Freigang unter Vorbehalt: Katzen und Kater, die frei umherlaufen, sollen künftig gekennzeichnet und kastriert sein. Auf diese Weise soll unkontrollierte Fortpflanzung und damit vielfältiges Tierleid verhindert werden. - © Andreas Frücht
Freigang unter Vorbehalt: Katzen und Kater, die frei umherlaufen, sollen künftig gekennzeichnet und kastriert sein. Auf diese Weise soll unkontrollierte Fortpflanzung und damit vielfältiges Tierleid verhindert werden. | © Andreas Frücht

Bielefeld Kastration für Katzen wird Pflicht

Vorstoß: Ratskoalition will Schutzverordnung einführen, die Halter verpflichtet, Freigänger kennzeichnen und unfruchtbar machen zu lassen

Susanne Lahr

Bielefeld. Freilaufende Katzen sollen künftig kastriert und gekennzeichnet werden müssen. Die Ratskoalition will eine Katzenschutzverordnung für Bielefeld einführen. Sie soll den Tierschutzvereinen und dem Veterinäramt eine rechtliche Handhabe gegenüber Katzenhaltern verschaffen, die sich weigern, ihre Tiere unfruchtbar zu machen. Das Katzenleid in der Stadt wird nach Ansicht der Tierschützer immer größer. Die Schätzungen gehen von rund 1.000 freilebenden, halterlosen Tieren in Bielefeld aus. Pro Jahr werden mehr als 300 meist bereits schwer kranke Jungtiere durch den Tierschutzverein aufgegriffen. Etwa 10 Prozent dieser Wildlinge stirbt. Seit Jahren fordert der Tierschutzverein Bielefeld eine solche Kastrationspflicht für Freigänger. Denn die bisherigen Kastrationsaktionen, die schon seit den 80er Jahren durchgeführt werden, haben nicht dazu geführt, dass die Population der Wildlinge in der Stadt abnimmt. Bislang scheiterte das Ganze immer an einem handfesten Nachweis, dass eine ordnungsbehördliche Verordnung tatsächlich Wirkung zeigt. Tierschützer hofft auf schnelle Umsetzung Nun haben das Leid der herrenlosen Tiere und die Gesundheitsgefahren, die von den Streunern für Artgenossen ausgehen - viele leiden an Katzen-Aids -, offenbar doch Wirkung gezeigt. "Vor diesem Hintergrund erscheint ein Eingriff in die Autonomie der Katzenhalter vertretbar", heißt es in dem gemeinsamen Antrag von SPD, Grünen, Bürgernähe und Piraten, der am Dienstag, 20. Juni, im Sozial- und Gesundheitsausschuss behandelt wird. Helmut Tiekötter, Vorsitzender des Tierschutzvereins Bielefeld, ist froh über diesen Sinneswandel und hofft auf die baldige Umsetzung. "Steter Tropfen höhlt den Stein", sagt er im Gespräch mit der NW zufrieden. Er habe keine Gelegenheit ausgelassen, auf die Notwendigkeit der Kastrationspflicht hinzuweisen, zumal das Katzenhaus im Sennestädter Tierheim regelmäßig aus allen Nähten platzt und mehrfach Aufnahmestopps verhängt werden mussten. "Jetzt sind wir guten Mutes, dass es klappt." Dass die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht nach gewisser Zeit die gewünschten Folgen habe, habe erst kürzlich der Tierschutzverein Gütersloh erklärt. Im Nachbarkreis haben bereits einige Kommunen diese Pflicht eingeführt. Gleiches sei aus Paderborn zu hören.

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