Uli Stein mit Labradoodle Bodo vor seinen Hundeporträts, die derzeit im Historischen Museum ausgestellt werden. - © Sarah Jonek
Uli Stein mit Labradoodle Bodo vor seinen Hundeporträts, die derzeit im Historischen Museum ausgestellt werden. | © Sarah Jonek

Bielefeld Uli Stein im Interview: "Bei Hunden weiß man nie, was kommt."

Uli Stein stellt im Historischen Museum Hundeporträts aus

Christine Panhorst

Bielefeld. Uli Stein stellt im Historischen Museum Hundeporträts aus. Im Gespräch schwärmt der Cartoonist 
und Fotograf von tierischen Charakteren und verrät, warum ihm Hunde lieber sind als Menschen. Herr Stein, wie sind Sie auf den Hund gekommen? Uli Stein: Alles fing an mit dem Titelhund, der auch auf dem zugehörigen Buch zu sehen ist. Ihm bin ich vor drei, vier Jahren in einem Biergarten begegnet und habe sofort von meinem Tisch aus ein Handyfoto gemacht. Der Besitzer war gerade nicht da. Ich habe also gewartet, um zu fragen, ob ich seinen Hund im Studio fotografieren darf. Da spricht mich der Ober an, ich drehe mich um, und weg ist der Hund. Aber Sie haben ihn aufgespürt. Stein: Ich bin mit dem Foto durch den ganzen Ort gelaufen und hab überall nach dem Hund gefragt. Nach vier 
Wochen habe ich ihn gefunden und hatte dann so viel Spaß beim Fotografieren mit 
dem kleinen rumänischen Findelhund, dass ich gemerkt habe, das möchte ich weitermachen. Für ihr Buch. Stein: Den Gedanken an ein Buch oder ein Projekt gab es da noch gar nicht. Das war nicht geplant und kam später. Was ist so faszinierend daran, Hunde zu fotografieren? Stein: Es macht einfach süchtig. Jeder Hund hat seinen eigene Persönlichkeit. Alle waren herzensgut, dabei waren auch Rassen darunter, die als garstig gelten wie ein Pitbull. Was muss ein Hund haben, damit Sie ihn ablichten wollen? Stein: Da war auch viel Zufall im Spiel. Was für eine Rasse Hund das war, war mir eigentlich völlig egal. Jeder ist schön auf seine Art und Weise. Aber Hunde lassen sich nicht dirigieren, man weiß vorher nicht, wie das Foto wird. Manche Hundebesitzer haben einen zweiten Hund mitgebracht, damit der nicht alleine zu Hause bleiben musste. Und plötzlich war dieser zweite Hund viel interessanter, als der, den ich eigentlich fotografieren wollte. Weil er mehr Charakter hatte? Stein: Weil er einem viel spannendere Momente vor der Kamera geschenkt hat. Im Gegensatz zu Menschen, denen man Anweisungen geben kann, weiß man bei Hunden eben nie, was letztlich bei einem Foto herauskommt. Auf den Bildern wirkt das Fell der Hunde oft wie gemalt. Werden die Fotos nachbearbeitet? Stein: Ja, sehr ausgiebig. Ich und meine Assistentin arbeiten vor grauem Hintergrund. Das Licht spielt eine wichtige Rolle. Dann werden die Texturen eingearbeitet, bei einigen wurde auch über die Hunde drübergemalt. Man kennt Sie eher als Cartoonist. Seit wann gibt es Uli Stein, den Fotografen? Stein: Schon immer. Eigentlich habe ich mein ganzes Leben drei Sachen gleichzeitig gemacht: schreiben, fotografieren, zeichnen. Die meisten meiner Bücher sind auch ein Mischmasch aus Fotografien und Zeichnungen. Was ist als Nächstes dran? Stein: Eigentlich würde ich am liebsten bei Tieren bleiben. Weil sie mir angenehmer sind als Menschen. Die Beziehung Mensch und Hund scheint Sie aber wiederum zu interessieren, wie man bei Ihren Zeichnungen sieht. Stein: Ich habe zurzeit selbst keinen Hund. Ich bin aber ein großer Hundefan. Schon 1983 hieß mein erstes Buch „Ach, du dicker Hund". Hunde sind einfach eines meiner Lieblingsthemen. Und die Hund-Mensch-Beziehung ist etwas Besonderes, auch weil sie sich mehr draußen und in der Öffentlichkeit abspielt als bei Mensch – Katze, Mensch – Meerschwein oder Mensch – Goldfisch.

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