Einzelteile: Ralf Neumann zeigt die wenigen Bauteile des Feinstaub-Messgerätes. - © Oliver Krato
Einzelteile: Ralf Neumann zeigt die wenigen Bauteile des Feinstaub-Messgerätes. | © Oliver Krato

Bielefeld In Bielefeld soll es bald dutzende private Feinstaub-Messstellen geben

Bauanleitung: Transition Town und Hackerspace werben für ein Messgerät, das sich für wenig Geld selbst zusammensetzen lässt

Arno Ley
Preiswerte Lösung: Dieser Messfühler, den Ralf Neumann zusammengebaut hat, kostet weniger als 40 Euro. Er soll helfen, das Problem Feinstaub erkennbar zu machen. Zwei Plastikrohre aus dem Baumarkt machen den Bausatz wetterfest. - © Oliver Krato
Preiswerte Lösung: Dieser Messfühler, den Ralf Neumann zusammengebaut hat, kostet weniger als 40 Euro. Er soll helfen, das Problem Feinstaub erkennbar zu machen. Zwei Plastikrohre aus dem Baumarkt machen den Bausatz wetterfest. | © Oliver Krato

Bielefeld. Für Ralf Neumann ist es ganz einfach. "Da stecken wir das eine Kabel hier auf den keinen Stift. Und das andere kommt auf den daneben." Er benötigt nur wenige Minuten, um ein Feinstaubmessgerät zusammenzusetzen. Bei einer Diskussion in der Bürgerwache am Siegfriedplatz hat er die Technik vorgeführt. In Bielefeld soll es bald Dutzende privat betriebene Messstellen geben. Neumann und seine Freunde wollen Feinstaub sichtbar machen.

Bisher gibt es in Bielefeld lediglich vier Messstationen für Luftschadstoffe. Eine steht hinten im Ravensberger Park. Sie misst die ständig vorhandene "Hintergrundbelastung". Eine weitere steht an der Detmolder Straße. Aus den unterschiedlichen Ergebnissen beider Stationen soll sich der Wert für die Belastung der Stadtluft durch den Straßenverkehr ergeben. Zudem werden Daten an der Stapenhorststraße und am Jahnplatz gemessen.

"Das sind insgesamt nur sieben Teile"

Die Initiative "Transition Town Bielefeld", eine Gruppierung, die sich für eine "Energie- und Kulturwende" einsetzt, hat nun gemeinsam mit dem "Hackerspace Bielefeld" eine Aktion gestartet. In Bielefeld und der Umgebung soll mit möglichst vielen selbst hergestellten Geräten die Feinstaubbelastung gemessen werden.

Im Hackerspace an der Sudbrackstraße treffen sich Künstler, Entwickler von freier Software und Tüftler, die aus standardisierten Computerbauteilen originelle Anwendungslösungen entwickeln. Eine ist das Feinstaubmessgerät. "Den Bauplan haben wir allerdings von Freunden aus Stuttgart übernommen", sagt Neumann. Dort gibt es eine Initiative, die sich seit längerem mit dem Luftproblem in der Schwabenmetropole beschäftigt.

Feinstaub ist für unsere Augen nur in großer Menge sichtbar. Die Schwebteile in der Luft sind so winzig, dass sie von den Schleimhäuten unsere Nase nicht aufgehalten wird.

Die Initiative in Stuttgart hat die Seite "luftdaten.info" ins Internet gestellt. Kern des Projektes ist eine Karte, auf der Schadstoff-Messdaten aus vielen Teilen Deutschlands gezeigt werden. Um die Werte sammeln zu können, wurde von der Initiative ein preiswerter Bausatz entwickelt, mit dem der Feinstaub in der Luft zeitaktuell gemessen werden kann.

"Das sind insgesamt nur sieben Teile", wirbt der Bielefelder Neumann um Mitstreiter. Die Bauanleitung gibt es im Internet auf der Seite der Stuttgarter. Die wetterfeste Hülle liefern zwei 90 Grad gebogene Plastikrohre aus dem Baumarkt.

Die elektronischen Bauteile lassen sich per Post aus China bestellen. "Die Teile gibt es hier leider nicht im Handel", entschuldigt Neumann den Import aus Fernost. Gesamtkosten der Komponenten: "Bei mir waren es etwa 38 Euro", sagt er. Die offiziellen Messstellen im Stadtgebiet kosten ein Vielfaches. Die eigentliche Messelektronik indes dürfte nicht all zu viel aufwendiger sein. Die Kästen drumherum dienen wohl vor allem dem Schutz vor Dieben.

Vor den Augen der Besucher zeigte Neumann, wie einfach sich die Komponenten zusammenstecken lassen. "Wer sich mit dem Programm nicht auskennt, hat die größte Hürde beim Aufspielen der Firmware", merkt er an. Die Initiative Hackerspace hilft.

Nach wenigen Minuten Bauzeit verbindet Neumann den Sensor mit dem Internet. Der zeigt manchmal Überraschendes.

Eine Messfühler ist an der Sudbrackstraße neben der Eingangstür des Vereins "Hackerspace" angebracht. Die Werte sind zumeist unauffällig. Manchmal aber schießen sie nach oben. "Dann steht einer unserer Raucher vor der Tür", sagt Neumann.

Die Messwerte werden von amtlichen Stellen ignoriert. "Unsere Sensoren hat kein Eichamt getestet", sagt Neumann. "Aber darauf kommt es uns auch nicht an. Wir wollen das Problem an möglichst vielen Stellen im Land sichtbar machen. Wir messen rund um die Uhr. Und jeder kann sich die Ergebnisse im Internet frei zugänglich anschauen."

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