Jeweils 500 Kinder gemeinsam standen am Freitag auf der Bühne im Großen Saal der Rudolf-Oetker-Halle. - © Bernd Heitzler
Jeweils 500 Kinder gemeinsam standen am Freitag auf der Bühne im Großen Saal der Rudolf-Oetker-Halle. | © Bernd Heitzler

Bielefeld Bühne frei für Bielefelds größten Kinderchor

Weit mehr als 1.000 Kita-Kinder, Schüler und Erwachsene strömen zur zweiten Auflage des „Singfests“ mit Gospel, Reggae und Pop in die Oetkerhalle

Dennis Rother

Bielefeld. Vom Kammerkonzert übers Gitarrenfestival bis zum Symphonieorchester: Musik prägt das Programm der Rudolf-Oetker-Halle. Musik, und ganz viel davon, gab’s auch am Freitag. Und doch war alles anders als sonst. Statt den Profis gehörten die festlichen Säle und Bühnen beim „Singfest" nämlich begeisterten Nachwuchs- und Hobbysängern. Die Organisatoren des Vereins Klangfestival um die ausgebildete Mezzosopranistin Nike Schmitka hatten zur zweiten Ausgabe der musikalischen Großveranstaltung geladen. Die Resonanz: überwältigend. Mehr als 1.000 Kita- und Schulkinder sowie Erwachsene machten mit bei Gospel, Reggae, Pop und Co. Mit dem „Singfest" wollen Schmitka und Co. das gemeinschaftliche Singen „beleben". Das gebe es immer weniger. Eine bedauerliche Entwicklung, so Schmitka, denn längst sei belegt, dass das Singen die Persönlichkeitsentwicklung unterstütze. Singen helfe zudem psychisch und physisch gleichermaßen: Musik, Text und Choreografie zu koordinieren „trainiert Konzentration und Fitness". 26 Schulklassen und 13 Kindergärten hatten sich angemeldet Schmitka und rund ein Dutzend Mitstreiter fungierten am Freitag quasi als musikalische Vorturner. Tagsüber waren die Säle fest in Kinderhand: Sieben Schulklassen der Jahrgangsstufen 1 und 2, 19 Klassen der Stufen 3 bis 6 und 13 Kitas hatten sich angemeldet. Ein kunterbuntes Gewusel. Zum Warmwerden sangen sich die Kinder mit Lehrern und Musik-Profis in Nebensälen ein, ehe sie dann im Großen Saal zum Rudelsingen im Riesenchor á 500 Teilnehmer zusammenkamen. „Mitten im Klang stehen", so nannte Nike Schmitka das erhebende Erlebnis beim großen Finale. Geprobt hatten die Gruppen die Lieder – darunter Kantatenstücke genauso wie den Gospel-Song „Heaven is a wonderful place" – bereits im Klassenverbund. Mit dabei war etwa die Kunstklasse der Stufe sechs von der Martin-Niemöller-Gesamtschule. Die Tochter von Klassenlehrerin Anja Devantié hatte mit der Laborschule bei der „Singfest"-Premiere 2015 teilgenommen und daheim so begeistert berichtet, dass nun ihre Mutter die eigene Klasse mitbrachte. Morgens Unterricht, mittags Auftritt in imposantem Ambiente – so lautete die Tagesordnung von Devantié, Musiklehrerin Anne-Katrin Heinz und ihren Schützlingen. Die geballte Faust von Comic-Held Superman macht locker Vor Mitschülern und Fremden einfach loszuträllern, das machen erfahrungsgemäß nicht alle sofort, sagte Nike Schmitka. Auch die Gesamtschüler waren zunächst zaghaft, unschlüssig, etwas skeptisch. Mit Klavierbegleitung sowie daueranimiert von Tanzpädagoge Dirk Kazmierczak tauten die Elf- und Zwölfjährigen dann aber auf. Hände zum Himmel, Schultern im Rhythmus vor und zurück, die geballte Faust wie Comic-Held Superman nach oben strecken, dazu motivierende Songtext-Zeilen gegen Angst vor falschen Tönen: Das machte Laune. Cedrik (12) lobte das „Lockermachen" von Kazmierczak. Klassenkameradin Nora (11) sagte strahlend, dass sie fast überrascht sei, wie gut es ihr gefallen habe: „Denn ich höre zuhause gar nicht so viel Musik." Laut Lehrerin Anja Devantié war der erste „Singfest"-Besuch wohl kaum der letzte. Genau die Rückmeldung, die Organisatorin Nike Schmitka erhofft hat. Denn „die eigene Stimmte entdecken, mit ihr herumexperimentieren und Neugierde wecken", das sei schließlich die Idee hinter dem Projekt. Neugierde zu wecken war anders als beim Nachwuchs am Abend dann gar nicht mehr nötig. Dann war die Bühne frei für die Erwachsenen. Auch sie kamen zahlreich. Viel Potential also für „Singfest"-Ausgabe drei in zwei Jahren.

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