Ratschläge vom Fachmann: Kunstlehrer Rainer Krause, seit 16 Jahren an der MuKu, begutachtet das Werk im Entstehen von Kursteilnehmerin Lilian Hutchinson. - © Sarah Jonek
Ratschläge vom Fachmann: Kunstlehrer Rainer Krause, seit 16 Jahren an der MuKu, begutachtet das Werk im Entstehen von Kursteilnehmerin Lilian Hutchinson. | © Sarah Jonek

Bielefeld Bielefelder Musik- und Kunstschule bietet Aktmalen als Ferienkurs an

Sommerakademie: 140 Teilnehmer bei 13 Kursen am Start

Dennis Rother

Bielefeld. Ein nackter Mann in der Mitte, drumherum ein Dutzend Hobbykünstler an Staffeleien still bei der Kreativarbeit: Es ist ein außergewöhnlicher Kursus, zu dem die Musik- und Kunstschule (MuKu) jetzt anlässlich ihrer Sommerakademie geladen hat. In der jüngst renovierten Rondiste steht Aktmalerei an – also genau das, wozu der lichtdurchflutete Raum mit seinen hohen, kaum einsehbaren Fenstern vor einem halben Jahrhundert konzipiert wurde. Zum achten Mal organisiert die MuKu das umfangreiche Ferienprogramm, sagt Dietrich Schulze. Er leitet die MuKu-Sparte Kunst. 140 Teilnehmer zwischen sechs und 70 Jahren sind an fünf Tagen laut Schulze am Sparrenberg und in Ateliers aktiv. Die Lehrer-Bandbreite reicht vom freischaffenden Bildhauer bis zum Game-Designer, also jemand, der Computerspiel-Welten kreiert. Erstmals dabei sind die Fächer Radierung, Kalligraphie und Graffiti, insgesamt gibt es 13 Kurse. In einem davon spielt für Laien vermeintlich auch knisternde Erotik eine Rolle. Damit hat die Handwerkskunst Aktmalerei aber wenig zu tun, das wird in der Rondiste am Donnerstag schnell klar. Bei der Königsdisziplin herrscht ruhige Arbeitsatmosphäre, man hört nur, wie Blei-, Kohle- oder Pastellstifte die Silhouette des Modells auf Papier bannen. "Der nackte Körper wird für Maler quasi zum Objekt" Kunstlehrer Rainer Krause, seit 16 Jahren an der MuKu im Amt, schleicht aufmerksam durch die Reihen, begutachtet die Werke im Entstehen, gibt Ratschläge und bewertet. Teilnehmerin Sophia Ruff sagt zwar, dass ihr beim Anblick des nackten Mannes doch ein überraschtes „Huch" rausgerutscht sei. „Aber dann wird der Körper quasi zum Objekt", betont sie. „Der Kopf ist ausgeschaltet." Die 22-Jährige kommt mit Vorkenntnissen: Sie bereitet sich derzeit während eines Muku-Praktikums auf eine Hochschul-Bewerbung in Hamburg vor. „Ich möchte Kostümdesignerin werden", sagt sie. Aktmalerei ist laut Sophia Ruff für den angestrebten Beruf hilfreich, „denn im Job würde es darum gehen, Menschen anzukleiden." Umso wichtiger sei es, beim Malen auf Proportionen zu achten – und exakt beobachten können müsse man natürlich sowieso. All das klappt bei Sophia Ruff schon gut, findet Lehrer Rainer Krause. Während die „Großen" sich am Aktmodell möglichst exakt abarbeiten und großformatige Bilder erstellen, tauchen Kinder künstlerisch in poppig-bunte Farbenwelten ein: die Nachwuchskünstler werkeln mit Pappmaché und Glitzerfolie. Das zeige das breite Spektrum der Sommerakademie-Angebote, sagt Mitorganisator Dietrich Schulze. Das habe sich bewährt und solle so bleiben.

realisiert durch evolver group