Bielefeld Bielefeld winken 16 Millionen Euro für ein schnelleres Internet

Breitbandausbau: Koordinatorin Sonja Opitz bereitet europaweite Ausschreibung vor

Joachim Uthmann

Bielefeld. Wenn es um Glasfaser und Netze geht, ist Sonja Opitz Ansprechpartnerin bei der Stadt. Die Diplomumweltwissenschaftlerin kümmert sich als Koordinatorin um den Breitbandausbau in Bielefeld. Auf der Karte gibt es noch viele größere „weiße Flecken", in denen es kein schnelles Internet gibt. Mit Millionen aus Fördertöpfen hofft die Stadt, die Lücken schließen zu können. Opitz muss jetzt eine europaweite Ausschreibung vorbereiten. Die 36-Jährige hat in Bielefeld studiert, beim Kreis Paderborn als Klimaschutzmanagerin gearbeitet und war dort zuletzt in der Wirtschaftsförderung für den Breitbandausbau zuständig. Um die digitale Zukunft nicht zu verschlafen, hat auch Bielefeld seit Jahresbeginn eine Stelle dafür eingerichtet, finanziert über Zuschüsse, und mit Opitz besetzt. Anfragen von Betroffenen, die kein Netz haben, häufen sich. Langsamkeit auf dem Lande Eigentlich sollte der Markt den erforderlichen Netzausbau schaffen. Doch bisher sind nur rund 83 Prozent in Bielefeld angebunden. Auf dem Land und in Außenbezirken sind Investitionen für die Unternehmen weniger einträglich – mit der Folge, dass Wohnsiedlungen, aber auch Gewerbegebiete deutlich unterversorgt sind. Öffentliche Gelder sollen jetzt Anschub geben, dass entlegenere Gebiete mit leistungsfähigen Kabeln erschlossen werden. Das Beratungsbüro Micus hat für Bielefeld errechnet, dass 1.861 Haushalte sowie 379 Unternehmen mit Anschlüssen versorgt und 347 Kilometer Leerrohre verlegt werden müssten. Netzbetreiber lassen diese Gebiete bisher außen vor. Größter Bedarf in Brackwede Der größte Bedarf ist in Brackwede (66 Kilometer), Heepen (51), Jöllenbeck (43) und Stieghorst (40). Um die 347 Kilometer zu bauen, rechnet die Stadt mit Kosten von rund 17,5 Millionen Euro. Der Bund habe 7,9 Millionen vorläufig zugesagt, das Land werde ebenfalls 7,9 Millionen zuschießen, so dass Bielefeld rund 15,8 Millionen Euro in den Breitbandausbau stecken könne, heißt es in einer von Baudezernent Gregor Moss (CDU) unterzeichneten Vorlage. Den Rest müssten die Betreiber über Einnahmen decken. Die Stadt müsse keinen Eigenanteil übernehmen Vorgeschrieben ist aber eine europaweite Ausschreibung, zu der die Stadt technische und juristische Experten einbezieht. Das Verfahren dafür soll bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Anfang 2018 könnte der Bau beginnen. 2019 soll es so weit sein Ziel ist es, dass die „weißen Flecken" auf der Karte schon Ende 2019 gefüllt sind. „Das ist aber sehr sportlich", sagt Opitz. Denn viele Städte in NRW haben sich um das Programm beworben. So falle es den Netzbetreibern schwer, Tiefbaufirmen zu finden, weil diese überlastet seien. Und die Preise steigen. Deshalb rechnet Abteilungsleiter Bernd Hellermann vom Amt für Verkehr mit Verlängerungen der Bewilligungszeiträume. Eine hundertprozentige Abdeckung könne die Stadt aber nicht versprechen, schränkt Opitz ein: „Es wird weiterhin vereinzelt unterversorgte Haushalte geben." Und selbst die, die angeschlossen sind, haben oft nicht ausreichend leistungsfähige Kabel. Denn angestrebt wird erst mal nur ein Standard von 30 Megabit pro Sekunde. Flächendeckende Versorgung mit 50 Megabit Doch das Land will mit einer „Gigabit-Strategie" bis 2018 schon eine flächendeckende Versorgung mit 50 Megabit erreichen und bis 2026 sogar flächendeckende Glasfasernetze gewährleisten. Der Bund hat zudem eine Zukunftsinitiative „Gigabit-Deutschland" beschlossen – mit einem flächendeckenden Gigabit-Netz bis 2025. Eine Gefahr derzeit ist auch, dass die privaten Netzbetreiber bei Projekten zögern, weil sie mit auf baldige Fördermittel hoffen. Die aktuellen Bemühungen der Stadt wertet Moss deshalb nur als „Zwischenschritt". Er rechnet mit weiteren Förderprogrammen. Das Fachwissen der Breitbandkoordinatorin bleibt gefragt.

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