Der Chef im Loom: Center-Manager Michael Latz. - © Barbara Franke
Der Chef im Loom: Center-Manager Michael Latz. | © Barbara Franke

Bielefeld Der Loom-Chef über 100.000 Besucher zur Eröffnung und Trinker vor der Haustür

Interview mit Michael Latz über Bielefelds größtes Shoppingcenter, den Endspurt der Ladenmieter und Kritik am jungen Branchenmix

Carsten Heil
Andrea Rolfes

Herr Latz, am 26. Oktober eröffnet das Loom. Sind sie aufgeregt? Michael Latz: Das Team ist schon voller Vorfreude. Wir sind im Zeitplan, das ist jetzt das Wichtigste. Im Juli haben wir den letzten Kran abgebaut, es war toll, als auch die Gerüste und Bauzäune abgebaut wurden und zum ersten Mal die Fassaden an der Bahnhof- und Stresemannstraße zu sehen waren. Sind alle Shops rechtzeitig fertig und Mieter einzugsbereit? Latz: Davon sind wir überzeugt. Es wird knapp, aber wir schaffen es. Wir haben schon Bereiche an die Großmieter zum Ausbau übergeben. Primark ist fast fertig. Im August stehen die übrigen Übergaben an. Die Mieter brauchen in der Regel vier bis sechs Wochen für den Ausbau. Der zeitliche Druck ist hoch auch beim Genehmigungsverfahren für die Mieterausbauten. Aber wir sind in einem engen Austausch mit dem Bauamt, das einen großartigen Job macht. Zur Eröffnung der City-Passage kamen vor 40 Jahren 100.000 Menschen. Mit wie vielen Leuten rechnen Sie? Latz: Der Referenzwert ist damit ja ausgerufen. Ich glaube aber, es wäre unprofessionell, jetzt irgendeine Zahl zu nennen. Wir hatten Center-Eröffnungen mit 100.000 Besuchern, es gab aber natürlich auch schon welche mit weniger als 25.000 Gästen. An der Stresemannstraße – direkt vor Ihrem Eingang – sieht es aktuell ziemlich schäbig aus. Dort liegt Müll rum und wird getrunken. Stört Sie das? Latz: Auch umliegende Händler haben uns bereits dazu gefragt. Momentan ist das Umfeld dort mit dem Bauzaun und anderen Dingen nicht sonderlich attraktiv. Ich denke, dass die Neueröffnung die Situation auflösen wird. Wir werden an der Stresemannstraße zwei Gastronomen haben, die einen Außenbereich anbieten werden. Einer ist Nordsee, der einen richtigen schicken Laden plant. Der zweite ist ein tolles italienisches Konzept. Das wird die Stresemannstraße aufwerten. Wie viele Flächen sind im Loom noch zu haben? Latz: Unser Vermietungsstand liegt bei 95 Prozent, sprich bei 110 Geschäften. Aktuell sind noch sechs Läden frei – plus minus eins, je nachdem, wie die Flächen zugeschnitten werden. Die Verhandlungen stehen aber kurz vor dem Abschluss. Sie konnten Sinn-Leffers kurzfristig noch große Flächen anbieten. Das klingt bei einer Vermietungsquote von 95 Prozent irritierend. Latz: Die Verhandlungen mit Sinn-Leffers laufen nicht erst ab Juli. Es besteht Interesse an mehreren kleineren Flächen, die im Haus verteilt sind. Sinn-Leffers müsste sich also mit einem kleineren Angebot als am bisherigen Standort präsentieren. Eine große zusammenhängende Fläche steht nicht mehr zur Verfügung. Es gab kritische Stimmen zum Branchenmix. Das Loom würde sich zu sehr an junge Leute mit einem eher günstigen Markenangebot richten. Latz: Wenn man sich unseren Mieterbesatz anschaut, haben wir zum Beispiel mit Superdry, Adidas, G-Star, Juwelier Dural, Rituals, Thomas Sabo, Pandora oder Christ namhafte Marken. Den Leuten, die sich Louis Vuitton und Gucci wünschen, muss man sagen, dass es in Deutschland kein Shopping-Center gibt, in dem diese Marken vertreten sind. In der Expansionsentwicklung dieser Marken finden Shopping-Center keine Beachtung. Warum ist das so? Latz: Das hat viele Gründe. Einige Marken ziehen nicht sofort in neue Center ein. Es gibt auch Marken, die in keine Stadt unter 500.000 Einwohner expandieren. Viele Textiler haben bei der aktuellen Marktlage Schwierigkeiten und sind gezwungen, sich zu konsolidieren und sich auf gut gehende bestehende Standorte zu fokussieren. Es gab viel Kritik für Ihren Ankermieter Primark. Latz: Primark erfreut sich enormer Beliebtheit. Es ist ein Mieter, der von den Kunden sehr stark nachgefragt ist. Natürlich gibt es Menschen, die der Kette kritisch gegenüberstehen. Das ist jedem selbst überlassen. Aber Primark schafft es, mehr Kunden in die Innenstädte zu holen, auch weil die Kette nicht online aktiv ist. Jeder umliegende Händler und Gastronom kann sich also über mehr Frequenz freuen. Das Loom bedeutet aber auch mehr Konkurrenz. Latz: Konkurrenz gehört zum Handel dazu und Wettbewerb belebt das Geschäft. Primark oder Bershka sind für junge Leute eben die derzeit angesagten Marken. Aber die jungen Kunden bringen oft ihre Eltern mit. Und davon profitieren dann auch Händler wie Karstadt und Co. Es gibt trotzdem Risiken für andere Händler. Latz: Händler mit guter Beratung und Kundenservice können von der Kundenfrequenz des neuen Loom profitieren. Händler, die die Chance erkannt haben, nutzen jetzt die Gelegenheit, um sich neu und moderner aufzustellen. Sie bauen um und investieren in ihren Standort wie beispielsweise Sinn-Leffers, Karstadt oder Knigge. Händler, die das nicht tun, müssen vielleicht mit negativen Folgen rechnen. Welche Chancen ergeben sich für die Stadt? Latz: Wir bauen das modernste und innovativste Shopping-Center in Deutschland. Das Loom belebt die Innenstadt und wertet die Bahnhof- und Stresemannstraße auf. Die gesamte Textil- und Einzelhändlerbranche wird zur Eröffnung auf Bielefeld schauen. Die Stadt steht bundesweit im Fokus. Das ist eine riesige Chance für Bielefeld. Sie glauben, das Loom wird als Magnet für neue Marken in Bielefeld wirken? Latz: Ja, davon bin ich überzeugt. Außerdem sind wir ein lokaler Wirtschaftsmotor. Das Loom wird 750 Mitarbeiter beschäftigen, in umsatzstarken Zeiten wie Weihnachten sogar mehr. Für Wartungen, Umbauarbeiten und Instandsetzungen haben wir jährlich 2,5 Millionen Euro angesetzt. Davon profitieren lokale und regionale Firmen. Zuletzt waren Händler von Ihren Mietpreisen irritiert. Von 100 Euro pro Quadratmeter war die Rede. Latz: Mietpreise sind wie Gehälter. Eigentlich spricht man über die nicht. Die Durchschnittsmiete im Loom liegt deutlich unter der von Ihnen genannten Größenordnung. Sogar unter der Hälfte. Außerdem gibt es unterschiedliche Mieten. Die teuersten Mieten zahlt wer? Latz: Die kleinen Stände mitten auf der Ladenstraße, so genannte Kioskstände, die zeitlich begrenzt dort stehen, durch exzellente Lagen hohe Umsätze erwarten können und geringere Aufbaukosten haben. Da liegen die Mieten in der Spitze tatsächlich auch mal über 100 Euro.

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