Leider kein Einzelfall: An der Ecke Beckhausstraße/Deciusstraße kommt es besonders oft zu Kollisionen. - © Wolfgang Rudolf
Leider kein Einzelfall: An der Ecke Beckhausstraße/Deciusstraße kommt es besonders oft zu Kollisionen. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Unfassbar: Seit Anfang 2016 gab es in Bielefeld 125 Stadtbahnunfälle

Jede Woche kracht es im Schnitt mindestens ein Mal. Polizei und MoBiel berichten, wie oft es wo zu Unfällen kommt. Seit 2012 hat die Zahl der Kollisionen leicht zugenommen

Dennis Rother

Bielefeld. Jede Woche ereignet sich mindestens ein Stadtbahnunfall - das sagt zumindest das Gefühl vieler Bielefelder. Dass dieses Gefühl nicht täuscht, zeigt die offizielle Unfallstatistik von MoBiel: Ganze 125 Mal hat es seit Anfang 2016 gekracht. Dabei ist und bleibt die Beckhausstraße vor allem wegen unachtsamer Abbiegeversuche von Auto- und Motorradfahrern Unfallschwerpunkt Nummer eins. Bei den schweren Unfällen zeigt die Tendenz aber nicht nach oben. 50 Unfälle verzeichnete das städtische Verkehrsunternehmen noch vor fünf Jahren, 2014 gab es mit 77 Unfällen den Höchststand in jüngerer Vergangenheit. Immerhin 67 Unfälle stehen für 2016 zu Buche, 58 waren es bis Montag in diesem Jahr. Erfasst werden laut MoBiel-Pressesprecherin Lisa Schöniger alle Unfälle, die die Bahn mit Autos, Lkw, Fahrradfahrern oder Fußgängern hatte - vom Frontalzusammenstoß über Längs-Schrammen bis hin zum abgefahrenen Außenspiegel. Letzteres läuft in der Polizeistatistik unter "Bagatellschäden" und fällt dort quasi unter den Tisch. Die Beamten gewichten: In ihrer Statistik werden laut Sprecherin Hella Christoph nur Unfälle mit Verletzten, Unfälle an neuralgischen Stellen - also Unfallschwerpunkte - sowie Unfälle mit schwerem Sachschaden berücksichtigt. "Schwerer Sachschaden heißt für uns, dass Autos oder Motorräder nicht mehr fahrbereit sind", so Christoph. Diese "Auslese" führt dazu, dass die Summe der polizeilich festgehaltenen Unfälle deutlich niedriger ist als die von MoBiel. 16 Unfälle mit Stadtbahnen gingen demnach in der von Januar bis Mitte November 2016 in die Statistik ein, zehn davon mit Verletzten. darunter fünf Schwerverletzte und neun Leichtverletzte. 13 Unfälle gab es bislang 2017, bei acht davon wurden Personen verletzt. Zwei Schwerverletzte und sieben Leichtverletzte meldet die Polizei. Bei 16 der 29 Unfälle handelte es sich laut Christoph um Abbiegeunfälle über Gleise. Das erklärt, weswegen sich die Punkte auf der Unfallgrafik entlang der Linie 1 insbesondere an Beckhausstraße und Artur-Ladebeck-Straße anhäufen. Dort gibt es viele Seitenstraßen - und offenbar zu wenig Signalleuchten, die vor herannahenden Bahnen warnen. An Detmolder und Herforder Straße sind die Kreuzungen per Ampel geregelt. Die Bielefelder Zahlen sind übrigens moderat. Die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), die ein vergleichbares Schienennetz wie in Bielefeld betreibt, zählte im vergangenen Jahr sogar 174 Unfälle (31 Mal mit Verletzten). Im aktuellen Jahr zählt die KVG bisher 157 Unfälle (21 Mal mit Verletzten). Auch in Kassel gebe es Unfallschwerpunkte, wo vor allem unachtsame Abbieger für große Probleme sorgten, hieß es.

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