Keine Bagatelle: Mobbing im Internet sorgt dafür, dass die Opfer vor einer großen Öffentlichkeit bloßgestellt werden. Am Sennestädter Gymnasium traf es jetzt unter anderem und ganz besonders eine junge Lehrerin. - © Silvia Marks/dpa-tmn
Keine Bagatelle: Mobbing im Internet sorgt dafür, dass die Opfer vor einer großen Öffentlichkeit bloßgestellt werden. Am Sennestädter Gymnasium traf es jetzt unter anderem und ganz besonders eine junge Lehrerin. | © Silvia Marks/dpa-tmn

Bielefeld Witze, Pornografie, Beleidigungen: Krasser Fall von Lehrer-Mobbing in Bielefeld

Witze, Peinlichkeiten, Pornografie und persönlichen Beleidigungen

Susanne Lahr

Bielefeld. Die Welt am Hans-Ehrenberg-Gymnasium in Sennestadt ist dieser Tage nicht in Ordnung. Anonyme Schüler-Beichten via Instagram sorgen für mächtig Ärger. Die Inhalte der Beichtgeheimnisse reichten und reichen von harmlosen Witzen, über Peinlichkeiten, Pornografie bis hin zu persönlichen Beleidigungen von Lehrern und Mitschülern. Die Schulleitung hat Anzeige erstattet und deutlich gemacht, dass sie derartige Grenzüberschreitungen nicht duldet. Schulleiterin Ute Wilmsmeier berichtet von mehreren Instagram-Beichtgruppen. „Das ist im Moment Trend an den Schulen, insbesondere an Gymnasien." Über die Plattform Tellonym schreiben die Teenager anonym Kommentare, der jeweilige Link wird via Instagram verteilt. Tellonym hat die Anonymisierung zu seinem Geschäftsmodell gemacht. Immer heftigere Posts Im Sommer seien die ersten Gruppen entstanden, „im Herbst haben wir davon gehört", so Wilmsmeier. Die Schüler täten natürlich alles, um die Lehrer rauszuhalten, aber nachdem die Posts immer heftiger geworden seien, habe es Hinweise aus der Schülerschaft gegeben. Die Schulleitung habe dann versucht, an den „Gate-Keeper" heranzukommen, jenen, der entscheidet, welche Nachrichten öffentlich werden. Bislang leider vergeblich, „da sind enge rechtliche Grenzen gesetzt", sagt Ute Wilmsmeier. In der Folge sei später das Verfahren wegen Beleidigung und Verletzung der Persönlichkeitsrechte eingestellt worden. 30 bis 40 Schüler ermittelt Doch etwa 30 bis 40 Schüler von rund 100, die in der besagten Beichtgruppe aktiv waren, konnte die Schulleitung bisher ermitteln. Sie wurden vor kurzem aus dem Unterricht geholt und mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert, ihnen wurden Sozialstunden aufgebrummt, während die Eltern zeitgleich einen Brief erhielten. Am Mittwochabend tagte auch die Schulkonferenz zum Thema „Cybermobbing", nachdem am 20. November die Schulpflegschaft informiert worden war und es am 29. November einen Rundbrief an alle Erziehungsberechtigten gegeben hatte. Schulpflegschaftsvorsitzende Christa Schüßlbauer-Tweer hält die Vorgehensweise der Schule für richtig. Für sie ist jedoch wichtig, im Zusammenhang mit der Medienkompetenz auch die Verantwortlichkeit der Eltern hervorzuheben. Lehrerin sehr betroffen Ute Wilmsmeier schildert, dass eine junge Kollegin, die im Fokus gestanden habe, von den Beichten sehr getroffen sei. Vor allem, da diese teils von Schülern kamen, die sie unterrichte. „Dass so unangemessen gehandelt wird, hätten wir alle nicht für möglich gehalten." Die Schüler würden einfach nicht überlegen, was sie mit ihren Posts anrichten. Das gelte auch für jene, die die Beichten gedankenlos liken oder nur Lesebestätigungen verteilen. Seit Bekanntwerden der Beichtgeheimnisse seien sogar schon wieder neue Gruppen entstanden, während der gesuchte Gate-Keeper seine Ausgabe flugs gelöscht habe, so die Schulleiterin. „Bei einigen ist die Botschaft jedoch angekommen", sagt Wilmsmeier. „Es hat auch persönliche Entschuldigungen gegeben." Kommissariat Vorbeugung im Boot Die Ehrenberg-Schule will jetzt ihr medienpädagogisches Konzept ausweiten, vermehrt die Mittelstufe noch einmal in den Fokus nehmen, erklärt der stellvertretende Schulleiter Christian Budde. Kurzfristig sollen Anfang 2018 Projekttage mit Experten des Vereins „Eigensinn" stattfinden, das Bielefelder Kommissariat Vorbeugung ist im Boot. Alle Lehrer sind aufgefordert, das Thema „Cybermobbing" zu thematisieren. Nicht zuletzt, wie Ute Wilmsmeier sagt, „um eine Grenzziehung zu kommunzieren". „Cyber-Mobbing dulden wir an unserer Schule nicht."

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