Jurazeit: Sven Sachs zeigt einen Knochen des Meeresreptils, das mit einer Länge von etwa 3,5 Metern eher klein war. Vermutlich hat es sich vor 190 Millionen Jahren von Fischen im Urmeer ernährt. Etwa 40 Prozent des Skelettes sind im Bielefelder Norden gefunden worden. - © Andreas Zobe
Jurazeit: Sven Sachs zeigt einen Knochen des Meeresreptils, das mit einer Länge von etwa 3,5 Metern eher klein war. Vermutlich hat es sich vor 190 Millionen Jahren von Fischen im Urmeer ernährt. Etwa 40 Prozent des Skelettes sind im Bielefelder Norden gefunden worden. | © Andreas Zobe

Bielefeld Neue Saurierart „Arminisaurus Schuberti“ in Bielefeld entdeckt

Das Namu besitzt Skelettreste eines etwa 190 Millionen Jahre alten Fossils. Ausgestellt werden können sie aber nicht

Sylvia Tetmeyer

Bielefeld. Zwar sind die Reste des Meeresreptils bereits in den 1980er Jahren im Stadtteil Jöllenbeck entdeckt worden, den wissenschaftlichen Wert der Knochenfunde hat der Paläontologe Sven Sachs jedoch erst 34 Jahre später erkannt. 2014 erhielt er die Knochen des Schwimmsauriers – und war wenig später sicher, dass er es mit einer völlig neuen Gattung zu tun hat. Gestern Mittag schlug die Geburtsstunde des Arminisaurus schuberti. „Da der Fund in Bielefeld gemacht wurde, sollte der Name auch etwas mit der Stadt zu tun haben. Ich habe dabei auch an Arminia gedacht", berichtet Namensgeber Sachs. Außerdem beziehe sich der Gattungsname auf den Cheruskerfürsten Arminius. Der Schwimmsaurier wurde nach Siegfried Schubert benannt. Der 63-jährige Bürokaufmann hatte dafür gesorgt hat, dass die Skelettteile wissenschaftlich untersucht werden. Gefunden hatte die Saurierreste der Sammler Lothar Schulz in einer Jöllenbecker Tongrube. „Er hat mir eine größere Menge Knochen überlassen. Teilweise waren sie schon verwittert. Ich habe sie dann konserviert", berichtet Schubert. Weil er seinen Schatz historisch einordnen lassen wollte, nahm er Kontakt zu Fachleuten in Münster und Stuttgart auf. Erst Sven Sachs ist es schließlich gelungen, das Rätsel zu lösen. „Es ist bemerkenswert, wie viel von dem Skelett noch vorhanden ist", schwärmt der Wissenschaftler. Schubert habe durch zahlreiche Veröffentlichungen maßgeblich zur Erweiterung des Wissens um die Geologie beigetragen. 2015 übergab er die 190 Millionen Jahre alten Reste des Pliosauriers dem Naturkunde-Museum. Ausgestellt werden soll das ursprünglich 3,5 Meter lange Tier jedoch nicht. „Die Knochen würden sich zersetzen, wenn sie nicht gut gelagert sind", erklärt Kurator Mark Keiter. Deshalb müsse der Fund, der in Spezialfolie verpackt wird, in das klimatisierte Magazin. Museumsleiterin Isolde Wrazidlo berichtet, dass das Namu stattdessen eine dreidimensionale Darstellung anfertigen lassen will. „Ob es nächstes Jahr schon klappt, ist unklar. Wir müssen erst Sponsorengelder sammeln", sagt sie. Der Bielefelder Fund stammt aus einer rätselhaften erdgeschichtlichen Epoche der unteren Jurazeit, aus der weltweit nur wenige Plesiosaurierreste bekannt sind. „Es gibt vielleicht drei ähnlich gut erhaltene Funde", sagt Sven Sachs. Gemeinsam mit dem schwedischen Wissenschaftler Benjamin Kear hat der Paläontologe mit Arminisaurus schuberti ein Tier erforscht, das das Bild einer unerforschten Zeitperiode ergänzt und ein außergewöhnlicher Glücksfund für die Wissenschaft ist.

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