Interessierte Blicke: In einem Operationssaal beobachten Medizinstudenten einen Arzt bei der Arbeit. - © dpa
Interessierte Blicke: In einem Operationssaal beobachten Medizinstudenten einen Arzt bei der Arbeit. | © dpa

Bielefeld Das sind die Pläne für die medizinische Fakultät in Bielefeld

Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theo Windhorst, hält den Beginn der Medizinerausbildung an der Uni Bielefeld in zwei bis vier Jahren mit maximal 300 Studienplätzen für möglich.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld. Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theo Windhorst, ruft die Mediziner in OWL dazu auf, an der Entwicklung der Medizinerausbildung in Bielefeld mitzuarbeiten. Bei einem Treffen des NRW-Landesverbands der angestellten und beamteten Ärzte (Marburger Bund) in Bielefeld sagte Windhorst, dass mit der medizinischen Fakultät an der Universität Bielefeld ein innovatives Modell entwickelt werden muss, um angehende Ärzte besser auf die künftigen Versorgungsanforderungen vorzubereiten. Wann und in welcher Form mit der Medizinerausbildung in Bielefeld begonnen werden kann, steht noch nicht fest. Laut Windhorst ist ein Beginn in zwei bis vier Jahren möglich: „Modelle der Hochschulführung sehen das auch vor." Die Schwierigkeiten bei der Modernisierung des mehr als 40 Jahre alten Hauptgebäudes der Uni würden die Planungen der medizinischen Fakultät nicht beeinflussen. „Das hat mir Rektor Gerhard Sagerer versichert." Für die medizinische Fakultät wird es nach Angaben des Kammerpräsidenten einen Neubau auf dem Bielefelder Campusgelände geben. Nach Informationen dieser Zeitung wird innerhalb der Universität derzeit darüber diskutiert, mit dem Abriss der Parkhäuser Platz für einen Neubau zu schaffen. Die Zahl der Medizinstudienplätze in Bielefeld beziffert Windhorst auf maximal 300 pro Jahr, wenn im Winter- und auch im Sommersemester Studenten aufgenommen werden. „All diese Entscheidungen sind aber natürlich von den Plänen der Universitätsleitung und der neuen Wissenschaftsministerin in NRW, Isabel Pfeiffer-Poensgen, abhängig", sagte Windhorst, der sich möglichst bald mit der parteilosen Politikerin treffen will. Uni Bielefeld äußert sich nicht Die Universität gab unterdessen bekannt, dass sie nach wie vor während der noch laufenden Gespräche mit der Landesregierung keine Informationen zur möglichen Ausgestaltung einer medizinischen Fakultät kommentieren möchte, auch nicht zu Berichten über einen möglichen Bau. Die jährlichen Kosten für eine medizinische Fakultät in Bielefeld beziffert die Landesregierung in Übereinstimmung mit Sagerer auf 50 Millionen Euro pro Jahr. „Der Betrag reicht aus. Der Jahresetat der Medizinerausbildung der Uni Bochum liegt bei 42 Millionen Euro", erklärte Windhorst. Die einmaligen Investitionskosten seien damit nicht abgedeckt. „Mit der Entwicklung einer neuen medizinischen Fakultät muss auch überlegt werden, ob eine eigene Abteilung für Anatomie in Bielefeld zwingend notwendig ist. Die Digitalisierung eröffnet uns in dem Bereich viele neue und günstigere Ausbildungsmöglichkeiten, wie digitale Präparationskurse." Mit dem Aufbau der Medizinerausbildung in Bielefeld verbindet Windhorst ein innovatives Modell. „Wir müssen die Ausbildungsqualität verbessern, indem wir kommunikative und soziale Kompetenzen der Studenten fördern", sagte Windhorst. Zudem fordert der Kammerpräsident, dass Studenten bereits ab dem 1. Semester Kontakt zu Patienten und zu Haus- und Facharztpraxen haben. "Mehr ältere Patienten mit Mehrfacherkrankungen" „Durch praxisnahes Lernen können Studenten besser auf die künftigen Versorgungsanforderungen vorbereitet werden, denn in Zukunft wird es mehr ältere Patienten mit Mehrfacherkrankungen geben", erklärte Windhorst. Wichtig seien zudem die Stärkung der Allgemeinmedizin mit einem eigenen Lehrstuhl und ein interdisziplinäres Forschungsprofil, vernetzt mit den Gesundheitswissenschaften und anderen Fachbereichen der Uni Bielefeld. Zudem fordert der Kammerpräsident, dass die Durchlässigkeit zum Medizinstudium erhöht und die alleinige Fixierung auf den Numerus clausus beendet wird. Ärztekammer und Marburger Bund engagieren sich für neue Formen der Medizinerausbildung, um dem Mangel an Hausärzten und an Medizinern in Krankenhäusern entgegen zu treten. „In NRW fehlen bereits jetzt 1.500 Ärzte in Kliniken", erklärte der Vorsitzende des Marburger Bunds in NRW, Hans-Albert Gehle, in Bielefeld.

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