In Bielefeld ist der Bestand der Kiebitze von 2016 auf 2017 um ein Viertel gestiegen. - © Hermann Ludwig
In Bielefeld ist der Bestand der Kiebitze von 2016 auf 2017 um ein Viertel gestiegen. | © Hermann Ludwig

Bielefeld Die Kiebitze sind nach Bielefeld zurückgekehrt

Naturschutz: 35 Brutreviere wurden im Frühjahr gezählt, laut Bio-Stationen 25 Prozent mehr als 2016. Dennoch ist der elegante Flieger damit extrem selten – und bedroht

Kurt Ehmke

Bielefeld. Manchmal schreiben auch kleine Vögel Erfolgsgeschichten – und nicht nur der Storch, der vergangenes Jahr erstmals nach 100 Jahren wieder in Bielefeld brütete. Auch vom Kiebitz gibt es jetzt positive Nachrichten. Allerdings zurückhaltend positive – auf sehr niedrigem Niveau und von sehr fragiler Natur. Laut den Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld ist der Bielefelder Bestand von 2016 auf 2017 um ein Viertel gestiegen. Weiterhin vom Aussterben bedroht Klingt viel, in absoluten Zahlen aber ist der Kiebitz weiterhin ein Kandidat fürs Aussterben. 35 Brutreviere gab es laut Bernhard Walter von der Biologischen Station; halb so viele wie 2004. Auf einen Kiebitz kommen damit gut 5.000 Menschen aus Bielefeld – so viel nur zur Dimension. Zu den 35 Paaren: Sie haben Nischen gefunden, die ihren Ansprüchen entsprechen. Kiebitze lieben Feuchtwiesen, lieben eine differenzierte, bunte Landwirtschaft, hassen monoton-ausgeräumte Äcker, brauchen zum Brüten einen weiten Blick. Und so werden sie nur selten fündig in Bielefeld. Im Süden der Stadt gibt es traditionell mehr Flächen, neu ist laut Egbert Worms vom Umweltamt, dass die Vögel mit dem markanten „kiwitt-kiwitt"-Ruf und den noch auffälligeren Balz-Flugmanövern immer besser die Johannisbachaue annehmen. Sieben Kiebitze sind flügge geworden Hier wurden im April und Mai vier Paare entdeckt, noch aber ohne Bruterfolg. Die extensiv bewirtschafteten Grünlandbrachen werden von den Vögeln angenommen. Weitere Paare gab es in Babenhausen (1 Paar), Deppendorf (3), Jöllenbeck (2), Vilsendorf (2) und Brake (3) – sowie im Süden in Holtkamp (4), Ummeln (10) und in Senne (6). Am Ende flügge geworden sind nach den Zahlen Walters exakt sieben Kiebitze (aus 20 Gelegen à drei bis vier Eiern), 2016 waren es null bis zwei. Die 2017er Zahl ist also besser, liegt aber noch immer um das Drei- bis Vierfache unter dem Wert, der den Bestand überhaupt nur erhalten würde, stellte Walter klar. Gestern wurde dem Naturschutzbeirat vorgestellt, wie der Schutz des seltenen Vogels vorangetrieben werden könnte: durch neu angelegte extensiv bewirtschaftete Grün-landflächen, durch feuchte Gebiete auf diesen Flächen und durch den verstärkten Schutz der notgedrungen auf Ackerflächen platzierten Gelege. Eine Kooperation mit Landwirten ist vorhanden, sie läuft offenbar ordentlich. Immerhin stammen drei der sieben Nachwuchskiebitze von Flächen von Steinkrögers Hof. Nur unzureichend genutzt werden aber offenbar Angebote des Vertragsnaturschutzes für Kiebitzflächen.

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