Wenn sich Autos breitmachen: Der Reifen steht auf dem Pufferstreifen, der Seitenspiegel ragt bis auf die Fahrbahn vor. Wie hier an der Falkstraße sind viele Parkbuchten in der Innenstadt für große Familienkutschen zu knapp bemessen. Die Bürgernähe fragt, ob es deshalb Parkverbote für große Wagen geben muss oder größere Buchten. - © Oliver Krato
Wenn sich Autos breitmachen: Der Reifen steht auf dem Pufferstreifen, der Seitenspiegel ragt bis auf die Fahrbahn vor. Wie hier an der Falkstraße sind viele Parkbuchten in der Innenstadt für große Familienkutschen zu knapp bemessen. Die Bürgernähe fragt, ob es deshalb Parkverbote für große Wagen geben muss oder größere Buchten. | © Oliver Krato

Bielefeld Autos werden immer breiter: Park-Platzhirsche machen Probleme

Für viele Autos in Bielefeld sind die Standardparklücken inzwischen zu knapp bemessen. Breitere Buchten würden aber auch weniger Parkplätze bedeuten

Christine Panhorst

Bielefeld. Größer, schneller und vor allem breiter. Riesige Familienkutschen, Jeeps und Sport Utility Vehicles (SUV) mit amerikanischen Ausmaßen parken Bielefelder Straßen dicht. Die übergroßen Fahrzeuge überschreiten in der Regel die Abmessungen der meisten Parklücken, die oft auf kleinere, ältere Automodelle ausgelegt sind. Doch selbst kompakte Kleinwagen sind inzwischen breiter als die standardmäßigen Parkplatzbreiten. Muss es Beschränkungen geben? Das fragen Piraten und Bürgernähe jetzt im Stadtentwicklungsausschuss. Auf Längsparkplätzen entlang der Stadtstraßen wird es immer enger für parkende Autofahrer - und für die Radfahrer, die neben den Parkbuchten entlangfahren. Und damit letztlich auch für den Autoverkehr auf der Straße. Breitenwachstum von gut 15 Zentimetern seit 2000 Weil das Durchschnittsauto immer größer wird - gut 15 Zentimeter sind Autos allein seit dem Jahr 2000 breiter geworden - passen Parkplätze und Autobreite im Bielefelder Innenstadtbereich oft nicht mehr zusammen. Zwei Meter Breite seien bei Längsparkplätzen Standard, teilt das Verkehrsamt auf Anfrage mit. Manche Buchten seien sogar nur 1,85 Meter breit, sagt Reiner Sander von der Bielefelder Straßenverkehrsbehörde. Doch schon ein neuer VW Golf ist mit knapp über zwei Metern Breite bei ausgeklappten Außenspiegeln deutlich breiter. Der ruhende Verkehr werde bei aktuellen Verkehrsplanungen nicht genug berücksichtigt, sagt Christian Heißenberg von der Ratsgruppe Bürgernähe/Piraten. Gleichzeitig sei der Verkehrsraum gerade in Innenstadtstraßen knapp bemessen. Wenn die Parkbuchten zu schmal seien, könne das Konsequenzen für die Autofahrer großer Fahrzeuge haben, sagt er. Kommt jetzt ein Parkverbot für zu breite Fahrzeuge? "Kann beziehungsweise muss die Erlaubnis zum Parken in längs zur Fahrbahn angelegten Parkbuchten auf Fahrzeuge mit Fahrzeugbreiten, die den Tiefen der Parkbuchten entsprechen, beschränkt werden?" Mit dieser Anfrage wird Heißenberg das Problem der zu großen Autos in zu kleinen Buchten in der Ausschusssitzung am 17. Oktober auf den Tisch bringen. Zum potenziellen Fahrverbot für Diesel also auch noch Parkverbote für SUV? Doch es ist keine Kampagne gegen Familienkutschen und Monster-Jeeps, der Ratsgruppe geht es um Grundsätze im Planerischen. "Mir ist wichtig, zu erfahren, wie wir das Kriterium der Parkbuchtbreite bewerten müssen, in Hinsicht auf zukünftige Planungen", sagt Heißenberg. Parkbuchten, die so knapp bemessen seien, dass Fahrzeuge mit einem Reifen auf der Straße stehen und Seitenspiegel in den Verkehrsraum ragen, seien für Fußgänger und Radfahrer problematisch. "Radler müssen unter Umständen vom Radweg runter auf die Straße fahren." Heißenberg nennt als Beispiel dafür die Herforder Straße auf Höhe Schildescher Straße. Parkhausplätze müssen 2,45 Meter breit sein, das gilt für Parkstreifen nicht Das Problem ist bekannt: Anfang des Jahres hat das NRW-Verkehrsministerium zwar eine neue Breite von 2,45 Metern für Parkhäuser, Park- und Stellplätze festgelegt - jedoch nicht für Parkstreifen an Straßen. Zwei Meter Breite entsprechen hier den Verordnungen, bestätigt Sander. "Das ist knapp bemessen", ist auch sein Urteil. Die Politessen drücken deshalb oft ein Auge zu, wenn Abmessungen überschritten werden. Doch auch breitere Parkstreifen, wie sie Bürgernähe und Piraten fordern, haben nicht nur Vorteile. Wesentlich sei bei der Parkstreifenplanung eine freie Fahrbahn von 3,05 Metern Breite dazwischen, erklärt Sander. Zuletzt habe man Parkplätze an der Münzstraße streichen müssen: Für breites Parken war kein Platz.

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