Bielefeld/Bad Oeynhausen Lebenslange Haft für Georgios S. beantragt

Nils Middelhauve

Bielefeld/Bad Oeynhausen. „Die Indizien ergeben in der Gesamtschau ein deutliches Bild. Ich habe keinen einzigen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten", sagte Staatsanwältin Stefanie Lange in ihrem Plädoyer. Vor dem Landgericht sind gestern die Schlussvorträge im Prozess gegen den 53-jährigen Georgios S. gehalten worden. Der Geschäftsmann aus Bad Oeynhausen soll im vergangenen September seine Ehefrau mit einem Schrotgewehr erschossen haben. Die Staatsanwälte Stefanie Lange und Martin Temmen beantragten, S. wegen heimtückischen Mords aus niederen Beweggründen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass sich Georgios S. am frühen Morgen des 15. Septembers zum Haus seiner getrennt von ihm lebenden Frau Tanja (41) am Eisterfeldweg in Bielefeld-Senne begab. Dort soll er sich hinter einem Baum versteckt haben. Als Tanja S. um kurz vor acht Uhr mit dem Auto zur Arbeit fahren wollte, „trat er hinter dem Baum hervor und gab drei Schüsse ab. Der letzte Schuss war tödlich", sagte Staatsanwältin Lange. Am Tatort fanden die Ermittler zwei Patronenhülsen, eine Sturmhaube sowie ein Gewehrfutteral, an denen sich die DNA des Angeklagten befand. Ein eingesetzter Mantrailer-Hund nahm Witterung auf und zeigte den Ermittlern den mutmaßlichen Fluchtweg durch ein Wäldchen bis zur Krackser Straße an. Hier soll S. in sein dort abgestelltes Auto eingestiegen und nach Bad Oeynhausen gefahren sein. Als Motiv für die Tat führte Lange an, dass S. nicht habe verwinden können, dass sich seine Frau nun endgültig von ihm getrennt und sich einem anderen Partner zugewandt habe: „Das Motiv war Kontrollverlust. Die Tötung war die ultimative Kontrolle über das Leben seiner Ehefrau." Die Verteidiger Martin Lindemann, Kai Oelgeklaus und Martin Bücher beantragten einen Freispruch für ihren Mandanten. Alle drei kritisierten die Ermittlungsarbeit der Polizei, die „lediglich in eine Richtung erfolgte" und „äußerst schlampig" gewesen sei. Georgios S. sagte in seinem letzten Wort an das Gericht gewandt: „Ich habe meine Frau nicht getötet. Unsere Kinder haben das wichtigste in ihrem Leben verloren, nämlich ihre Mutter. Bitte nehmen Sie ihnen nicht auch den Vater." Das Urteil wird für morgen erwartet.

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