Der Bielefelder Kabarettist Abdelkarim. - © dpa
Der Bielefelder Kabarettist Abdelkarim. | © dpa

Bielefeld Der Kabarettist Abdelkarim ist in der Bielefelder Windflöte aufgewachsen

Abdelkarim, Kabarettist aus Bielefeld mit Wurzeln in Marokko. Der 36-Jährige wollte mal Fußballprofi werden und ist einer der angesagtesten Comedians in Deutschland. In unserem Fragebogen verrät er, dass er sonntags noch nie „Tatort“ gesehen hat.

Ulf Hanke

Bielefeld. Auf der Bühne trägt Abdelkarim schwarzes Leder, im hessischen Karneval aber ein weißes Herrenoberhemd und eine Perücke. Das jedenfalls kündigt der 36-Jährige am Samstag, 11. November kurz nach 11 Uhr 11 im Gespräch mit der NW an, als er auf dem Frankfurter Hauptbahnhof steht und sich das Warten auf den Zug nach Rüsselsheim mit einem schnellen Telefonat vertreibt. Eigentlich wollte der gebürtige Bielefelder mit dem selbsterklärten „Migrationsvordergrund" zunächst als Araber gehen, doch davon haben ihm Freunde abgeraten. Deshalb plant Abdelkarim nun als marokkanischer Fußballnationaltrainer mit blondem Haar in den hessischen Karneval zu starten. Marokko wird nämlich mit Trainer Hervé Renard erstmals nach langer Pause wieder bei einer Fußballweltmeisterschaft antreten. Das magere 0:0 am Samstag gegen die Elfenbeinküste reichte Marokko für den Gruppensieg. Und bei Abdelkarim für einen Anfall von Fußballfieber. Der 36-Jährige wollte früher mal Fußballprofi werden. Stattdessen ist Abdelkarim einer der derzeit angesagtesten Comedians auf deutschen Bühnen. Als „Staatsfreund Nr. 1" steht er am Donnerstag, 16. November, in der Bielefelder Stadthalle auf der Bühne, am 23. November in Osnabrück. Nächstes Jahr am 5. Mai ist er wieder in der Region: in Gütersloh. Persönlich Wann haben Sie sich zuletzt riesig gefreut? Das kann ich gar nicht genau sagen. Ich freu’ mich über alles mögliche. Wann haben Sie zuletzt geweint?Als der Kontrolleur eingestiegen ist. Unerbittlich sind Sie, ... nachdem ich einen Film mit Charles Bronson geguckt habe. Seine kompromisslose Art färbt ab und hält’n paar Stunden. Was verzeihen Sie anderen sofort? Im Optimalfall alles. Nicht zu verzeihen ist Zeitverschwendung. Dazu kommt, dass sich diejenigen, die nicht verzeihen, immer wieder die Entschuldigungsorgien anhören müssen. Das kostet auch noch Zeit. Mit wem müssen Sie noch einen Sack Salz essen? Mit meinem Vermieter, aber so viel Salz gibt’s gar nicht. Ihr bisher unentdecktes Talent? Hab’ ich auch noch nicht entdeckt. Ihr heimlicher Fehler? Ich hab’ bisher noch nie einen Tatort geguckt. Und das ist Kulturgut in Deutschland. Wenn mein Nachbar recht hat, ist nie einen Tatort gesehen zu haben „wie eine seelische Abschiebung". Ihre Lieblingsfarbe? Das wechselt. Im Moment Marineblau und Cyan. Was mögen Sie an OWL am liebsten? Die coolen und entspannten Menschen. Was lieben Sie an Ihrem Beruf besonders? Dass er gleichzeitig mein Hobby ist. Was nervt Sie an Ihrem Beruf manchmal? Deadlines, wenn es darum geht, Texte einzureichen. Vertraulich Unter der Dusche ... Unter der Dusche singe ich laut und stell mir vor, dass das Wasserrauschen tosender Applaus ist. Auf meinem Nachttisch liegt ... ein kaputtes Ladegerät. Wenn ich noch einmal 16 wäre ... würde ich wieder ins Tor gehen, aber diesmal freiwillig. Außer für Geld ist in meiner Geldbörse Platz für ... Ich habe keine Geldbörse. Sinn des Lebens Haus bauen, Apfelbäumchen pflanzen oder Kind zeugen? Wenn ich das wüsste, wäre ich der marokkanische Domian. Wenn morgen die Welt untergehen würde, ... wäre Trump dringend tatverdächtig. Was ist auf Ihrer To-do-Liste noch nicht 
abgehakt? Ein Monat Fleischverzicht und dann mal schauen... Was nehmen Sie überall mit hin? Meine Hausschlüssel. Ihr letzter Wille? Hängt von der letzten Situation ab. Die Rettung der Welt beginnt mit ... Aufmerksamkeit. Zuhause Stippgrütze, Pickert oder Pumpernickel? Pumpernickel. Schmeckt lecker, ist aber irgendwie auch sehr deftig. Ein ganzes Fladenbrot zum Beispiel schaff’ ich leichter als zwei Scheiben Pumpernickel. Hermann, Wilhelm oder Libori? Alle drei zusammen. Handball, Fußball oder Reiten? Fußball. Fußballprofi war mein erster Traumberuf, aber es war schnell klar, dass es ein Traum bleibt. Hund oder Katze? Beides sehr coole Tiere. Wo kommen Sie weg? Windflöte. Was sollte Gästen in OWL unbedingt gezeigt werden? Die Sparrenburg. Pömpel, Pölter oder Pillepoppen – in den OWL-Wortschatz gehört auch: Filip Filop. Das ist Ostwestfälisch-Türkisch für „Flip Flops". Der nächste Sommer kommt ganz bestimmt. Der prominenteste Mensch in OWL ist? Arminius, Fürst der Cherusker. Dieser OWLer sollte unbedingt bekannter werden: Alle Zivilpolizisten.

realisiert durch evolver group