Mit einem Knack: Fahrraddiebe benutzen keine Wunderwerkzeuge. Viele Schlösser sind mit einem kleinen Seitenschneider, einem Bolzenschneider – wie in dieser gestellten Szene – oder einfach mit Hammer oder Säge zu öffnen. In Bielefeld ist derzeit Hochsaison für Fahrraddiebe. Möglicherweise wird sogar der Höchstwert von 2016 erreicht. - © Sarah Jonek
Mit einem Knack: Fahrraddiebe benutzen keine Wunderwerkzeuge. Viele Schlösser sind mit einem kleinen Seitenschneider, einem Bolzenschneider – wie in dieser gestellten Szene – oder einfach mit Hammer oder Säge zu öffnen. In Bielefeld ist derzeit Hochsaison für Fahrraddiebe. Möglicherweise wird sogar der Höchstwert von 2016 erreicht. | © Sarah Jonek

Bielefeld Fahrrad-Diebstähle in Bielefeld sind aktuell auf dem Höchststand

Die Täter gehen inzwischen gezielt in Gärten und Hinterhöfe. Im Gegensatz zum Landestrend steigen die Diebstahlszahlen in Bielefeld. Allein im Juni wurden täglich mehr als sieben Räder gestohlen

Jens Reichenbach

Bielefeld. In diesem Jahr wurden in Bielefeld im Schnitt jeden Tag vier Fahrräder gestohlen. Das besagt die entsprechende Diebstahlsstatistik der Bielefelder Polizei, die selbst ohne die Zahlen aus dem August bereits bedenklich hohe Zahlen aufweist. Sollte dieser Trend bis Ende des Jahres anhalten, dann dürfte der bisherige Höchstwert nochmals übertroffen werden. Die Polizei Bielefeld will diese Entwicklung nicht kommentieren. Dabei verzeichnete die Kripo bereits 2016 innerhalb eines Jahres einen Anstieg der Taten um 18,9 Prozent auf den Höchstwert der vergangenen zehn Jahre: 1.387 entwendete Fahrräder (siehe Grafik). Das ist eine Entwicklung gegen den Landestrend, da NRW in den vergangenen zwei Jahren jeweils Rückgänge zu verzeichnen hatte. Für die Betroffenen ist nicht nur der Schaden ärgerlich, auch das Eindringen der Täter in geschützte Bereiche sorgt für Unbehagen: Eine Anwohnerin der Eduard-Windthorst-Straße berichtete gleich von drei Diebstählen kürzlich in der Nachbarschaft. Alle drei Räder waren, so wie es Experten raten, fest angeschlossen und von der Straße aus nicht zu sehen. Die Täter suchen gezielt in Hinterhöfen und Gärten nach Beute Die 39-Jährige hatte ihr 500 Euro teures Rad mit einem Spiralschloss an einem Treppengeländer auf der Hausrückseite angeschlossen. Am Dienstag waren Rad und Schloss verschwunden. Der Innenhof des Nebenhauses erstrahlt durch Bewegungsmelder sofort in hellem Licht, wenn ihn jemand betritt. Trotzdem erbeuteten die Täter dort erst ein Kinder- und später ein Herrenfahrrad. Beide waren an einem Fahrradständer angeschlossen. Bei der Anzeigenerstattung berichteten Polizisten, dass die Anzahl der Taten derzeit auffällig hoch sei. Tatsächlich sticht in der Statistik der Juni hervor, in dem allein 218 Taten registriert wurden – mehr als sieben Räder pro Tag. Im Juli hingegen war die Zahl der Taten für einen Sommermonat auffallend klein: 97 Diebstähle. Womöglich lag das am vielen Regen. Ein anderes Opfer aus der Innenstadt berichtet, dass sein Fahrrad auf dem Grundstück des Hauses hinter einer Tanne angeschlossen war. „Von der Straße aus war es nicht zu erkennen." Die Täter knackten das dicke Kettenschloss trotzdem und ließen es sauber durchtrennt zurück. Suchen die Täter gezielt in Gärten und Innenhöfen nach Beute? Das dreiste Vorgehen lässt jedenfalls nicht unbedingt auf Gelegenheitsdiebe oder Beschaffungskriminalität schließen. Doch laut Polizeisprecherin Hella Christoph ist es schwierig nachzuvollziehen, wie professionell vorgegangen werde. Das liegt sicherlich auch an der geringen Aufklärungsquote. 2016 lag die Quote in Bielefeld bei 3,5 Prozent, in diesem Jahr bisher bei 4,4 Prozent. Die meisten Räder bleiben für immer verschwunden. Diebstahl auf Bestellung: Profitäter brechen sogar in Fachgeschäfte ein Nach Angaben von Philipp Friedrichs vom Geschäft Radwelt brechen die echten Profis aber inzwischen direkt in die Fachgeschäfte ein. Aus Fachkreisen sei zu hören, dass dort offenbar ganz gezielt auf Bestellung zugeschlagen werde. Ein erster Fall aus Bielefeld sei ihm allerdings nicht bekannt. Was kann man tun? Friedrichs rät Besitzern, ihr Rad grundsätzlich an festen Gegenständen wie Fahrradständern oder Laternenpfählen anzuschließen. Nur abzuschließen sei zu gefährlich: „Die Täter tragen das Rad einfach weg." Polizeisprecherin Christoph rät zudem: „Wer nachts unterwegs ist, sollte sein Fahrrad dort abstellen, wo viel Publikumsverkehr ist." So berichtet Stiftung Warentest über seinen jüngsten Test von Fahrradschlössern:

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