Nostalgie und Hochtechnologie: Die Lok von Tim Arnold (vorne) und Alexander Wiens dampft wie anno dazumal - und bei der Steuerung hilft eine Handy-App. - © Barbara Franke
Nostalgie und Hochtechnologie: Die Lok von Tim Arnold (vorne) und Alexander Wiens dampft wie anno dazumal - und bei der Steuerung hilft eine Handy-App. | © Barbara Franke

Bielefeld Bielefelds Modelleisenbahner präsentieren Züge aus ganz Europa

Schautag: Vereinsmitglieder lassen vor Hunderten Besuchern Loks und Wagen von internationalen Betreibern fahren. An der Paradestrecke wurde jüngst getüftelt - und gesteuert wird mittlerweile sogar per Handy

Dennis Rother

Bielefeld. Maßarbeit in Miniaturformat, und das kombiniert mit Technik-Tüftelei: Das ist die Leidenschaft der Mitglieder des Modelleisenbahnclubs (MEC) Bielefeld. Im ehemaligen Prokuristenhaus der Ravensberger Spinnerei sind sie seit den 80ern beheimatet, hier haben sie auf mehreren Etagen mit Liebe zum Detail Landschaften samt rund 300 Metern Gleisen aufgebaut. Jetzt stand der Schautag auf dem Programm. Hunderte Besucher kamen. Die Szene-Trends sah aber nur, wer genau hinschaute. "So international wie heute waren wir noch nie", sagt Vereinssprecher Tim Arnold (28) stolz, als er vor dem sogenannten Schattenbahnhof steht. Exemplare mit schwedischen oder schweizerischen Staatsemblemen halten gerade auf den Abstellgleisen. Markant ist auch der TGV aus Frankreich. 30 Züge haben die MEC?ler aktuell insgesamt. "Loks gibt es schon ab 40 Euro im Handel, Luxusvarianten kosten aber rund 400 Euro", sagt Arnold, der beruflich ebenfalls auf Schienen unterwegs ist: Für die Deutsche Bahn führt er ICE. Kein Wunder demnach, dass Arnold im Klub oft für die Elektrik unterm Tisch sorgt. Andere haben sich auf Landschaftsbau spezialisiert. Bestes Beispiel der internen Aufgabenteilung sei der neu angelegte Flusslauf an der bergigen Paradestrecke. "Damit er wie Wasser schimmert, haben wir Gießharz benutzt", berichtet Arnold. "Und um Schnee auf den Wipfeln echt aussehen zu lassen, helfen Gips, Quartzsand und Glasstaub." Die Fluss-Idee stamme von Vereinskollege Andreas Hardtke, der im Österreich-Urlaub Wildwasser-Rafting kennenlernte. Zentimetergroße Bötchen wollen die MEC'ler noch kaufen, Strömungseffekte planen sie ebenso. Weil klitzekleine LED-Lampen immer günstiger würden, spiele in der Szene die Beleuchtung eine immer größere Rolle. "In den Landschaften, in den Wagen, im Lok-Führerstand, sogar im Maschinenraum", sagt Arnold. Alles könne funkeln. Außerdem stünden Handy-Apps gerade bei der MEC-Jugendgruppe hoch im Kurs. "Es ist schon beeindruckend, wenn wir per Handy vom Untergeschoss aus zwei Etagen drüber Weichen umstellen können", berichten Alexander Wiens (22) und Co. Bei den Gästen machte das alles mächtig Eindruck. Etwa bei Matthias Kerner und Sohn Kilian (7). "Noch haben wir keine Bahn, aber ich denke, dass der Wunschzettel für Weihnachten noch heute einen neuen Eintrag bekommt", sagt Kerner und lacht. Kilian nickt - wendet seine Augen aber nicht vom regen Rangieren auf den Schienen ab. Angetan ist er besonders vom ICE. "Denn mit dem fährt Papa immer zur Arbeit."

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