Der Bielefelder Johannes Rose turnte mit seiner Freundin Amanda Vicharelli in luftiger Höhe über dem chinesischen Krater Xiaozhai-Tianken am Trapez und stellte damit einen Weltrekord auf. - © FOTO: DAVID MAJOR
Der Bielefelder Johannes Rose turnte mit seiner Freundin Amanda Vicharelli in luftiger Höhe über dem chinesischen Krater Xiaozhai-Tianken am Trapez und stellte damit einen Weltrekord auf. | © FOTO: DAVID MAJOR

Guiness-Weltrekord für Bielefelder

Johannes Rose turnte in 662 Meter am Trapez

VON FRANZISKA HÖHNL

Bielefeld. Er springt von Brücken, Hochhäusern und hohen Felsen. Der Bielefelder Johannes Rose gehört zur Weltspitze der sogenannten Base-Jumper. Gerade wurde sein zweiter Weltrekord eingetragen - allerdings für Trapezkunst. In 662 Metern Höhe.

Sie schaukeln an einem ellenlangen Drahtseil, schauen kurz nach unten, dann stoßen sie sich ab. Ein Base-Jumper nach dem anderen. Unter ihnen auch der Bielefelder Johannes Rose. Auch er fällt ins scheinbar Bodenlose, dreht sich um seine eigene Achse und ist noch im freien Fall, als er mitten im chinesischen Xiao-zhai-Tianken-Krater seinen Fallschirm öffnet und Sekunden später landet - 662 Meter tiefer. "Die Eindrücke im freien Fall waren einfach unglaublich, als ich in der Höhle ankam, hatte ich das Gefühl, als sei ich in einer anderen Welt", beschreibt Johannes Rose seinen Sprung und fügt hinzu: "Ich freue mich wirklich darauf, dort noch einmal zu springen."

Eingeladen wurden Rose und die anderen Extremsportler vom chinesischen Staatsfernsehen, das die spektakulären Sprünge in die größte Karstgrube der Welt filmte. Johannes Rose und seine US-amerikanische Freundin Amanda Vicharelli wollten aber mehr als das. Seit Monaten hatten sie in einer Zirkusschule in San Francisco geübt. Sie lernten zu zweit Kunststücke am Trapez zu turnen. "Diese Artistik zu lernen war Amandas Idee", sagt Johannes Rose. Seine Freundin ist wie er Weltklasse-Base-Jumper. So schien es fast unausweichlich, dass die beiden ihre Hobbies miteinander verbanden.

Weltrekord für die höchste Trapezkunstnummer

Mit Trapez und Fallschirm im Gepäck reisten sie nach China. Ein Drahtseil wurde über die 622 Meter lange Öffnung der Karstgrube gespannt, daran hing das Trapez. Nach einigen Kunststücken, die das deutsch-amerikanische Paar zusammen mit seinem Freund John Berry präsentierte, ließen sie einfach los und stürzten sich in gewohnter Manier in die Tiefe.

Johannes Rose auf dem Weg zum Gipfel der chinesischen Karstgrube. - © FOTO: DAVID MAJOR
Johannes Rose auf dem Weg zum Gipfel der chinesischen Karstgrube. | © FOTO: DAVID MAJOR

Johannes Rose meldete diese Aktion in luftiger Höhe sofort als Guinness-Weltrekord für die höchste Trapezkunstnummer mit fester Verankerung an. Die Verantwortlichen prüften ein Jahr lang die Details der Hobby-Artistik in 662 Meter Höhe. Seit dem Wochenende, mehr als ein Jahr nachdem der Weltrekord am 2. Oktober 2008 aufgestellt wurde, ist er offiziell anerkannt.

Es ist bereits Roses zweiter Weltrekord. Den ersten stellte er für den höchsten Indoor-Base-Jump auf: Zusammen mit neun anderen sprang er von der Dachkonstruktion des Spaßbades "Tropical Island" in der Nähe von Berlin 110 Meter in die Tiefe. Der 26-Jährige sprang auch schon vom Dach des Berliner Olympiastadions und von den 452 Meter hohen Zwillingstürmen in Kualar Lumpur.

Zum Base-Jumping kam er über das klassische Fallschirmspringen. Mehr als 2.200 Sprünge hat er in dieser Disziplin schon auf dem Konto, ist seit einigen Jahren Fallschirmlehrer. Doch das reichte nicht: "Ich wollte mal wieder für mich springen, nicht immer nur mit anderen." Seitdem reist er durch die ganze Welt. Denn in Deutschland musste Rose viel Papierkram erledigen, ehe er von Gebäuden und Felswänden springen durfte. Inzwischen hat er sein Zahnmedizin-Studium in Berlin aufgegeben und ist zu seiner Freundin Amanda Vicharelli in die USA gezogen.

Dort ist das Springen von Gebäuden unbürokratischer. "Er hat seine Ausbildung als Helikopter- und Flugzeugpilor fast beendet", sagt Johannes’ Mutter Marietta Rose, die nach wie vor in Bielefeld wohnt. "Das ist auch gut so: Ich habe schon lange erkannt, dass mein Sohn keine Bodenhaftung mehr bekommt - er lebt in der Luft", fügt sie scherzend hinzu. Johannes Rose hat schon wieder die nächste spektakuläre Aktion im Kopf - will aber noch nichts verraten.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group