Kunsthalle: Rudolf-August Oetker hat den Bau finanziert und möglich gemacht. Er persönlich hatte den Architekten Philip Johnson für den Auftrag gewinnen können. - © Wolfgang Rudolf
Kunsthalle: Rudolf-August Oetker hat den Bau finanziert und möglich gemacht. Er persönlich hatte den Architekten Philip Johnson für den Auftrag gewinnen können. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Kunsthalle: Name von Stifter Rudolf-August Oetker von Gedenktafel entfernt

Witwe Maja Oetker wehrt sich dagegen

Andrea Rolfes
Thomas Seim

Bielefeld. Maja Oetker ist aufgebracht. Auf der neuen Gedenktafel in der Kunsthalle sei nicht nur der Name Richard Kaselowsky wie vereinbart entfernt worden, sondern auch der ihres Mannes. Mit ihr und ihren Kindern sei das nicht abgestimmt worden, sagt die Witwe des 2007 gestorbenen Firmenchefs Rudolf-August Oetker. „Man kann den Namen Kaselowsky weglassen, aber nicht den Stifter ausradieren", mahnt sie und fordert öffentlich eine neue Widmung. Jahrzehntelang war die Gedenktafel im Eingangsbereich der Kunsthalle vielen Bürgern ein Dorn im Auge. Sie würdigte den Stifter Rudolf-August Oetker, aber auch seinen Stiefvater Richard Kaselowsky, dessen Nazi-Vergangenheit der Grund des gesellschaftlichen Anstoßes war. Die Forderung der Bürger: Der Name Kaselowsky solle aus dem öffentlichen Raum in Bielefeld entfernt werden. Nach einem langen Streit kam es im vergangenen Jahr zu einem Durchbruch. Oberbürgermeister Pit Clausen gab bekannt, dass im Einvernehmen mit der Familie Oetker entschieden worden sei, die Gedenktafel auszutauschen. Es folgte eine interne Abstimmung zwischen dem Hause Oetker, Clausen, der Politik und Kunsthallenchef Friedrich Meschede. Man einigte sich auf einen neuen Text, der nicht mehr namentlich Rudolf-August Oetker als Stifter, sondern „die Familie Oetker" benennt. Vor zwei Wochen wurde die neue Gedenktafel aufgestellt. Nun meldet sich Maja Oetker öffentlich zu Wort. Das hat für sie zwei Gründe. „Erstens bin ich die Witwe Rudolf-August Oetkers. Ich habe mich noch nie dazu geäußert. Aber das ist nun eins zu viel." Zweitens sei sie Bürgerin Bielefelds, die 15 Jahre im Stadtrat war und „dort ein bisschen was erreicht hat mit viel Arbeit und viel Kraft". Ihr Anliegen formuliert sie deutlich. Maja Oetker vertritt den Standpunkt, dass nicht die Familie Oetker, sondern ihr Mann die Halle ermöglicht habe und dass das auch auf der Tafel stehen sollte. „Bielefeld ist die große geliebte Heimatstadt meines Mannes. Er hat die Kunsthalle gemacht. Er wollte der Stadt helfen, die mit meinem Mann nicht so umgehen darf." Zu seinen Lebzeiten hätte es niemand gewagt, den Namen auszuradieren. An Clausen gerichtet sagt sie: „Der Oberbürgermeister kann es sich nicht leisten, so mit einem großen Bürger, Mäzen und Steuern zahlenden Unternehmen umzugehen. Er hätte sagen müssen: Der Name Rudolf Oetkers bleibt." Auf Anfrage der NW reagierte Clausen gelassen. Er beruft sich darauf, dass es eine Sprachregelung gegeben habe, in der Unternehmenssprecher Jörg Schillinger vom Hause Oetker beauftragt worden sei, in der Angelegenheit für die Familie Oetker zu sprechen. Alles sei in enger Absprache abgewickelt worden mit August Oetker, dem Sohn von Rudolf-August Oetker. Clausen: „Über die interne Abstimmung im Hause Oetker kann ich wenig sagen. Das möchte ich auch nicht kommentieren." Maja Oetker betont indes, keine Ruhe zu geben. „Ich erwarte, dass die Tafel neu gemacht wird. Der Text sollte übernommen, der Name Kaselowsky weggelassen und das kleine ,z’ für den ,Zweiten Weltkrieg’ korrigiert werden." Oetker-Sprecher Schillinger geht darauf nicht ein. Er bittet um Verständnis, dass er über Interna der Familie nicht sprechen kann. „Es ist öffentlich bekannt, dass im Umgang mit der Vergangenheit der Familie Oetker unterschiedliche Sichtweisen bestehen." Die Aufarbeitung dieses Sachverhaltes sei abgeschlossen und hinlänglich diskutiert. „Insofern ist es verständlich und nachvollziehbar, dass es zum konkreten Einzelfall auch unterschiedliche Auffassungen gibt." Zum Hintergrund: 2007 starb Rudolf-August Oetker im Alter von 90 Jahren. Im Jahr darauf schlug sein Sohn August Oetker im Familienkreis vor, die NS-Vergangenheit von Familie und Konzern historisch aufarbeiten zu lassen und stieß auf Zustimmung. Das Unternehmen beauftragte Historiker für die Arbeit und veröffentlichte die Familien- und Unternehmensgeschichte in einem Buch. 2013 hatte August Oetker Unruhe verursacht, indem er erstmals öffentlich zugab, dass sein Vater Rudolf-August Oetker ein Nationalsozialist gewesen sei. Dem widersprach Maja Oetker vehement: „Mein Mann war kein überzeugter Nazi." Aktivisten der Initiative Anti-Kaselowsky loben den Austausch der Gedenktafel. Der Austausch der Gedenktafel ist „ein Meilenstein für die Kunsthalle und die Erinnerungskultur", schreiben sie in einer Pressemitteilung. Die Aktivisten werten den Austausch als Erfolg für all diejenigen, die sich auch jahrzehntelang gegen die Benennung der Kunsthalle nach Richard Kaselowsky engagiert hätten. Ein Flugblatt der Initiative sei im Vorjahr Auslöser für die Lokalpolitik gewesen, die Gedenktafel durch eine neue ersetzen zu wollen. Die Aktivisten setzen sich dafür ein, dass die Geschichte des Kunsthallen-Baus, der Namensgebung und der Umbenennungen in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv dokumentiert wird. Die Dokumentation solle schließlich für alle zugängliche gemacht werden

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