Ein Rauschgifthändler wurde verurteilt. - © Symbolfoto: pixabay
Ein Rauschgifthändler wurde verurteilt. | © Symbolfoto: pixabay

Bielefeld Riesiger Drogenfund: Dealer (27) kommt fünfeinhalb Jahre in Haft

Prozess wegen 30 Kilo Rauschgift in Bielefelder Wohnung: Mann wegen bewaffnetem Handel verurteilt / Messer griffbereit

Dennis Rother

Bielefeld. Fünf Jahre und sechs Monate kommt Drogendealer Nadim S. (Name von der Red. geändert) in Haft. Der geständige 27-Jährige wurde wegen bewaffnetem Handel in nicht geringer Menge verurteilt. Damit erhielt der Angeklagte im Prozess um den größten Bielefelder Rauschgiftfund seit Jahren (die NW berichtete) eine vergleichsweise milde Strafe. Bewaffneter Handel kann bis zu 15 Jahren Gefängnis bedeuten. Dem Angeklagten zugute kam sein amateurhaftes Verhalten. Im Februar hatten Beamte die Jöllenbecker Wohnung des 27-Jährigen durchsucht. Eine Streife hatte ihn zuvor beobachtet, wie er auf offener Straße ein Marihuanapäckchen über einen Zaun schmiss. Weitere 29,5 Kilo qualitativ hochwertiges Marihuana und mehr als ein halbes Kilo Kokain fand die Polizei bei ihm zuhause, dazu Bargeld, mutmaßliche Kundenlisten – und zwei Messer. Die Drogen habe er von einem ihm bekannten Dealer übernommen, ließ S. vor Gericht erklären. Der Mann habe befürchtet aufzufliegen, so S. 90.000 Euro sei der Kaufpreis gewesen, 5.600 zahlte S. nach eigenen Angaben sofort. Grammweise habe er mit Marihuana zuvor schon gedealt gehabt – plötzlich war er Großhändler. Das überforderte den Angeklagten offenbar: Notdürftig verpackt lagerte die Ware im Schlafzimmer. Der Marihuana-Gerucg zog bereits durch den Flur im Mehrparteienhaus, sagten Beamte. Rund 1.600 Euro hatte S. durch den Marihuanaverkauf eingenommen, als er gefasst wurde. Schon das unmittelbare Wegwerfen des Päckchens beim schieren Anblick des Streifenwagens hätte gezeigt, dass es sich bei S. um keinen „Großen in der Szene" handele, sagte Anwalt Carsten Ernst. S. sei zwar vorbestraft, aber nicht wegen Betäubungsmittelvergehen. Dass er eher zufällig an eine Riesenmenge Drogen gekommen war, fand dann auch das Gericht unwiderlegbar. Dass die Messer kein integraler Bestandteil das Geschäfts waren, nahm das Gericht dem Angeklagten aber nicht ab. Springmesser und Einhandmesser lagen laut Polizei griffbereit bei den Drogen. Die Waffen seien in einer Tasche gewesen, die er von seinem Bekannten übernommen habe, behauptete S. Er habe ihre Gefahr falsch eingeschätzt. Gegen die Aussage sprach, dass er wegen Besitz eines Butterfly-Messers bereits 2013 zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Weil der gebürtige Iraker noch Kontakte in die Heimat pflege, ledig und ohne Job sei, bleibt er wegen Fluchtgefahr in Haft. Das entschied das Gericht.

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