Bei Ausgrabungen an der Baustelle des Bankhaus Lampe ist Sensationelles entdeckt worden. - © Sarah Jonek
Bei Ausgrabungen an der Baustelle des Bankhaus Lampe ist Sensationelles entdeckt worden. | © Sarah Jonek

Bielefeld Sensationelle Funde bei Ausgrabungen am Bankhaus Lampe

Archäologen sind bei Bauarbeiten auf eine kleine Sensation gestoßen

Christine Panhorst

Bielefeld. Der Westdeutsche Rundfunk berichtet am Mittwoch, 13. Juli, von sensationellen, neuen Funden hinterm Bankhaus Lampe am Alten Markt. Doch es gebe keine neuen Erkenntnisse, bestätigt Sven Spiong, zuständiger Leiter der LWL-Archäologie. Eine Sensation sind die Ausgrabungsfunde natürlich noch immer, erzählen sie doch von den Anfängen Bielefelds. Berichterstattung verpasst? Hier der aktuelle Stand: Ein paar schmuddelig-dunkle Flecken und Löcher im hellen Sandboden – was für den Laien so banal aussieht, ist eine kleine Sensation für Bielefelder Historiker. Hinter dem Bankhaus Lampe, mitten im historischen Zentrum, steht Stadtgeschichte in den Sand geschrieben: Erste Funde reichen teilweise bis ins 13. Jahrhundert zurück. Einge könnten sogar älter sein: bis zu 900 Jahre alt. Eine genaue Datierung steht noch aus. Das Archäologenteam der Sondergrabungsfirma ArchHellweg begleitet im Auftrag des Bankhauses Lampe seit dem Frühjahr die großangelegten Neu- und Umbauarbeiten des Geschäftshauses am Alten Markt. In der zweiten Ausgrabungswoche im Innenhof an der Piggenstraße sind die Experten im Mai 2017 auf Spuren von Pfostenhäusern gestoßen. Diese stammen offenbar aus der frühen Besiedlungsphase Bielefelds. Historisches Zentrum Bielefelds „Es war von Anfang an klar, dass hier im Innenstadtzentrum Archäologie stattfinden muss", sagt Sven Spiong, Außenstellenleiter der LWL-Archäologie für Westfalen, die die Ausgrabungen beaufsichtigt. Dass man auf Keller, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, und auf alte Brunnen stoßen würde, war für die Archäologen absehbar. Doch die Wissenschaftler hofften auf noch Bedeutsameres: „Wir befinden uns hier nicht nur im historischen Zentrum von Bielefeld, sondern auch in dem Bereich, in dem Historiker vier Höfe aus vorstädtischer Besiedlung vermutet haben." Es geht um die Anfänge des Dorfes Bielefeld. Auf einen dieser Höfe, so scheint es, ist das Archäologenteam um Leiter Bernhard Sicherl hinter dem Bankhaus unter dem ehemaligen Parkplatz gestoßen. Dunkle, scharfrandige Flecken im hellen Sand zeigen an, wo vor Hunderten von Jahren wohl einmal Holzpfähle die Längsseite eines Langhauses abstützten. „Eine genaue Datierung ist in Sandboden bei diesem Grundwasserstand bisher nicht möglich", sagt Spiong. Haus von 20 bis 25 Metern Länge „Wir wissen jedoch, dass Am Bach Höfe waren." Auch die archäologischen Funde unter dem Wellehaus ganz in der Nähe lassen laut Spiong vermuten, dass die Ausgrabungen mindestens bis ins 12. bis 13. Jahrhundert zurückdatieren. Vielleicht weiter. „Die Anordnung der Gruben in einer Linie zeigt uns, dass hier vermutlich ein Haus von 20 bis 25 Meter Länge gestanden hat, etwa sieben Meter breit", erklärt Archäologe Sicherl. Dunkle rechteckige Spuren im Sand deuten die Archäologen als ehemalige Vorratsgruben. Auf der gegenüberliegenden Seite vermuten die Wissenschaftler die Überreste eines spätmittelalterlichen Handwerksbetriebs. Diese Spuren alter Besiedlung werden in den kommenden Monaten minutiös freigelegt werden. „Wir stehen noch am Anfang der Ausgrabungen", gibt Spiong zu bedenken. „Erst wenn wir weitere Schichten abgetragen und datierende Funde gemacht haben, können wir Genaueres sagen." Es wird noch wochenlang gegraben Noch viele Wochen werden die Archäologen weiter graben, vermessen, dokumentieren, Funde sichern. Wie lange, das hängt auch von neuen Funden ab. Parallel gehen die Bauarbeiten jedoch weiter, die im vierten Quartal 2018 abgeschlossen sein sollen. Man sei im Zeitplan, sagt Susanne Müller vom Bankhaus Lampe. Noch. Schon die drei spätmittelalterlichen Brunnen mit Steinkranz, die die Ausgrabungen zutage gebracht haben, sind für Historiker wichtige Markierungen, anhand derer sich ehemaligen Siedlungsstrukturen zurückverfolgen lassen. Jetzt hoffen sie auf Latrinen, die erfahrungsgemäß eine wahre Goldgrube für Archäologen sind.

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