Langjährige Haft für Mord mit 108 Messerstichen

Waldemar W. muss elfeinhalb, Wladimir J. zehneinhalb Jahre ins Gefängnis / Schwurgericht ordnet Unterbringung an

VON PETER JOHNSEN

Bielefeld. "Wir haben hier ein Tatbild, wie es selbst langjährigen Mitgliedern diese Kammer noch nicht vorgekommen ist", hob Schwurgerichtsvorsitzende Jutta Albert die Einmaligkeit des "Mordes am Weiher" hervor.

Zuvor hatte sie folgende Urteile verkündet: Elfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe wegen gemeinschaftlichen Mordes für Waldemar W. (40) aus Pr. Oldendorf, zehneinhalb Jahre für den Bielefelder Wladimir J. (25). Zusätzlich ordnete das Gericht die Unterbringung beider Angeklagter in einer Entziehungsanstalt an, die aber erst erfolgen soll, nachdem W. und J. einen Teil ihrer Haftstrafen verbüßt haben.

Das Urteil entsprach weitgehend den Anträgen von Staatsanwalt Udo Vennewald. Die Verteidiger Kerstin Muthers (W.) und Ulrich Kraft (J.) hatten auf Verurteilung ihrer Mandanten nur wegen Totschlags zu geringeren Strafen plädiert.

Wie mehrfach berichtet, hatten die Angeklagten und der anderweitig verfolgte Aleksej H. (35) das Opfer Sergej T. (24) am 24. September 2008 zu einem abgelegenen Teich in Milse gebracht. Dort wurde T. der zuvor bereits von Aleksej H. schwer verprügelt worden war, mit 108 Messerstichen getötet und die Leiche ins Wasser geworfen. Die Obduktion hatte ergeben, dass dem Opfer auch Messerstiche in die Genitalien und durch die Fußsohle hindurch versetzt worden waren. Außerdem hatten die Täter den 24-Jährigen soweit gebracht, dass er versucht hatte, sich mit seinem Gürtel selbst zu erhängen.

Motiv für das Verbrechen sei nach Überzeugung der Kammer die Angst der Angeklagten gewesen, Sergej T. könne wegen der Misshandlung durch H. zur Polizei gehen und dort die umfangreichen Drogengeschäfte der Beteiligten verraten, führte Albert in der Urteilsbegründung aus. Es habe daher das Mordmerkmal "Verdecken einer Straftat" vorgelegen.

Die Vorsitzende erinnerte an die letzten Worte, die Sergej T.s Mutter – sie hatte sich dem Verfahren als Nebenklägerin angeschlossen – in der Tatnacht an ihren Sohn gerichtet hatte, als dieser in Begleitung seiner Mörder das Haus verließ: "Wenn Du jetzt gehst, brauchst Du gar nicht wieder zu kommen". Auf makabre Weise habe sich diese Warnung erfüllt, so Albert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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