Hier verlor er seine Erinnerung: Christoph Kostka steht an dem Ort, an dem es vermutlich zum Streit kam. - © Christian Weische
Hier verlor er seine Erinnerung: Christoph Kostka steht an dem Ort, an dem es vermutlich zum Streit kam. | © Christian Weische

Bielefeld Erst ein Streit, dann ein Sturz, anschließend lag dieser Bielefelder vier Wochen im Koma

Christoph Kostka (49) stürzte auf seinen Kopf. Viele seiner Erinnerungen sind weg

Jens Reichenbach

Bielefeld. Der 49-jährige Christoph Kostka ist ein leidenschaftlicher Rennrad- und Kajakfahrer. Beides ist derzeit nicht mehr möglich, weil er am 21. Juni am Jahnplatz mit einem Mann in Streit geriet, der ihn schließlich so stark von sich wegschubste, dass der Bielefelder auf den Kopf stürzte. Vier Wochen lang lag er anschließend im Koma, vier Monate später konnte er endlich in seine Wohnung zurückkehren. Bis heute fehlen ihm große Teile seiner Erinnerungen. "Als ich wieder wach wurde, konnte ich gar nicht glauben, dass wir schon 2017 haben", erklärt der Bielefelder. Seine letzte Erinnerung stammte damals aus dem Jahr 2009. Kostka hatte bei dem Sturz ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit gefährlichen Einblutungen und dem Bruch des Schädeldaches erlitten. Umgehend wurde er vom Notarzt behandelt und ins Krankenhaus gefahren. Wie die Polizei damals mitteilte, war der Radler am Niederwall (Höhe Taxistand) mit einem 28-jährigen Wohnungslosen in Streit geraten. Im Verlauf des Streits kippte Kostka seinen Kaffee über das T-Shirt des Fußgängers. "Daraufhin stieß der 28-Jährige den Radfahrer von sich. Dieser stürzte auf die Straße", heißt es im Polizeibericht. "Mein Gehirn ist wie ein Computer und der ist auf die Straße gefallen" "Dieser Moment hat mein Leben zerstört", sagt der 49-Jährige vier Monate später. Er könne sich an nichts mehr erinnern, könne nicht mehr Radfahren, eine Ostseetour im Kajak - wie noch 2016 - wäre heute zu gefährlich, möglicherweise kann er auch nicht mehr arbeiten. Obwohl die polizeiliche Unfallaufnahme abgeschlossen ist und wegen vorsätzlicher Körperverletzung ermittelt wird, sucht der 49-Jährige weiterhin Augenzeugen des Vorfalls. "Ich will selbst nach Spuren und nach Zeugen suchen. Ich will alles aufarbeiten." Da der Wohnungslose vermutlich kein Vermögen besitze, hoffe der Bielefelder jetzt auf eine Opferrente. Die Verzweiflung ist dem ehemaligen Beamten anzumerken. Er sagt: "Mein Gehirn ist wie ein Computer und der ist auf die Straße gefallen." Ihm bleibt die vage Hoffnung, dass die meisten seiner Erinnerungen zurückkehren. Wer Zeuge des Vorfalls gewesen ist und helfen möchte, kann sich bei dem Bielefelder per E-Mail melden unter christophkostka@gmx.de.

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