Baby an Baby: In Bielefeld werden immer mehr Kinder geboren. Schon jetzt melden sich Frauen für Rückbildungskurse an – obwohl sie noch nicht mal ihr Kind bekommen haben. - © dpa
Baby an Baby: In Bielefeld werden immer mehr Kinder geboren. Schon jetzt melden sich Frauen für Rückbildungskurse an – obwohl sie noch nicht mal ihr Kind bekommen haben. | © dpa

Bielefeld Baby-Boom: In Bielefeld werden immer mehr Kinder geboren

Geburtenzahlen steigen: , alleine in diesem Jahr sind es schon 2.727. Ein Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 2.606. Und auch die Info-Abende in den Kreißsälen sind gut besucht

Ariane Mönikes

Bielefeld. Sie zeigen stolz ihren Bauch und hetzen von Geburtsvorbereitungskurs zu Schwangerschafts-Yoga: Die Bielefelderinnen sind schwanger. Nein, natürlich nicht alle, aber fast jeder kennt gerade eine Frau, die kurz vor der Geburt steht. Und tatsächlich, die Zahlen zeigen: Die Geburtenrate steigt. Bielefeld scheint ein fruchtbares Pflaster zu sein. Mehr Kinder im Klösterchen zur 
Welt gekommen Laut Uwe Borgstädt von der Stadt Bielefeld sind die Zahlen der Neugeborenen in Bielefeld von 4.402 in 2015 auf 4.538 in 2016 gestiegen. „Die Tendenz geht nach oben", sagt er. Allerdings ist auch die Einwohnerzahl in Bielefeld in die Höhe gegangen: Waren Ende 2015 333.998 Menschen in Bielefeld gemeldet, waren es ein Jahr später schon 335.643. Es sei schon richtig, es hat 2016 bereits einen nennenswerten Anstieg der Geburtenrate gegeben, sagt Georg Rüter, Geschäftsführer des Franziskus-Hospitals. So sei die Geburtenrate in Deutschland generell wieder gestiegen, sie liegt mittlerweile bei 1,6 Kindern pro Frau. „Da hat kaum jemand mit gerechnet", sagt Rüter. Auf die Zuwanderung allein sei das aber nicht zurückzuführen: Flüchtlingsfrauen hätten nur temporär eine Rolle gespielt, die Frauen würden heute einfach wieder Kinder kriegen. 2016 wurden 1.189 Kinder im „Klösterchen" zur Welt gebracht, dieses Jahr werden es mehr sein, prognostiziert Rüter. Bis Ende Juli 2016 waren es 691, ein Jahr später lag die Zahl bereits bei 830. Ein Anstieg um fast 20 Prozent. „Der höchste Stand seit Jahren", sagt Georg Rüter. Vor zehn Jahren seien es gerade mal 855 Kinder im gesamten Jahr gewesen. Das hänge zum einen damit zusammen, dass im Klösterchen im September des vergangenen Jahres die neue Geburtsklinik eröffnet worden war. Es kämen aber auch Schwangere aus benachbarten Kreisen: So wurde vor drei Jahren die Frauenklinik am Lukas-Krankenhaus in Bünde geschlossen. „Die Frauen müssen ja irgendwo hin", sagt Rüter. Sandra Gruß vom Evangelischen Klinikum Bethel berichtet von 1.100 Kindern, die bis jetzt in 2017 in der Klinik geboren wurden, 2016 sei die Zahl im selben Zeitraum in etwa gleich gewesen. „Der Mai war in diesem Jahr etwas stärker, der Juni etwas schwächer", sagt sie. Die Info-Abende im Kreißsaal, die zweimal monatlich stattfinden, seien derzeit allerdings richtig voll, erzählt die leitende Oberärztin Martina Störmer. Ein ähnliches Bild am Klinikum Mitte: Laut Sprecher Axel Dittmar ist die Anzahl der Geburten in „Babytown", der Geburtshilfe im Klinikum, nur leicht gestiegen: 1.200 Kinder kamen dort 2016 zur Welt, 2014 waren es 1.090. Hingegen platzen auch die Kreißsaalführungen, die zweimal monatlich stattfinden, aus allen Nähten, weiß Oberärztin Ute Kelkenberg zu berichten. 80 bis 120 werdende Mütter und Väter pro Abend seien keine Seltenheit. Barbara Blomeier, erste Vorsitzende im Landesverband der Hebammen NRW, weiß, die Anzahl der Frauen, die in Bielefeld derzeit einen Rückbildungskurs buchen wollen, nimmt rasant zu. „Es melden sich Frauen, die noch nicht mal entbunden haben", sagt sie. Dass die Frauen heute wieder Kinder kriegen, hänge eventuell damit zusammen, dass die Männer immer häufiger Elternzeit nehmen. „Das ist natürlich ein Anreiz."

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