Die Veranstalter: (v.l.) Sabine Beinlich, Holger Wiewel und Dorothee Hildebrandt vom Verein Arbeit und Leben Bielefeld laden zum Fachtag "Radikalisierung im Namen Gottes" ein. Anmeldungen sind noch möglich. - © Christian Weische
Die Veranstalter: (v.l.) Sabine Beinlich, Holger Wiewel und Dorothee Hildebrandt vom Verein Arbeit und Leben Bielefeld laden zum Fachtag "Radikalisierung im Namen Gottes" ein. Anmeldungen sind noch möglich. | © Christian Weische

Bielefeld Salafismus-Gefahr: Wie radikalisierte Jugendliche Schulen herausfordern

Tagung: Der Verein "Arbeit und Leben Bielefeld" lädt zu Fachgesprächen über religiösen Fundamentalismus in Schulen und der Jugendarbeit ein. Bekannte islamische Pädagogin Lamya Kaddor hält Vortrag über Dschihad

Ansgar Mönter

Bielefeld. Sie wollen nicht am Sportunterricht teilnehmen; sie lehnen die Evolutionstheorie ab; sie beten im Schulflur oder werden sogar aggressiv gegen Mitschüler und Lehrer: Religiöse Fundamentalisten stellen ein zunehmendes Problem in Schulen dar. Vor allem der islamische Salafismus ist auffällig attraktiv für manche Muslime. Aber es gibt auch radikale Christen. Über diese Herausforderungen für Schulen und Pädagogen wird am 16. November beim Fachtag "Radikalisierung im Namen Gottes" in der Volkshochschule, Ravensberger Park, geredet. Veranstalter ist der Verein "Arbeit und Leben Bielefeld". Für den Tag hat er unter anderem die bekannte islamische Religionspädagogin Lamya Kaddor eingeladen. Die Islamwissenschaftlerin und Publizistin spricht über "Salafismus - warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen". Ihrem Vortrag folgen Ausführungen zu "Dschihad-Romantik - Was zieht junge Menschen an?" von Religionspädagogin Sevdanur Özcan. Die Fachtagung dient vor allem dem Austausch und der Hilfe für Schulen und Pädagogen, "denn es herrscht unter Lehrern große Verunsicherung, wie mit dem Fundamentalismus im Unterricht oder an der Schule umgegangen werden sollte und kann", erklärt Sabine Beinlich, mit Holger Wiewel Bildungsreferentin bei Arbeit und Leben. Für diesen Zweck stellen sich Präventions- und Beratungsstellen vor. Mit dabei sind "Heroes", ein Projekt gegen Unterdrückung im Namen der Ehre, sowie das Kommunale Integrationszentrum der Stadt Bielefeld. Auch die Mobile Beratung gegen Rassismus und Rechtsextremismus ist dabei. Denn zum einen sind salafistische und andere extreme religiöse Bewegungen im Grunde rassistisch und faschistisch, weil sie Menschen abwerten, zum anderen geht es bei dem Thema der Tagung auch um Phänomene wie die Grauen Wölfe, einer nationalistischen Gruppierung aus der Türkei. Laut Bildungsreferent Wiewel tritt das Problem religiöser Fundamentalismus vor allem an Berufskollegs auf. Mehrere Bielefelder Schulen schlagen sich damit herum. Deshalb wird der Bedarf für eine solche Veranstaltung als hoch angesehen. Bisher gibt es etwa 50 Anmeldungen, Platz für weitere 50 ist vorhanden, wie Wiewel versichert. Eine der Schulen, die damit bisher offensiv umgegangen ist und auch zu internen Diskussionsveranstaltungen eingeladen hat, ist das Westfalenkolleg. Dort sprachen unter anderem die Schüler einer Herforder Schule, die auf Initiative ihrer Lehrerin Birgit Ebel das Anti-Salafismus-Projekt "extrem dagegen" gegründet haben. Schüler und Lehrerin werden mittlerweile deutschlandweit und sogar im Ausland eingeladen. Für Wiewel sind nicht die Religionen selbst das Problem, sondern "ihre Auslegung". Aufklärung darüber, wo die Grenze des Tolerierbaren bei der Ausübung der Religion in Schulen ist, könne eine große Hilfe für Lehrer und Sozialarbeiter sein. Anmeldung unter Tel. (0521) 55 77 72-0; per Fax unter 55 77 72-33; per Mail unter info@aulbi.de. Informationen zum Ablauf des Tages finden sich unter www.aulbi.de

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