Initiator: Michael Speckmann kennt unzählige Spiele. - © BARBARA FRANKE
Initiator: Michael Speckmann kennt unzählige Spiele. | © BARBARA FRANKE

Bielefeld Messe in der Raspi: Gesellschaftsspiele stehen hoch im Kurs

Die 23. Spielewelt lockt 4.000 Besucher an. Das Interesse ist seit Jahren ungebrochen groß - und nimmt weiter zu. Viele Besucher finden auf der Messe erste Weihnachtsgeschenke

Ingo Kalischek

Bielefeld. Alles wird schneller, digitaler und moderner. In Zeiten von Selfie-Stick und iPad haben traditionelle Brett-und Kartenspiele längst ausgedient. Denkste. In der Ravensberger Spinnerei präsentierte sich Besuchern jetzt ein angenehmes Gegenbild: Eltern und Kinder saßen gemütlich auf dem Teppichboden, spielten Karten, knobelten, ärgerten sich, dachten angestrengt nach und lachten triumphierend. Die Bielefelder Spielewelt ist ein Dauerbrenner - und ein Ort der Entschleunigung. Ausgetragen wird die Messe seit 23 Jahren vom Bielefelder Verein Spielwiese. 4.000 Besucher kamen am Wochenende vorbei. Zur Auswahl standen mehr als 1.000 Spiele. Und die stießen auf großes Interesse: Überall, an jeder Ecke, hockten Kinder, Jugendliche und Senioren an Tischen. Ausgerüstet mit Colaflaschen, Chipstüten und Kaffeebechern testeten sie neue Spiele, ergatterten auf dem Spiele-Flohmarkt gebrauchte Klassiker und stöberten in den Spielelisten. "Einige Besucher bleiben die kompletten sieben Stunden hier", sagt Initiator Michael Speckmann. Für viele beginnt auf der Spielewelt bereits eine Pflichtaufgabe: der Weihnachtseinkauf. "Meist bringt der Weihnachtsmann eines der Spiele mit, was wir hier auf der Messe testen", sagt Bianca Waldvogt. Mit ihrem Sohn Noa (6) besucht sie die Spielewelt seit Jahren. "Wir waren damals schon mit unseren Kindern hier", sagen Nicole Osterwinter und Angelika Buck. Seitdem habe sich viel verändert, sagen die Besucherinnen. Die Spielewelt sei enorm gewachsen. Und: "In diesem Jahr verläuft es sich besser. Tolle Organisation", loben sie. Vereinsmitglied Andreas Mutschke war bei der Gründung vor 23 Jahren dabei. "Brettspiele sind durch das Online-Angebot nicht kaputt zu kriegen", bilanziert er und spricht von einem Wachstumsmarkt. Warum? "Hier sitzen drei Generationen an einem Tisch. Das schafft kein anderes Freizeitangebot." Knapp 200 neue Spiele gibt es jährlich auf der Spielemesse. Da fällt die Auswahl schwer. Die Experten nennen deshalb Spieletipps - je nach Alter. AB 1,5 JAHREN Beim Spiel "Alle meine Fahrzeuge" müssen Kinder Autos zuordnen. "Total süß", sagt Expertin Monika Slowik. Das Würfelspiel "Kleiner Garten" eignet sich für Kinder ab 2 Jahren. Teilnehmer spielen gemeinsam gegen einen Maulwurf. Slowik: "Es geht um Kooperation." AB 6 JAHREN "Ice Cool" ist der Expertentipp für Grundschulkinder. Vier Spieler schnipsen Pinguine durch Tore. Es geht um Geschicklichkeit. FÜR DIE FAMILIE Ganz einfach ist das Spiel "Kingdomino", sagen die Experten. Bei dem Plättchenspiel bauen Spieler ihre eigenen Königreiche auf. Dauer: 30 Minuten. Wer taktisch und strategisch spielt, gewinnt. Weiterer Tipp: "Majesty" - ein Brettspiel ab 7 Jahren. AB 12 JAHREN "Magic Maze" kann man allein und mit bis zu acht Personen spielen. Ein Teamspiel mit Fantasy-Figuren gegen die Zeit, sprechen verboten, mit wachsendem Anspruch. PARTYSPIEL "Codenames" dauert 15 Minuten, eignet sich besonders für Jugendliche - ein Agentenspiel, bei dem man Wörter erraten muss. Für bis zu 8 Teilnehmer. Das Spiel "Unlock" orientiert sich an den "Escape-Rooms", bei denen Spieler Rätsel lösen müssen, um sich aus einem Raum zu befreien, zum Beispiel aus Laboren oder Schatzkammern. FÜR ERWACHSENE "Great Western Trail" dauert bis zu vier Stunden - ein Brettspiel, das im Wilden Westen spielt. Ziel: Ein Eisenbahnnetz ausbauen. Geduld gefragt. Ideal für die Familie. FÜR ÄLTERE "Patchwork" ist ein ruhiges, puzzleähnliches Spiel für zwei Personen. "Das ist auch was für Senioren", so die Experten.

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