Verurteilt: Georgios S. (rechts) nahm das Urteil des Schwurgerichts regungslos zur Kenntnis. Sein Verteidiger Kai Oelgeklaus (l.) kritisierte die Ermittlungspannen der Kripo und kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an. - © Wolfgang Rudolf
Verurteilt: Georgios S. (rechts) nahm das Urteil des Schwurgerichts regungslos zur Kenntnis. Sein Verteidiger Kai Oelgeklaus (l.) kritisierte die Ermittlungspannen der Kripo und kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld/Bad Oeynhausen Wegen Mordes an Ehefrau: Lebenslange Haftstrafe für Georgios S.

Landgericht verurteilt Angeklagten wegen heimtückischen Mordes an seiner Ehefrau. 
Der Geschäftsmann aus Bad Oeynhausen hatte die Tat bis zuletzt bestritten. Verteidiger kündigen Revision an

Nils Middelhauve

Bielefeld/Bad Oeynhausen. Der Zuschauerraum im Saal 1 des Landgerichts war voll besetzt. Regungslos, mit gesenktem Kopf und leerem Blick nahm der Angeklagte Georgios S. (53) das Urteil entgegen, hatte möglicherweise bis zuletzt auf einen Freispruch gehofft. Doch die X. Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Geschäftsmann aus Bad Oeynhausen am Freitag wegen heimtückischen Mordes an seiner 41 Jahre alten Ehefrau Tanja zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Zu Beginn der Urteilsverkündung wandte sich der Vorsitzende Richter Christoph Meiring an die Mutter der Getöteten, die dem Prozess als Nebenklägerin beigewohnt hatte: „Ich spreche Ihnen unser Mitgefühl für den Verlust Ihrer Tochter und unsere Hochachtung dafür aus, dass Sie an allen Verhandlungstagen anwesend waren." Es sei, so Meiring, für die Mutter von Tanja S. „sicherlich nicht immer einfach zu ertragen gewesen, dass Außenstehende über das Privatleben Ihrer Tochter redeten." Konfliktreiche Beziehung Denn neben dem eigentlichen Tatgeschehen hatte die Beziehung der Eheleute S. einen großen Raum in der Beweisaufnahme eingenommen. Dabei kristallisierte sich deutlich heraus, dass die Verbindung von Tanja und Georgios S. äußerst konfliktbehaftet war. Trotz mehrerer zwischenzeitlicher Trennungen heirateten die beiden 2010. Der Beziehung entstammen zwei elf und zwölf Jahre alte Jungen. Während einer dieser Trennungsphasen zwang der Angeklagte seine spätere Frau 2009 mittels Kabelbindern und Schusswaffe zu einem klärenden Gespräch. Auch ein Einbruch in das am Eisterfeldweg in Senne gelegene Haus der Familie sowie der Brand eines Poolhäuschens legten Ermittler seinerzeit Georgios S. zur Last, jedoch wurden ihm die Taten nicht nachgewiesen. Ende 2014 trennte sich das Paar endgültig. Der wohlhabende Geschäftsmann zog in Bad Oeynhausen in eine kleine Wohnung in Firmennähe, Tanja S. blieb mit den Kindern und ihrer Mutter in dem Haus in Senne. Beide wandten sich anderen Partnern zu, Tanja S. reichte die Scheidung ein und das Paar stritt über das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Kinder. Ehefrau aufgelauert „Aus Sicht der Kammer ist das Motiv für den Mord im Kampf um die Söhne zu sehen", sagte Richter Meiring am Freitag. Nach Überzeugung des Gerichts hatte Georgios S. am Morgen des 15. Septembers 2016 seiner Frau vor deren Haus aufgelauert, als diese zur Arbeit fahren wollte. Nach einem ungezielten Schuss feuerte der Angeklagte zwei weitere Male mit seinem Schrotgewehr. Der dritte Schuss war tödlich, Tanja S. sank sofort am Steuer ihres Autos zusammen. Georgios S. lief durch ein Wäldchen zu seinem Fahrzeug und begab sich zu seiner Firma. Von dort fuhr er abermals nach Bielefeld, wo er – bereits von der Polizei observiert – an der Eckendorfer Straße festgenommen wurde. Unschuld beteuert Noch in seinem letzten Wort vor Gericht hatte S. seine Unschuld beteuert. Er sei zur Tatzeit auf dem Weg zu einem Kunden nach Herford gewesen. Diese Einlassung sieht das Gericht jedoch als widerlegt an. Insbesondere, weil die Ermittler am Tatort zwei Patronenhülsen, ein Gewehrfutteral sowie eine Sturmhaube mit der DNA des Angeklagten gefunden hatten. Dennoch blieben nach der Beweisaufnahme einige Fragen offen. So ließ es sich nicht klären, wo sich der Mercedes des Angeklagten zur Tatzeit befunden hatte, da die Daten des Navigationssystems zum Teil überschrieben worden waren (siehe Infokasten). Verteidiger Martin Lindemann, Kai Oelgeklaus und Martin Bücher sprachen von „äußerst schlampiger" Ermittlungsarbeit der Polizei und kündigten an, Revision gegen das Urteil einzulegen. Auch Richter Meiring ließ die Arbeit der Kripo nicht unkommentiert: „Wir sind davon überzeugt, dass die Pannen eine kritische interne Aufarbeitung erfahren werden, um die Polizeiarbeit zu verbessern." Renate G., die Mutter der Getöteten, sagte nach der Urteilsverkündung: „Der Druck fällt nun von mir ab. Ich bin froh, dass das Verfahren so ausgegangen ist."

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