Kita: In den Bielefelder Einrichtungen stehen 12.354 Plätze zur Verfügung, 850 bei Tageseltern. - © picture alliance / ZB
Kita: In den Bielefelder Einrichtungen stehen 12.354 Plätze zur Verfügung, 850 bei Tageseltern. | © picture alliance / ZB

Bielefeld Immer mehr Bielefelder Kinder werden in der Kita und bei Tageseltern betreut

Plätze in der Nähe des Arbeitsplatzes werden laut Jugendamtsleiter Georg Epp beliebter

Ariane Mönikes

Bielefeld. Mehr Geburten, mehr Zuwanderung aus EU-Staaten, Familiennachzug bei Flüchtlingen. Das sind die Gründe für die steigenden Zahlen. Außerdem haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für ihre Kinder – und nehmen diesen auch in Anspruch. So wurden am 1. März rund 2.780 Kinder unter drei Jahren in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut. Das hat jetzt Information und Technik NRW (IT.NRW) als amtliche Statistikstelle des Landes mitgeteilt. Das waren 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Aber nicht nur im U 3-Bereich sind die Zahlen in die Höhe geschossen: So wurden Anfang März 12.411 Kinder in einer Tageseinrichtung betreut, im Jahr zuvor waren es noch 12.203. Laut Jugendamtsleiter Georg Epp hat der Anstieg mehrere Gründe: So sei die Zahl der Zuwanderer aus EU-Staaten in der Vergangenheit deutlich gestiegen. Und: Flüchtlinge seien zwar weniger gekommen, jetzt aber kämen die Familien nach – und die Kinder bräuchten einen Kita-Platz. Das seien allerdings weniger U 3-Kinder, sondern hauptsächlich Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren, erklärt Epp. Ein weiterer Grund für die hohen Zahlen sei auch die gestiegene Geburtenrate. Die Stadt hat auf den steigenden Bedarf bereits reagiert und plant mit sieben neuen Kitas im Stadtgebiet, fünf davon sollen noch im Kindergartenjahr 2017/18 nach Jöllenbeck, Heepen, Baumheide, Stieghorst und Sennestadt kommen. Am weitesten fortgeschritten seien die Planungen in Sennestadt und Jöllenbeck, erklärt Epp. Damit aber alle Kinder untergebracht werden können, hat die Stadt zum 1. August Gruppen aufgestockt und so 400 Plätze in den rund 200 Bielefelder Kitas geschaffen. Denn im laufenden Jahr werden die Zahlen ähnlich hoch sein wie von März: So stehen laut Epp 2017/18 12.354 Plätze in Kindertageseinrichtungen zur Verfügung, 850 bei Tageseltern. Aktuell seien in Bielefeld etwa 400 Kita-Plätze nicht belegt, auf der Vermittlungsliste des Jugendamtes stehen aber noch 126 Kinder – die zum Beispiel gerade umgezogen sind. Sie müssen aktuell noch untergebracht werden. Die restlichen Plätze – etwa 274 – werden für noch entstehende Bedarfe von Eltern im laufenden Jahr benötigt. Eine solche Anzahl an Plätzen halte man in jedem Jahr vor. Es haben allerdings nicht alle Eltern in Bielefeld einen Platz in der Wunsch-Kita bekommen, sagt Epp. So gebe es zunehmend Eltern, die ihre Kinder nicht in der Nähe des Wohnortes unterbringen wollen, sondern nahe des Arbeitsplatzes. Das führe dazu, dass die Nachfrage in einigen Stadtteilen wie Mitte, Schildesche, Gadderbaum und Brackwede besonders hoch ist, erklärt Epp. „Dort konzentrieren sich die Arbeitsplätze." So liegt die Versorgungsquote in Mitte bei 106 Prozent, in Gadderbaum sogar bei 115 Prozent. „In diesen Stadtteilen planen wir mehr Kita-Plätze, als dort überhaupt Kinder leben." Auf die Bedarfe der Eltern müsse man reagieren. Immer mehr Eltern entscheiden sich laut IT.NRW auch für Tageseltern: Hier stieg der Anteil der Kinder, die dort betreut werden, um 6,5 Prozent auf 848. Und so ist auch die Anzahl der Tagesmütter und -väter gestiegen. Erzieher Markus Lotte, Tagesvater bei den Stadtpiraten an der Jöllenbecker Straße, hat sich 2010 selbstständig gemacht. Die Nachfrage nach Plätzen sei riesengroß. So hatte er für den 1. August 50 Anmeldungen, aber nur sieben Plätze. „Es gibt immer mehr Eltern, die sich aufgrund der intensiven Betreuung für Tageseltern entscheiden", sagt er. Neun Kinder im Alter von fünf Monaten bis drei Jahren besuchen die Stadtpiraten, betreut werden sie von zwei Erziehern. Die Ansprüche der Eltern seien in den letzten Jahren gestiegen, sagt er. So sei er erst kürzlich von Eltern gefragt worden, wann er denn mit den Kindern schwimmen gehe.

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