Ein zweites Mal Ja-Sagen: Die Umsetzung der Ehe für alle bringt einigen bürokratischen Aufwand für das Bielefelder Standesamt mit sich. Neben Neu-Trauungen können bereits geschlossene Eingetragene Lebenspartnerschaften zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern in eine Ehe umgewandelt werden. Das betrifft Hunderte Paare in Bielefeld. - © dpa
Ein zweites Mal Ja-Sagen: Die Umsetzung der Ehe für alle bringt einigen bürokratischen Aufwand für das Bielefelder Standesamt mit sich. Neben Neu-Trauungen können bereits geschlossene Eingetragene Lebenspartnerschaften zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern in eine Ehe umgewandelt werden. Das betrifft Hunderte Paare in Bielefeld. | © dpa

Bielefeld Viele gleichgeschlechtliche Bielefelder Paare wollen ab Oktober die Ehe

Vor allem zahlreiche Umwandlungen von Lebenspartnerschaften werden das Standesamt beschäftigen

Christine Panhorst

Bielefeld. Schon in der ersten Oktoberwoche gibt es in Bielefeld die ersten beiden Trauungen – am 1. Oktober tritt die Ehe für alle in Kraft. Gleichgeschlechtliche Paare können sich dann nicht nur mit allen Rechten wie heterosexuelle Paare vermählen lassen, sondern auch eine bereits geschlossene Eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln lassen. Das betrifft Hunderte Paare in Bielfeld. Schon jetzt sind zahlreiche Anfragen beim Standesamt eingegangen. In Sachen Umsetzung des neuen Gesetzes gibt es bei den Standesbeamten aber noch viele Fragezeichen. Um Sondertermine für die Umwandlungen machen zu können, fehle es an Personal, sagt Cornelia Schütze, Abteilungsleiterin beim Bielefelder Standesamt. Auch Terminreservierungen seien nicht möglich. „Die Paare können einfach ab Oktober zu den Öffnungszeiten zu uns kommen, sich anmelden und wir nehmen die Umwandlung dann auch direkt vor." Die Ehe für alle erleichtert den Paaren auch eine Adoption Der zusätzliche Aufwand, der dadurch auf die neun Standesbeamten der Stadt zukomme, sei noch schwer abzuschätzen, sagt Schütze. „Aber die Anfragen zeigen, es ist viel Interesse da." Romantisch klingt das alles nicht. Standesamtliche Termine für die zeremonielle Trauung von Paaren, die eine Lebenspartnerschaft umwandeln lassen, seien ebenfalls erst einmal nicht vorgesehen, sagt Schütze. „Auf Anfrage wird das aber sicher möglich sein." Bereits im Jahr 2001 war das Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft, die erstmals auch gleichgeschlechtlichen Paaren eine Form des Ja-Sagens ermöglichte, in Kraft getreten. Allein zwischen 2010 bis 2016 wurden in der Stadt Bielefeld 210 Eingetragene Lebenspartnerschaften zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern geschlossen: 122 unter Frauen, 88 unter Männern. Diese verpartnerten Paare können sich jetzt durch die Umwandlung in eine Ehe vor dem Gesetzgeber nachträglich gleichstellen lassen. Viele werden es wohl auch so schnell wie möglich tun wollen. Denn der neue Ehestatus wirkt sich unter anderem beim Steuerrecht, aber auch beim Adoptionsrecht aus, wo Ehepaare einen Vorzugsbonus genießen. Bisher hätten gleichgeschlechtliche Partner in Adoptionsverfahren wie Single-Bewerber behandelt werden müssen, erklärt Sozialdezernent Ingo Nürnberger. Das ändere sich ab Oktober. „Unabhängig davon geht es nach wie vor zuerst darum, welches Paar oder welche Person für das jeweilige Kind und seine besonderen Bedürfnisse am besten ist." Nürnberger, der selbst mit seinem Mann seit fünf Jahren in einer Lebenspartnerschaft lebt, will die Umwandlung in eine Ehe mit seinem Partner definitiv in Anspruch nehmen und im privaten Rahmen auch noch einmal feiern. Er sagt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es viele Paar gibt, die sich die Umwandlung als echte Zeremonie wünschen."

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