Alternativen für die Parkplatzsuche: Evelyn Tegeler und Manfred Schröter (r.) leben seit Jahren mitten im Bielefelder Westen. Trotz des weiter steigenden Parksuchverkehrs rund um den Siggi bleiben sie gelassen. Weil beide für sich Parkhäuser entdeckt haben. - © Andreas Frücht
Alternativen für die Parkplatzsuche: Evelyn Tegeler und Manfred Schröter (r.) leben seit Jahren mitten im Bielefelder Westen. Trotz des weiter steigenden Parksuchverkehrs rund um den Siggi bleiben sie gelassen. Weil beide für sich Parkhäuser entdeckt haben. | © Andreas Frücht

Bielefeld Geklingelt bei: Mögliche Lösung für das Parkplatzproblem im Bielefelder Westen

Evelyn Tegeler und Manfred Schröter haben eine Idee, die 
den Druck bei der Parkplatzsuche rund um den Siggi entspannen könnte

Jens Reichenbach

Mitte. Es ist eng im Bielefelder Westen. Die zumeist großstädtisch denkenden Menschen rund um den Siggi sind Enge gewohnt, aber beim Kampf um freie Parkplätze verlieren einige doch immer wieder die Nerven. Der sogenannte Parksuchverkehr am Abend lässt inzwischen immer mehr Autofahrer die Haare raufen. Evelyn Tegeler und Manfred Schröter wollen sich diesem Stress nicht aussetzen. Sie setzen voll auf Entspannung beim Parken und schlagen Alternativen vor. „Wir sind leidenschaftlich begeisterte Bewohner des Bielefelder Westens", sagt Schröter, der als Personalleiter der Stadtverwaltung Detmold genauso jeden Abend seinen Parkplatz suchen muss wie seine Frau. Die stellvertretende Direktorin der Volkshochschule Detmold-Lemgo will sich von der bevorstehenden Lückensuche nicht die Laune vermiesen lassen: „Wenn ich mir auf dem OWD schon vornehme, heute bekomme ich einen Parkplatz, dann klappt das oft", sagt Tegeler. Und wenn es doch nicht so leicht wird, dann lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen: „Irgendwann fahre ich eben auf den Supermarktparkplatz an der Apfelsinenkiste." Wer dort über Nacht (ab 21 Uhr) parkt und bis 7 Uhr früh wieder weg ist, zahlt nur 2 Euro pauschal. „Das wissen viele nicht. Mich entspannt es enorm, dass ich diese Option in der Hinterhand habe." Manfred Schröter hat sogar eine Vision von einem Quartierparkkonzept, bei dem man das Parken in den Straßen nach bestimmten Kriterien einschränkt und dafür die Nutzung von Quartierparkhäusern ausweitet oder diese sogar neu schafft. „Die Parksituation ist schwierig bei uns", betont Schröter, der seit 2008 im Westen lebt. Auch er habe den Druck gespürt, unbedingt eine Parklücke finden zu müssen. Bis er im harten Winter 2010 eine Art Erweckungserlebnis hatte: Die Schneeberge am Straßenrand seien damals so riesig gewesen, dass man kaum mehr Parklücken fand, die groß genug waren. Kurzzeitig durfte deshalb sogar auf den Siegfriedplatz geparkt werden. „Weil ich auch das Kratzen morgens satt hatte, habe ich mir damals für 50 Euro im Monat einen Stellplatz im Parkhaus gemietet", sagt Schröter. Städtische Anreize für Parkhäuser am Rande des Quartiers Obwohl es später keinen vergleichbaren Winter mehr in Bielefeld gab, blieb er dabei: „Ich nehme mir so den Stress der Sucherei und morgens habe ich schon 1.000 Schritte getan, bevor es zur Arbeit geht." Mit der Zeit hatte sich in seinem Kopf ein entscheidender Gedanke durchgesetzt: „Ich muss gar nicht direkt vor der Haustür parken." Evelyn Tegeler und Manfred Schröter betonen, dass es weiterhin für manche Anwohner Genehmigungen fürs Parken in den Straßen geben müsse: „Für Behinderte oder Senioren etwa. Die Übrigen müssen sich vielleicht auch eingestehen, dass man ein paar Meter zum Auto gehen muss." Die Stadt könnte diesen Autofahrern unterschiedliche Anreize bieten, in Parkhäuser auszuweichen – auch finanzielle. Dazu müssten vielleicht auch neue Parkhäuser entstehen – etwa zwischen den Schulen und der Alm oder an der unteren Schloßhofstraße, schlägt Schröter vor. „Bei uns im Haus leben acht Personen. Ich denke, vier bis fünf würden so ein Angebot nutzen", sagt Evelyn Tegeler. „Es würde die Aufenthaltsqualität erhöhen und viel Verkehr aus den engen Straßen nehmen", glaubt Schröter. „Denn der Siggi und der Bielefelder Westen sind einzigartig. Hier begegnet sich Verschiedenheit in einer Weise, wie in keiner anderen Ecke Bielefelds." Deshalb sind beide überzeugt, dass ihre Vision gerade in ihrem Viertel funktionieren würde.

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