Hier traf man sich in den 50er Jahren: Wochenmarkt und Großmarkt zwischen Paulusstraße und Kesselbrink. - © Stadtarchiv Bielefeld
Hier traf man sich in den 50er Jahren: Wochenmarkt und Großmarkt zwischen Paulusstraße und Kesselbrink. | © Stadtarchiv Bielefeld

Bielefeld Historisch: Als rund um den Kesselbrink noch das Markt-Leben tobte

Zu den Markthändlern gehörten viele regionale Obst- und Gemüsebauern, die ihre Früchte anboten

Alexandra Buck

Bielefeld. Wenige wissen, dass auf dem Bielefelder Kesselbrink einst Schafe und andere Tiere weideten. Damals hieß der Platz noch Köttelbrink. Später war er Kurort, Exerzierplatz Preußischer Soldaten, Standort für Kirmes und Zirkus, Parkplatz, Busbahnhof und Marktplatz. Heute heißt er Gott sei Dank Kesselbrink - hat aber trotz der Umgestaltung noch eine "köttelige" Aura. So richtig Freude bereitet er den meisten Bielefeldern zumindest nicht. Merkwürdiges Volk treibt sich hier herum und der Platz gleicht nach den Markttagen einem Schlachtfeld. Markttreiben in den 50ern Zumindest der Grüne Würfel steht jetzt nicht mehr leer. Mit dem Noori ist asiatische Systemgastromie in das Gebäude der BWG eingezogen. Doch wer regelmäßig über den Platz schlendert, bemerkt, dass das Restaurant oft nicht besonders gut besucht ist. In den 50er Jahren gastierten auf dem Kesselbrink regelmäßig große Zirkusunternehmen, mehrmals im Jahr war Kirmes und Ringer und Catcher verdingten sich dort. Und auch außerhalb des Marktes waren hier immer wieder "fliegende Händler" unterwegs, die denjenigen, die auf den Bus warteten, ihre Waren anzudrehen versuchten. Auch der heutige Neumarkt mit seinen schicken Hotels versprüht heutzutage ein eher sprödes Flair. Umso beeindruckender schauen die historischen Fotos vom Neumarkt aus den 50er Jahren aus. Gut, hübsch ist etwas anderes - aber wenigstens war was los: Die halbe Stadt traf sich auf dem Wochenmarkt und Großmarkt zwischen Paulusstraße und Kesselbrink. Keimzelle Alter Markt Im 19. Jahrhundert bildete zunächst der Alte Markt, seit den 1870er Jahren der Neumarkt am Niederwall den Hauptstandort des Bielefelder Wochenmarktes. Zu den Markthändlern gehörten viele regionale Obst- und Gemüsebauern, die ihre im Großraum Bielefeld oft noch nebenerwerbswirtschaftlich angebauten Früchte direkt anboten. Die Bielefelder Bevölkerung wuchs und damit stieg der Bedarf an Obst und Gemüse. Ein rentabler, erwerbsmäßiger Gemüsebau musste her. Um die Landwirte in ihrer Doppelfunktion als Erzeuger und Verkäufer ihrer Produkte zu entlasten, wurde nach dem Ersten Weltkrieg die Obst- und Gemüsebaugenossenschaft von Schildesche und Umgebung (OGEB) gegründet, die auf dem Wochenmarkt am Kesselbrink eine feste Verkaufsstelle einrichtete. Überdachte Verkaufsstände Zu dieser Einrichtung kamen in den 1920er Jahren weitere Händler. Auf dem Wochenmarktgelände standen hölzerne, überdachte Verkaufsstände und kleinere Lagergebäude. Im Zweiten Weltkrieg richteten die Bombenabwürfe am 30. September 1944 auch auf dem Marktgelände erheblichen Schaden an, der nach der Kapitulation von vielen Markthändlern teilweise auf eigene Kosten behoben wurde.

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