Um Plastik aus ihrem Kühlschrank zu verbannen, kauft Rebecca Krautmacher etwa Marmelade im Glas. - © Andreas Frücht
Um Plastik aus ihrem Kühlschrank zu verbannen, kauft Rebecca Krautmacher etwa Marmelade im Glas. | © Andreas Frücht

Bielefeld Bielefelderin kämpft gegen Plastikmüll

Auf Plastikmüll zu verzichten ist gar nicht so einfach

Amélie Förster

Bielefeld. „Zero Waste" – kein Müll: So heißt ein aktueller Umweltschutz-Trend. Anhänger versuchen, möglichst wenig oder sogar gar keinen Abfall zu produzieren. Es wird recycelt, repariert, mehrfach benutzt. Die Bielefelderin Rebecca Krautmacher hat sich der Nachhaltigkeits-Initiative verschrieben. Und sie hat schnell bemerkt: Gute Vorsätze umzusetzen, ist manchmal gar nicht so einfach. „Mit meinem Mops Merlin hat alles angefangen", sagt die 27-Jährige. Vor drei Jahren adoptierte sie den Hundewelpen. „Plötzlich ist mir dann beim Gassigehen aufgefallen, wie viel Müll in der Landschaft herumliegt." Gerade Plastikabfall war gefährlich für Mops Merlin. Das brachte sie dazu, sich mit den Themen Konsum und Entsorgung auseinanderzusetzen. Komplett auf Plastikmüll zu verzichten, das hält Bernd Nagel, Abteilungsleiter für Abfallentsorgung beim Umweltbetrieb Bielefeld, für quasi unmöglich. „Im Urwald kann das vielleicht klappen, aber bei uns gibt es zu viele Hygieneverordnungen." Laut Nagel produzierten die Bielefelder 2016 36,9 Kilogramm Plastikmüll pro Einwohner. 2011 waren es noch 21,5 Kilogramm, ganze 15 Kilo weniger. Ganz ohne Plastik geht es nicht Den starken Anstieg in den vergangenen fünf Jahren erklärt Nagel mit der Einführung der Wertstofftonne. Da dürfe jetzt schließlich auch Plastik rein, das im gelben Sack nichts zu suchen hatte. Ein kaputter Wäschekorb oder ein kaputtes Bobby Car? Beides darf in die Wertstofftonne und wird recycelt. Ganz ohne Plastik, das hat auch Rebecca Krautmacher festgestellt, geht es in der Tat nicht. Wenn ihr jemand ein Eis spendiert, dann greift sie auch zu, wenn es in Plastik verpackt ist, sagt sie. Ihr helfe aber schon der Gedanke daran, den eigenen Verbrauch zu beleuchten und sich immer zu fragen: „Was brauche ich eigentlich wirklich zum Leben?" Auch auf die Gesundheit zu achten, spare jede Menge Plastikmüll. Denn die gesunden Lebensmittel, vom Markt zum Beispiel, seien meist gar nicht verpackt. Wer gesünder isst, spare also automatisch Plastikmüll. Selbstgenähtes Küchenpapier statt gekauftem Gemeinsam mit Mops Merlin und ihrem Freund Andre wohnt Rebecca Krautmacher im Bielefelder Osten. Auch wenn ihr Freund häufiger mal zu Lebensmitteln in Plastikverpackung greife, sei das für sie kein Problem. Gerade weil viele andere Dinge bereits zur Gewohnheit geworden seien, sagt Rebecca Krautmacher. Küchenpapier sei zum Beispiel komplett von ihrem gemeinsamen Einkaufszettel verschwunden. Stattdessen bewahren die beiden selbstgenähtes Küchenpapier in einem leeren Joghurtglas in der Küche auf. Rebecca Krautmacher bereibt neben ihrem Job als Produktmanagerin in einem Online-Bettenhandel einen erfolgreichen Instagram-Account, ein soziales Netzwerk im Internet mit vielen Fotos. Dabei geht es um die Themen Inneneinrichtung und Nachhaltigkeit. Auf den Fotos mit dabei: natürlich Mops Merlin. Fast 10.000 Menschen folgen Rebecca Krautmacher auf Instagram. Ihr Pseudonym: „Mrs. Klabautermann". Neben ihrer Vorliebe für Einrichtung teilt Rebecca Krautmacher im Foto-Blog ihren Fortschritt auf dem Weg zum „Zero Waste" mit, also ihrem Vorhaben, auf die Dauer keinen oder zumindest wenig Müll zu produzieren. Verkäufer geben Plastiktüten aus Gewohnheit heraus Brechen mit der Gewohnheit – gar nicht mal so einfach Das kommt offenbar an. Schick verpackt sei auch ein selbstgemachter Badezimmerreiniger schnell ein Renner. Seit kurzem zählt Rebecca Krautmacher auch Nähen zu ihren Hobbies. Denn mit selbstgenähten Beuteln mache das Einkaufen gleich mehr Spaß. Auf dem Wochenmarkt auf dem Kesselbrink zum Beispiel. An eine Sache musste sie sich beim Einkauf mit dem Freund aber erst gewöhnen: nämlich laut, deutlich und schnell „Keine Tüte, bitte!" zu sagen. „Die Sachen landen auf dem Markt schneller in der Plastiktüte als man gucken kann", sagt die 27-Jährige. „Das machen die Verkäufer aus Gewohnheit schon ganz automatisch." Dabei sei ihr Gefühl, dass die Marktmitarbeiter kein Problem damit hätten, die Sachen ohne Verpackung zu verkaufen. Wenn Rebecca Krautmacher die selbstgenähten Beutel im Supermarkt aufs Band legt, dann gebe es auch immer wieder Verkäufer, die das Gewicht der Beutel an der Kasse abziehen würden, sagt sie. Das habe sie beim ersten Mal richtig begeistert. Aber oft helfe auch ein Gespräch mit älteren Menschen. Denn die haben oft gute Tipps, weil sie früher auch noch ohne viel Plastik ausgekommen seien, sagt Rebecca Krautmacher. Ein simpler Tipp für den Alltag sei etwa, Stofftaschentücher benutzen. Laut Rebecca Krautmacher wäre aber schon viel erreicht, wenn sich Menschen beim Konsum überhaupt mehr Gedanken

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