Betrogen und ausgenutzt: Stephanie Brink wollte einem Flüchtling helfen und rannte direkt in die geschickte Falle von Immobilienbetrügern. Dass das Immobilienportal sie nicht warnte, als der Betrug aufgefallen war, kann sie nicht verstehen. - © Andreas Zobe
Betrogen und ausgenutzt: Stephanie Brink wollte einem Flüchtling helfen und rannte direkt in die geschickte Falle von Immobilienbetrügern. Dass das Immobilienportal sie nicht warnte, als der Betrug aufgefallen war, kann sie nicht verstehen. | © Andreas Zobe

Bielefeld 45-Jährige wird Opfer von fiesen Immobilienbetrügern

Angebot einer angeblichen Vermieterin entpuppt sich als Falle. Die Täter agieren mit Immobilienscout und Airbnb

Jens Reichenbach

Bielefeld. Stephanie Brink ist entsetzt. Die 45-Jährige hilft ehrenamtlich Flüchtlingen, die sie als Patin betreut. Ausgerechnet beim Versuch, ihrem 29-jährigen Schützling aus dem Iran bei der Wohnungssuche zu helfen, wurde sie nach Strich und Faden betrogen – von professionellen Immobilienbetrügern. „Ich habe sechs Monate lang Anzeigen studiert, Wohnungen besichtigt und zahlreiche Absagen kassiert", berichtet Brink von ihrer zeit- und nervenraubenden Aufgabe. „Umso größer war meine Freude, als ich endlich eine Zusage bekam." Über das Internetportal „Immobilienscout 24" hatte eine Frau eine „schöne 2-Zimmer-Wohnung mit Balkon und Einbauküche" an der Leedsstraße angeboten, zu einem günstigen Mietpreis. Stephanie Brink und die Vermieterin werden sich schnell einig. Allerdings gibt es ein Problem: Die Betrügerin gibt vor, beruflich nach Mailand gezogen zu sein. Deshalb wolle sie Besichtigung und Vertragsabwicklung über „Airbnb" abwickeln, eine internationale Plattform zur Buchung und Vermietung von privaten Unterkünften. Der Vorteil: Der Mieter zahlt an den Mittler, der das Geld erst mit Verzögerung an den Vermieter weiterleitet. Das geschieht, damit beim ersten Bezug keine Überraschungen passieren oder die Wohnung der Beschreibung nicht entspricht. 1.400 Euro Vorauszahlung macht sie nicht stutzig Die Bielefelderin wird nicht stutzig. Auch nicht, als die Vermieterin mitteilt, dass Airbnb den Wohnungsschlüssel ausgibt, sobald sie 1.000 Euro Kaution und 400 Euro für die erste Miete überwiesen hat– und zwar auf ein italienisches Konto. Die Vorkasse-Betrügerin geht dabei sehr geschickt vor: Sie bittet die 45-Jährige – stets in englischer Sprache –, sich auf der Originalseite von Airbnb anzumelden und ihr anschließend die Anmeldedetails zu mailen, damit sie den Vorgang von Mailand aus starten kann. Sie lässt das Opfer im Glauben, dass es von nun an Airbnb mit zu tun hat. Wenig später erhält die Bielefelderin mutmaßlich eine Mail von Airbnb mit der entsprechenden Rechnung samt Transaktionsnummer, Bankdaten einer römischen Bank sowie der Geschäftsbedingungen. Alles wie erwartet. Vor der angeblichen Airbnb-E-Mail-Adresse wird im Internet gewarnt Doch die Absenderadresse ist gefälscht. Auf mehreren Internetseiten wird vor dem Umgang mit der Mailadresse „airbnb.traveleurope@europe.com" gewarnt. Sie gehört nicht zu der bekannten Plattform. Auch der Name der angeblichen Vermieterin ist unter dem Stichwort „Vorkassebetrug" im Internet zu finden. Stephanie Brink, die abends und an freien Tagen sehr viel Zeit und Energie auf die Betreuung ihrer Schützlinge verwendet, will einfach diese Wohnung haben. Sie schlägt sogar eine Warnung des Sozialamts aus, das ihr geraten hatte, die Finger von der Wohnung zu lassen. „Mein Schützling hat mir mal gesagt: ’Das größte Geschenk für mich wäre eine Wohnung’." Zusammen mit seinem Bruder kratzte der 29-Jährige die Summe zusammen und hörte nie wieder etwas von der Vermieterin. "Warum informieren die mich nicht, wenn sie den Betrug schon erkennen?" Der Versuch der Helferin, die Überweisung rückgängig zu machen scheitert. Immobilienscout 24 berichtet ihr, dass man die verdächtige Anzeige schon eine Woche vor der Überweisung gelöscht habe. „Wenn die schon herausfinden, dass da Betrüger am Werk sind, warum wurde ich darüber nicht informiert?", fragt das Opfer. Eve-Marie Röseler, Sprecherin der Immobilienplattform bestätigt: „Wir haben verschiedene technische Maßnahmen etabliert, mit denen wir jedes neu eingestellte Objekt überprüfen." Verdächtige Angebote könne man so schon kurz nach dem Einstellen identifizieren. Die Masche mit der Airbnb-Vorkasse ist in Bielefeld seit 2016 bekannt „Sollte sich der Verdacht bei der anschließenden Sichtprüfung des Objekts erhärten, löschen wir das Angebot und sperren das dazugehörige Anbieterkonto", betont Röseler. „Interessenten, die auf so ein unseriöses Angebot reagiert haben, werden per E-Mail von uns gewarnt." Offenbar war die Prüfung im Fall von Stephanie Brink noch nicht abgeschlossen. Am Telefon sagte man ihr, dass zu dem Zeitpunkt nur ein Verdacht bestanden hätte – mehr nicht. Eine Beschwerde der Bielefelderin bei Immobilienscout blieb bisher unbeantwortet. Die Polizei Bielefeld kennt die Betrugsmasche mit Airbnb seit 2016. Die Betrugsermittler sprechen von einem seltenen Phänomen – „vermutlich weil sowohl Airbnb als auch die Immobilienportale recht schnell verdächtige Anzeigen blockieren." Im Fall der Bielefelderin leider zu spät. "Jetzt fährt die mit einem Geld wahrscheinlich in den Urlaub" Das eigentliche Opfer, der 29-jährige Iraner, reagierte traurig: „Jetzt fährt die mit meinem Geld wahrscheinlich in den Urlaub", sagte er, als er von dem Betrug erfuhr. Die Chancen, die Täter im Ausland zu ermitteln, stehen dennoch nicht schlecht, heißt es von der Polizei. Weil die Täter tatsächliche Kontodaten nutzen. Die Sparkasse hat noch versucht, die Buchung zu prüfen. Doch die italienische Bank reagierte nicht auf die Anfrage aus Bielefeld. Ob das Rechtshilfeverfahren der Kripo mit den italienischen Behörden Erfolg bringt, bleibt abzuwarten.

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