Bielefeld Wirtschaftsexperten: In Bielefeld brummt's so richtig

Trotz des Trendes zur Dienstleistung stabilisiert sich die Industrie. Meier-Scheuven vermisst politisches Bekenntnis zur wachsenden Stadt

Joachim Uthmann

Bielefeld. Die Bielefelder Unternehmer blicken sehr zuversichtlich nach vorn. IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven: "Die Konjunkturumfrage spiegelt eine hohe Zufriedenheit der aktuellen Lage und Optimismus für die kommenden Monate wider." Die Wirtschaft in Bielefeld wächst weiter, bilanziert die IHK, schränkt aber ein: "Uns fehlt das politische Bekenntnis zur wachsenden Stadt." Steigende Zahlen bei Einwohnern, Wirtschaft und Hochschulen, dazu die geplante Medizinische Fakultät - Bielefeld sei längst weg vom "Schrumpfen". Das bedeute aber auch, "wir benötigen mehr Platz". Deshalb müsse es neue Flächen für Gewerbe und Wohngebiete geben, so der IHK-Präsident. Doch da vermisst er die Initiative der Stadt: "Es wird viel diskutiert, aber ein zukunftsfähiges Konzept für Prosperität fehlt." Welche Hürden es bei der Neuausweisung von Flächen gibt, diskutierte jüngst der Hauptausschuss des Stadtrates. IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff räumte ein: "Das ist für die Politik kein Vergnügen, auch angesichts der Anwohnerproteste." Umso mehr sollte sich Bielefeld um interkommunale Gewerbegebiete bemühen, in Autobahnnähe an A 2 und A 33. Meier-Scheuven: "Wir müssen die schleichende Abwanderung von Firmen stoppen." Insgesamt wertet die IHK die Lage der Bielefelder Wirtschaft positiv. "Der Konjunkturklimaindex und die Geschäftserwartungen sind erneut gestiegen", schloss Meier-Scheuven aus der Herbstumfrage, an der sich 391 Firmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen mit 31.580 Beschäftigten beteiligten. Den seit 2011 höchsten Wert mit 131 Punkten verzeichnet die IHK bei der Industrie. 33 Prozent gingen hier von einer Verbesserung der Lage aus, nur 10 Prozent von einer Verschlechterung. Die Auslastung sei "sehr ordentlich", das Investitionsklima "erfreulich". Im Handel beurteilen fast alle Einzelhändler die Lage als "gut" oder "befriedigend" und äußerten positive Erwartungen. Bei den Dienstleistern sprechen 96 Prozent der Firmen in Bielefeld von einer "guten" oder "befriedigenden" Geschäftslage. Diese Zahlen spiegeln sich auch in der Beschäftigtenzahl wider, die 2016 erstmals über die 150.000er-Marke auf den Rekordwert von 151.080 kletterte. Beim Zuwachs seit 2008 liege Bielefeld mit 16,2 Prozent nur noch knapp hinter dem Primus Gütersloh. Ein erfreulicher Trend. Hemmnis bleibe aber wie im ganzen Land der Fachkräftemangel. Meier-Scheuven: "Das ist das größte Risiko." Im Aufwind sind auch die Gesamtumsätze der Industriebetriebe mit 5,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro in den ersten sieben Monaten 2017.

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