helmholtz-Gymnasiums fordern Hausverbot für Bundeswehr

Politikunterricht vom Jugendoffizier stößt auch in OWL auf Kritik und Widerstand

VON NICOLE HILLE-PRIEBE
Ende Mai erkundeten Schüler aus OWL die General-Weber-Kaserne in Höxter - inklusive Stahlhelmtest. - © FOTO: ALINA REICHARDT
Ende Mai erkundeten Schüler aus OWL die General-Weber-Kaserne in Höxter - inklusive Stahlhelmtest. | © FOTO: ALINA REICHARDT
Hausverbot für Bundeswehr - © BIELEFELD
Hausverbot für Bundeswehr | © BIELEFELD

Bielefeld. Seit mehr als 50 Jahren machen Jugendoffiziere in Schulen Werbung für die Bundeswehr. Das Bielefelder Helmholtz-Gymnasium gehört zu den ersten Schulen, deren Schülervertretung ein Hausverbot für die Bundeswehr fordert.

Als Siegfried Schiele Mitte der 1970er Jahre der Kragen platzte, war der Vietnamkrieg gerade vorbei. In Deutschland hatte die RAF damit begonnen, die Gesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen. Das Land war geteilt, und auch die politische Didaktik hatte sich gespalten. "Die politische Bildung wurde damals von allen Seiten missbraucht, es hing vom Zufall ab, ob die Schülerinnen und Schüler bei der einen oder anderen Heilslehre landeten", sagt der ehemalige Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. "Es hat mich erregt, dass wir diese Verhältnisse hatten."

Auf Schieles Initiative hin trafen sich die zerstrittenen Wissenschaftler im Herbst 1976 in Beutelsbach zu einer Tagung, deren Ergebnis der "Beutelsbacher Konsens" war (siehe Kasten). Dass die vor mehr als 30 Jahren aufgestellten Regeln bis heute Gültigkeit haben, erfüllt den 74-Jährigen mit Stolz. Jüngstes Beispiel ist Mecklenburg-Vorpommern. Dort hat das Kabinett eine Kooperationsvereinbarung zwischen Bundeswehr und Bildungsministerium vorläufig gestoppt und lässt missverständliche Stellen mit Passagen aus Beutelsbach überarbeiten.

Informationen zum Arbeitsalltag in Kasernen

In Nordrhein-Westfalen wurde die Kooperation zwischen Schule und Bundeswehr im Oktober 2008 hingegen intensiviert. Bei ihrem Unterrichtsbesuch sollen die Jugendoffiziere "Informationen zur globalen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung genauso wie Informationen zu nationalen Interessen einbeziehen", heißt es in einer von der scheidenden Schulministerin Barbara Sommer unterzeichneten Vereinbarung mit der Bundeswehr. NRW war Pionier, das Saarland, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zogen nach.

Die scheidende NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) versteht sich gut mit Angehörigen der Bundeswehr. - © FOTO: KÖLNMESSE
Die scheidende NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) versteht sich gut mit Angehörigen der Bundeswehr. | © FOTO: KÖLNMESSE

Bereits in ihrem Jahresbericht 2008 zeigten sich die Jugendoffiziere erfreut darüber, dass sie jetzt "teilweise in die Referendarausbildung eingebunden" sind. Sie haben "die Erlaubnis, ihre Weiterbildungsangebote auf den Bildungsservern der Länder zu platzieren, und dürfen Angebote zum Teil mit dem Adresskopf des entsprechenden Landesministeriums über die offiziellen Schulverteilerwege versenden". Zudem hätten die Jugendoffiziere die Möglichkeit, ihre Angebote bei den Schulleitern vorzustellen und ihnen Seminare in Berlin, Brüssel, Straßburg, Stettin oder Wien anzubieten, "die ein sehr breites und positives Echo finden".

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