So nennt das Computerteam, zu dem Marc Ilgenstein gehört, die Arbeit an Laptop und Festplatte. Ohne Geduld geht wenig - ohne Schraubenzieher auch nicht. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
So nennt das Computerteam, zu dem Marc Ilgenstein gehört, die Arbeit an Laptop und Festplatte. Ohne Geduld geht wenig - ohne Schraubenzieher auch nicht. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Bielefeld Die Datenretter der Uni

Erste Hilfe nach dem Laptop-Absturz: Wie Studierenden geholfen werden kann

Bielefeld. Als es passiert, bricht für die junge Studentin eine Welt zusammen. Ihre Bachelorarbeit muss bis zum Abend abgegeben werden, und jetzt geht am Laptop plötzlich nichts mehr: Komplettabsturz. Sie kommt an kein Dokumente heran, was sie auch versucht. Sie hat Panik. Unter Tränen steht sie vor einem Mitarbeiter im Hochschulrechenzentrum der Universität. "Es ist alles verloren", sagt sie immer wieder. Hoffentlich kann er ihr helfen.

Beinahe jeder Studierende hat ein Laptop. Hunderte kommen jeden Monat zur Erste- Hilfe-Einheit im Rechenzentrum. Mal klappt der Zugang zum uni-eigenen W-Lan-Netz nicht sofort, mal hakt es bei der Anmeldung. Derlei Probleme sind meist schnell gelöst. Einige der Fälle, im Durchschnitt zehn pro Tag, sind so kompliziert, dass die zweite Hilfsebene eingeschaltet wird. Dann schlägt die Stunde der Spezialisten im Team von Projektleiter Peter Schoenknecht. Er und seine Mitarbeiter versuchen zu retten, was zu retten ist. Sie schrauben Laptops auseinander, reinigen Lüfter, stellen Daten wieder her.

Auch Michael Vergmann (Name geändert) weiß nicht, wie es weitergehen soll, als er zu den Spezialisten geht. "Ich habe an meinem Notebook einen Text für die Uni geschrieben und wollte den Internet Explorer öffnen, um etwas zu recherchieren." Dann habe das Notebook nicht mehr reagiert. "Es ließ sich nach dem Herunterfahren nicht mehr starten". Richtige Sorgen macht sich der Bachelorstudent erst, als ihm sein Bruder erklärt, dass möglicherweise alle Daten in Gefahr sind. "Und die waren für mich zum Teil sehr wichtig, da sich darunter viele Schriftdokumente meiner gesamten Unilaufbahn befanden." Die Experten diagnostizieren eine ganze Reihe von Hardwarefehlern. Die Daten stellen sie wieder her.

Die Erfolgsnachricht ist für die Studierenden oft wie eine Erlösung. Marc Ilgenstein aus dem Helferteam spricht vom "schönsten Job, den es gibt – weil ich mich freue, so helfen zu können". Manchmal dauert die Datenwiederherstellung Tage. Dringende Fälle haben Priorität. Erst muss der Betroffene beruhigt werden, dann kommt die Arbeit an Laptop und Festplatte, später – im Idealfall – die Erfolgsmeldung und ein klärendes Gespräch.

Die Erklärungen scheinen notwendig, wie ein Blick auf die immer wiederkehrenden Problemfälle zeigt: Eine Promotion, geschrieben einzig auf einem USB-Stick, der in der Uni, zuhause und anderswo benutzt wird; ein Notebook mit deinstalliertem Virenschutz ("Dann ist alles so langsam"); ein aus einer Tauschbörse heruntergeladener, mit Viren verseuchter Virenschutz; eine mobile Festplatte, die vom Tisch gefallen ist; ein Laptop, das aufgibt, weil Kaffee darüber gelaufen ist, Haare, Nikotin und Flusen den Lüfter lahmlegen. Alle Fälle eint: Sicherheitskopien Fehlanzeige. Darauf angesprochen reagieren die Betroffenen oft überrascht. Das selbe gilt für den Hinweis, mit dem USB-Stick vielleicht pfleglicher umzugehen, als ihn am Schlüsselbund herumzutragen.

Die Mitarbeiter machen Werbung für kostenlosen Virenschutz, den die Uni als NRW-Hochschule anbietet, für sicheres Speichern auf einem Uni-Laufwerk (unter Wahrung aller Datenschutzbestimmungen) und sensibilisieren die Studierenden, dass USB-Sticks extrem anfällig sind für Datenverlust.

Mit dem kostenlosen Angebot stößt das Rechenzentrum in eine Lücke, die nach den Worten des Leiters für Informationstechnologie, Frank Klapper, sehr groß ist. "Die Studierenden sind in einer wichtigen Phase ihres Lebens, nutzen ihr privates Notebook aber für professionelle Zwecke." Das Sicherheitsbewusstsein dafür, dass die Dokumente extrem wichtig sind, existiere nicht immer.

Den Service des Rechenzentrums bezahlt die Uni aus Studiengebühren. Es gehe nicht um Konkurrenz für Firmen, sondern um Erste Hilfe für Studierende. Festplatten repariert das Uniteam nicht, auch wird keine neue Hardware vermittelt.

Bei Bachelorstudent Michael Vergmann hat sich die Aufregung inzwischen gelegt. "Sie konnten meine kompletten Daten retten. Das macht mich echt glücklich". Das Notebook ist zum Hersteller unterwegs – zur nächsten Rettungsaktion.

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