Mein Kleid, dein Kleid: Anastasia Sapovalov (links) hat sieben Teile mitgebracht, Britta Zachau von „7kleiderleben" schaut sie sich an. In der alten Stadtbibliothek hatte Zachau als offizielles Geniale-Projekt eine Kleidertauschparty auf die Beine gestellt. - © andreas frücht
Mein Kleid, dein Kleid: Anastasia Sapovalov (links) hat sieben Teile mitgebracht, Britta Zachau von „7kleiderleben" schaut sie sich an. In der alten Stadtbibliothek hatte Zachau als offizielles Geniale-Projekt eine Kleidertauschparty auf die Beine gestellt. | © andreas frücht

Bielefeld Handel sauer: Secondhand boomt in Bielefeld

Markt für Gebrauchtes: Flohmärkte nur für Frauen und Tauschpartys gibt es immer häufiger in der Stadt. Für diejenigen, die günstig Kleidung kaufen wollen, ein Segen – der Handelsverband aber übt Kritik

Ariane Mönikes

Bielefeld. Wer den ständigen Wechsel im Kleiderschrank liebt, aber dennoch auf Nachhaltigkeit setzt, kauft Secondhand, Mode aus zweiter Hand. Die Angebote in Bielefeld sind groß, auf dem Uni-Flohmarkt, auf dem Siggi oder dem Klosterplatz werden vor allem Frauen fündig. Dazu gekommen sind mittlerweile auch neue Formate, die sich von den herkömmlichen Flohmärkten abheben. Gerrit Recksiek, Florian Steiner und Christian Vogedes, die das Unternehmen „Liebefelder" gegründet haben, veranstalten am Samstag, 2. September, im Ringlokschuppen wieder den „kauFRAUsch", ein Flohmarkt nur für Frauen. Es ist die achte Auflage, neben Bielefeld sind die drei mittlerweile auch in Städten wie Halle und Osnabrück mit ihrem Konzept erfolgreich. Sie wollen Secondhand zu Fashion machen, legen Wert auf die Präsentation und ein hochwertiges Umfeld. „Unsere Flohmärkte haben Event-Charakter", sagt Vogedes. „Und wir sind themenbezogen". "Nehmen dem Handel nichts weg" Während man auf Flohmärkten neben Kleidung auch Nachttischlampen kaufen könne, sei es beim „kauFRAUsch" eben nur Frauenkleidung. Dem Einzelhandel würden sie nichts kaputt machen, sagt Vogedes. „Die Mädels kaufen trotzdem in der Stadt ein, zu uns kommen sie zusätzlich." Maren Feix (31) hat schon sechs Mal auf dem Klosterplatz-Flohmarkt verkauft, an diesem Samstag steht sie seit 5 Uhr morgens hier. Fünf Stunden später hat sie schon 300 Euro in ihrem Portemonnaie. Dem Handel nehme sie nichts weg, sagt sie. „Die Leute kombinieren gerne, es gibt kaum Kunden, die nur Sachen vom Flohmarkt tragen", sagt sie. "Gelder gehen am stationären Handel vorbei" Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands OWL, sind die Flohmärkte zwar kein Dorn im Auge. „Dort werden aber Gelder ausgegeben, die am stationären Handel vorbeigehen", sagt er. Ärgerlich sei es, wenn Neuware verkauft wird. „Das kommt immer mal wieder vor, ist aber nicht erlaubt." Wenn samstags Flohmarkt auf dem Klosterplatz ist, käme ein anderes Publikum in ihren Laden als sonst, sagt Eva Waterwiese, Inhaberin des Geschäfts „Mimi und Emu" an der Hagenbruchstraße, eine Boutique für Kinder- und Babykleidung. „Die Leute wollen handeln, sind noch im Flohmarkt-Modus", sagt sie. Das störe sie schon ein wenig. Konkurrenz seien solche Märkte aber für sie nicht. „Die Kunden kommen hierher, wenn sie schöne Geschenke suchen", erzählt sie. Die werden natürlich auch nett eingepackt – auf dem Flohmarkt gibt’s all das nicht. Neues Leben für alte Kleider Wer aber dort kauft, handelt nachhaltig und schenkt Kleidern neues Leben. Das hat auch Britta Zachau erkannt: 2014 hat sie gemeinsam mit Freundin Isabell Mezger in der Diskothek „Stereo" unter dem Namen „7kleiderleben" die erste Tauschboutique in Bielefeld veranstaltet. Jede Teilnehmerin bringt bis zu sieben gut erhaltene Kleider mit, genauso viele darf sie dann auch wieder mit nach Hause nehmen. Das Konzept funktioniert. In der Geniale-„WissensWerkStadt" in der alten Stadtbibliothek hat „7kleiderleben" jetzt eine Kleidertauschparty veranstaltet. „Auch, um mit den Besuchern ins Gespräch über Mode und Nachhaltigkeit zu kommen", sagt Zachau. Nach einer Stunde hingen schon knapp 300 Teile auf den Kleiderstangen, 100 Frauen, Männer und Kinder kamen in dieser Zeit zum Tauschen. „Eine Ergänzung zum Neu-Kauf", sagt Zachau. Es sei schon so viel hochwertige Kleidung im Umlauf und wir alle hätten Schrankleichen, sagte sie. Warum also nicht tauschen oder auf Flohmärkten kaufen? Mit dem „kauFRAUsch" werden Jurist Christian Vogedes und seine Mitstreiter nicht reich, sagt er. „Es ist ein Hobby." Auch Britta Zachau veranstaltet die Tauschpartys nebenbei. „Es geht uns nicht darum, damit Geld zu verdienen", sagt sie. „Wir wollen, dass die Teilnehmer den ein oder anderen Gedankenanstoß mitnehmen."

realisiert durch evolver group