Markus Hildenhagen von den Bielefelder Eisenbahnfreunden hilft mit, die Rangierlok Kö zu restaurieren. Hier hockt er hinter ihren beiden Achsen. Jede wiegt eine Tonne. Die Lok selbst hat ein Gesamtgewicht von etwa 10 Tonnen. - © FOTOS: ANDREAS ZOBE
Markus Hildenhagen von den Bielefelder Eisenbahnfreunden hilft mit, die Rangierlok Kö zu restaurieren. Hier hockt er hinter ihren beiden Achsen. Jede wiegt eine Tonne. Die Lok selbst hat ein Gesamtgewicht von etwa 10 Tonnen. | © FOTOS: ANDREAS ZOBE

Für Männer mit starkem Fuß

Eisenbahnfreunde restaurieren seltene Rangier-Lok aus Bielefeld

Bielefeld. Die Düsseldorfer "Kö" ist vor allem der Damenwelt als Einkaufsmeile für Besserverdienende bekannt. Aber auch in Bielefeld gibt es jetzt eine "Kö". Die ist allerdings naturgemäß eher was für Männer.

Noch steht sie ganz verborgen: Die Kleinlokomotive mit Ölmotor, kurz "Kö". Im E-Lokschuppen an der Stadtheider Straße, direkt neben dem Veranstaltungszentrum Ringlokschuppen, hat der Verein der Eisenbahnfreunde sein neues "Schätzchen" untergebracht. Als Lok ist sie nicht zu erkennen. Der Führerstand ist komplett abmontiert, der Motor und das Getriebe herausgenommen, die Stahlbleche fehlen, die Achsen liegen auf dem Gleis vor der Lok. Sie selbst ruht auf dicken Holzböcken und wartet auf die Wiedergeburt.

"Wir haben die Lok durch Zufall im Internet gefunden", erzählt Hartmut Dudei, der Vorsitzende des Vereins. Die 1935 gebaute Rangier-Lok Kö war vom 1. Oktober 1969 bis zu ihrer Ausmusterung am 24. Oktober 1979 in Bielefeld stationiert. "Jetzt haben wir sie wieder nach Hause geholt." Bis zum vergangenen Jahr stand sie noch in Hessisch Lichtenau. Von dort wurde sie im Juli 2008 nach Bielefeld geholt (die NW berichtete). Seitdem arbeiten die 40 Mitglieder der Eisenbahnfreunde an der Restaurierung der kleinen Lok.

"Wir wollen sie in einen fahrtüchtigen Zustand bringen", erklärt Dudei. Wenn alles klappt, soll sie in einem Jahr wieder fahrbereit sein. Das heißt, wenn das Bundesbahn-Zentralamt sie abnimmt. Das ist sozusagen der Lok-TÜV. Hauptproblem bei der Restaurierung sei der Rost. "Vor allem das Führerhaus und die Bodenbleche sind sehr stark angegriffen", sagt Dudei. Vieles ist nur durch Handarbeit zu lösen, hin und wieder aber gibt es auch Ersatzteile. Zum Beispiel für eine gesprungene Feder an den Achsen sucht der Verein Ersatz beim Verkehrsmuseum in Nürnberg. Die Bleche für den Boden und die Seiten werden im Fachhandel bestellt. Die Signalpfeife ist originalgetreu nachgebaut worden.

Der Motor dagegen stellt schon viel weniger ein Problem dar. "Das ist ein Universalmotor, der auch heutzutage noch in Planierraupen und Traktoren eingesetzt wird - da gibt es jede Menge Ersatzteile", erklärt Eckhard Ollderdissen-Birkner, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Wenn der 50-PS-Motor dann wieder läuft, braucht er einen starken Fuß, um die Lok bremsen zu können. "Das waren früher kräftige Burschen auf dem Führerstand, weil die Bremse rein mechanisch funktioniert", sagt Dudei.

Wenn die Lok wieder fährt, wird sie einen Wert von etwa 100.000 Euro haben, schätzt er. "Unsere Kö ist immerhin ein Unikat." Aus eigenen Mitteln aber sei die komplette Restaurierung schwierig. "Wir würden uns über Sponsoren freuen, die mit uns ein Stück Bielefelder Eisenbahngeschichte erlebbar machen wollen", so Dudei. Denn auch Bielefeld hat jetzt eine ganz eigene Kö.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group