Die gesuchten EX-RAF-Terroristen Burkhard Gareg (vorne) und Ernst-Volker Staub (hinten) wurden möglicherweise von Kameras im Osnabrücker Nahverkehr aufgenommen. - © Landeskriminalamt Niedersachsen
Die gesuchten EX-RAF-Terroristen Burkhard Gareg (vorne) und Ernst-Volker Staub (hinten) wurden möglicherweise von Kameras im Osnabrücker Nahverkehr aufgenommen. | © Landeskriminalamt Niedersachsen

Bielefeld/Porta Westfalica Spur von gesuchten Ex-RAF-Terroristen führt nach Bielefeld und Porta Westfalica

Mit neuen Tatortvideos fahndet das LKA nach drei untergetauchten Ex-RAF-Terroristen. Die Gesuchten sollen vor ihren Überfällen fünf Autos in Ostwestfalen gekauft haben

Jens Reichenbach

Bielefeld/Porta Westfalica/Hannover. Mit einer Serie von Raubüberfällen brachten drei seit Jahrzehnten untergetauchte ehemalige RAF-Terroristen die Polizei 2015 wieder auf ihre Spur. Wie die Fahnder nun vermuten, könnte das Trio sich möglicherweise im Mittelmeerraum aufhalten und jeweils zu Raubüberfällen nach Norddeutschland gereist sein. Doch ihre Spur führte auch nach Ostwestfalen: In Bielefeld sollen sie viermal Autos gekauft haben - einmal in Porta Westfalica, heißt es vom Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen. Mit bislang unveröffentlichten Tatvideos startete das LKA am Montag einen neuen Fahndungsaufruf nach den Ex-RAF-Mitgliedern Ernst-Volker Staub (63), Burkhard Garweg (49) und Daniela Klette (59), das für mindestens neun Raubüberfälle in Norddeutschland verantwortlich sein soll. Die Ermittler halten die Täter für hochgefährlich. LKA-Sprecher Hans Retter berichtet, dass das Trio mehrfach nach Ostwestfalen kam, um dort zur Vorbereitung ihrer Überfälle Autos zu kaufen. So erwarben die gesuchten Terroristen nach Ansicht der Ermittler am 29. November 2013 in Bielefeld einen Golf, mit dem sie am 23. August 2014 einen Überfall in Elmshorn (bei Hamburg) verübten. Am 19. November 2014 kauften sie demnach erneut in Bielefeld einen Wagen - diesmal einen VW Passat. Am 2. Januar 2015 benutzten sie den Wagen, um in Osnabrück zuzuschlagen. Die Ex-RAF-Terroristen kamen 2014, 2015 und 2016 nach Bielefeld Im Dezember 2015 sollen sie wieder nach Bielefeld zurückgekehrt sein. Am 10. Dezember 2015 kauften sie nach Ansicht der Ermittler einen Ford Mondeo. Vier Monate später wechselten sie nach Porta Westfalica. Laut Retter erwarben die Terroristen dort am 8. März 2016 einen Opel Corsa. Beide Fahrzeuge stehen im Zusammenhang mit dem bisher letzten bekannten Überfall der Gesuchten am 25. Juni 2016 in Cremlingen bei Braunschweig. Doch damit nicht genug. Die Täter kehrten am 22. April 2016 zum vierten Mal nach Bielefeld zurück und kauften einen VW Polo. Durch Benutzung dieses Wagens konnten Staub und Garweg am 7. Mai 2016 einen Geldboten in einem Rewe-Supermarkt in Hildesheim überfallen. Allerdings ohne Erfolg. Trotz Androhung von Waffengewalt, bekam man den Tresor des Marktes nicht auf. Sie mussten ohne Beute fliehen. Einige der Wagen ließen die Gesuchten am Tatort zurück, so Retter. Intensive Ermittlungen bei Bielefelder Autohändlern führten schließlich zu den Erkenntnissen, die nun für die erneute Fahndung veröffentlicht wurden. Das LKA geht davon aus, dass die Täter immer wieder dann zuschlugen, als ihnen das Geld ausgegangen war.LKA veröffentlicht Videoaufnahmen von dem Überfall Für entscheidende Hinweise, die zur Aufklärung der Taten und zu einer rechtskräftigen Verurteilung der Täter führen, wurde eine Belohnung bis zu 80.000 Euro ausgesetzt, so das LKA Niedersachsen. Aber die Polizei warnt: "Nicht selbstständig an die Personen herantreten! Sie dürften bewaffnet sein." Die Gesuchten können sich noch in Deutschland aufhalten. Allerdings gab es bislang trotz intensiver Fahndung keinen entscheidenden Hinweis in Deutschland. Es sei daher nicht auszuschließen, dass die Ex-RAF-Terroristen inzwischen in Italien, Frankreich oder Spanien Unterschlupf gefunden haben, teilte das LKA am Montag mit. Möglicherweise können die drei ehemaligen Linksterroristen auf alte Netzwerke Gleichgesinnter wie die baskische ETA oder die Roten Brigaden in Italien zurückgreifen. Staub wurde angeblich auch auf einem Campingplatz in Norditalien gesehen, eindeutig identifiziert wurde er nach Angaben der Fahnder aber nicht. Mit Panzerfaust und Automatikgewehr bewaffnet Außerdem könnten die drei sich nach LKA-Angaben in den Niederlanden aufhalten, wo bereits umfangreicher nach dem Trio gefahndet wurde. Ein bei der Fahrt über die Grenze nach Holland ausgeschaltetes Handy sowie der Schnipsel einer holländischen Zeitung in einem Tatwagen waren unter anderem der Grund. Eine nun veröffentlichte Videosequenz zeigt Staub und Garweg bei ihrem Supermarkt-Überfall in Hildesheim, auf einer zweiten sind die beiden in einem Linienbus in Osnabrück zu sehen, als sie auf dem Weg zum Kauf eines Gebrauchtwagens sind, den sie für einen der Überfälle benötigen. Zuletzt schlugen die drei im Juni 2016 in Cremlingen bei Braunschweig zu. Mit Panzerfaust und Automatikgewehr überfielen sie dort einen Geldtransporter und ein Geschäft. Dritte Generation von RAF-Anhängern Die Gebiete um Bielefeld, Porta Westfalica und Osnabrück sind für die Fahnder wegen der Gebrauchtwagenkäufe dort von besonderem Interesse. Hier dürften die drei nach LKA-Angaben besonders häufig gewesen sein. Möglicherweise halten sie sich hier immer wieder längere Zeit auf. Garweg, Klette und Staub gehören zur sogenannten dritten Generation der RAF. Sie wurde aktiv, als zentrale Figuren wie Andreas Baader und Ulrike Meinhof längst tot waren. Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen, so an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Mit Terror haben die jüngsten kriminellen Machenschaften des Trios wohl nichts mehr zu tun, eher mit der Altersvorsorge. „Das Leben in der Illegalität ist wesentlich teurer als ein legales Leben", sagte Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock vor kurzem dem „Spiegel". Die Beute aus allen Überfällen zusammen soll bei etlichen hunderttausend Euro liegen. Mit falschen Pässen ausgestattet gehen die „RAF-Rentner" nach Vermutung der Fahnder keiner geregelten Arbeit nach, womöglich haben sie Unterstützer. Ihre Lebensgeschichte und ihre Kontakte aber bleiben nebulös. „Die sind wie vom Erdboden verschluckt, hochprofessionell", meint ein Beamter. Mit den aktuellen Fahndungsbildern aber bestehe die Gefahr, dass sie anhand ihrer Gesichter erkannt werden können. Wo auch immer sie sich aufhalten. Mit Material von dpa.

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