Brokat fein bestickt: Irene Klassen (l.) näht die Kleider, Heike Kobusch entwirft dazu die bunten Vögel. - © Christian Weische
Brokat fein bestickt: Irene Klassen (l.) näht die Kleider, Heike Kobusch entwirft dazu die bunten Vögel. | © Christian Weische

Bielefeld Frust über das lahme Ende des Bielefelder Catwalks

Zwiespältige Bilanz: 24 Aktionstage und 32 Schaufenster schärfen Bielefelds Profil als Modestadt, doch das Ende sorgt für Frust bei den Beteiligten. Trotzdem wird es auch 2018 wieder eine Veranstaltung geben

Heidi Hagen-Pekdemir

Bielefeld. Ein ganz anderer Catwalk sollte es dieses Mal werden. Statt ihre Modelle auf dem Laufsteg in der Stadthalle zu präsentieren, haben die Designer ihre Kreationen dem Publikum direkt vorgestellt. Doch am Ende fühlten sich einige enttäuscht. Der Grund: Die Abschlussvorstellung ist kurzfristig ausgefallen. Lob für die gute Zusammenarbeit mit den Geschäftsleuten Drei Wochen haben 32 Mode-, Möbel- und Schmuckdesigner ihre Arbeiten in so genannten Pop-up-Schaufenstern in der Innenstadt gezeigt. An 24 Aktionstagen waren die meisten zudem persönlich vor Ort. Eine Modenschau sollte es außerdem noch geben, allerdings in kleinerem Rahmen und an anderer Stelle - bei Hunter, dem Anbieter für Tierbedarf in Oldentrup. Fünf Label wollten mitmachen: Adam Design, Chaica Dogfashion, Carlay's, Nyahman und Irene Klassen Couture. Doch daraus wurde nichts. Zwei Tage vorher sagte die Wege (Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld) die Veranstaltung kurzfristig ab. Mangelndes Interesse nennt Projektleiterin Vera Wiehe als Begründung. Für die erste Schau habe es lediglich 20, für die zweite 50 Anmeldungen gegeben. Enttäuscht sind jetzt vor allem die beteiligten Designer. "Das Desinteresse bewegt mich schon", sagt Susanne Adam- von Haken. Wie ihre Mitstreiterinnen hatte sie im Vorfeld viel Aufwand getrieben, eine besondere Kollektion für die Schau zusammengestellt und Models engagiert. Andere Teilnehmerinnen hatten zusätzlich Flyer drucken lassen. "Ein Catwalk über drei Wochen braucht einfach zur Krönung ein Event", ist Adam-von Haken überzeugt. Zum Gelingen trage auch auch der Standort bei. "Möglichst mitten in der Stadt", sagt sie. Auf jeden Fall sollte es auch im nächsten Jahr wieder einen Catwalk geben, ist sie überzeugt. Eine große Modenschau für 2018 - das verspricht Vera Wiehe schon heute. Zur der Planung der diesjährigen Veranstaltung sagt sie: "Ich habe das Verbraucherinteresse wohl falsch eingeschätzt." Ihr Plan fürs nächste Jahr: "Wenn das Wetter mitspielt, könnte das Defilee auf dem Rathausplatz stattfinden." Für Lenkwerk und Ringlokschuppen spricht sich Susanna Ströher aus. Die Designerin der Outdoor-Kollektion Carlay's hatte ihr Label im Modegeschäft Brooks vorgestellt, auch mit einer kleinen Modenschau. "Mit der Kooperation bin ich sehr zufrieden. Ich habe sogar einige Modelle verkauft", sagt Ströher. Obwohl der krönende Abschluss dieses Mal fehlte, äußern sich die meisten Designer positiv über den Catwalk 2017. Friederike von Müller (Puddingtown) fasst zusammen: "Das ist für mich besser gelaufen als 2016." Ihre Pop-up-Schaufenster, dazu zwei Aktionstage in ihrem Atelier und in dem Interieurgeschäft Eva und Faust, hätten zu "fruchtbaren Synergien" geführt. Kritisch dagegen äußert sich von Müller zum Begriff Catwalk. "Dass die Schaufenster in den Altstadt-Geschäften und auch die Modenschau denselben Namen haben, finde ich irgendwie verwirrend." Voll des Lobes ist Heike Kobusch. Gleich in zwei Geschäften konnte sie ihre Arbeiten vorstellen, im Modeladen Eva und Faust und im Kunsthaus Uerpmann. Kobusch, spezialisiert auf Stoff- und Tapetenmuster, hat nach ihren Skizzen filigrane Vögel sticken lassen, die eine festliche Abendkleider-Kollektion ihrer Kollegin Irene Klassen schmücken. "Die Zusammenarbeit mit den Geschäftsleuten war erfrischend und hat Spaß gemacht", sagt Kobusch. Allerdings vermisst auch sie ein großes Event, eine Modenschau an zentraler Stelle. Pariser Haute Couture im Zeitungsverlag - für Tanja Rieth und die Neue Westfälische gleichermaßen eine Premiere. "Das Schaufenster in dieser sehr guten Altstadtlage war für mich eine tolle Sache", blickt die Schneidermeisterin zurück. "Auf diese Weise bekommen mehr Bielefelder mit, dass es uns gibt." NW-Geschäftsstellenleiterin Barbara Hempel ergänzt: "Wir hatten ein sehr schönes Schaufenster. Bei unseren Kunden ist das gut angekommen." Beim nächsten Catwalk sei die NW wieder dabei.

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