Wenn der Rettungshubschrauber nachts nicht mehr fliegt, soll der Bielefelder Norden von Spenge aus mit einem Notarzt versorgt werden. - © Symbolfoto: dpa
Wenn der Rettungshubschrauber nachts nicht mehr fliegt, soll der Bielefelder Norden von Spenge aus mit einem Notarzt versorgt werden. | © Symbolfoto: dpa

Bielefeld Neuer Notarzt versorgt den Bielefelder Norden ab September aus Spenge

Weil nachts der Rettungshubschrauber nicht mehr fliegt, soll nach Sonnenuntergang nun der Kreis Herford Notfälle in Jöllenbeck versorgen

Jens Reichenbach

Bielefeld/Spenge. In lebensbedrohlichen Notfällen können Bielefelder jederzeit auf den Einsatz von drei Notärzten in der Stadt setzen. Sie sind am Klinikum Mitte, am Klinikum Gilead und am Luftrettungszentrum Rosenhöhe stationiert. Um auch die nördlichsten Stadtteile schnell erreichen zu können, geht tagsüber Rettungshubschrauber Christoph 13 mit einem Notarzt in die Luft. Doch diese Möglichkeit endet mit dem Sonnenuntergang, dann fliegt der Rettungshubschrauber nicht mehr. Deshalb soll ab September der neue Notarztstandort in Spenge (Kreis Herford) in die Stadtrettung im Bielefelder Norden miteinbezogen werden. Das bestätigte Bielefelds Feuerwehrchef Rainer Kleibrink. „Das Notarzteinsatzfahrzeug wird allerdings nicht den Rettungshubschrauber am Tag ersetzen, sondern ausschließlich nachts in Bielefeld eingesetzt." Der neue Notarzt an der Kreisrettungswache in Spenge sollte zunächst nur an fünf Tagen in der Woche zwölf Stunden lang eingesetzt werden. Doch dann ergriff die Feuerwehr Bielefeld mit Freuden die Gelegenheit, die langen Strecken nachts in den Norden zu verkürzen. „Wenn der Rettungshubschrauber nicht mehr fliegt, mussten bisher unsere Notärzte vom Klinikum Mitte oder Bethel kommen. Das sind bis Jöllenbeck weite Wege", so Kleibrink. "Aus Spenge ist das schneller zu erreichen." Das Franziskus-Hospital kritisiert die Stadtrettung mit Christoph 13 Paul Bischof, Ordnungsdezernent beim Kreis Herford, berichtete, dass auch die Krankenkassen angefragt hätten, ob Notarzteinsätze in den nördlichen Bielefelder Stadtteilen künftig nicht auch von der Kreisrettungswache in Spenge mit abgedeckt werden könnten. „Daraufhin haben wir eine entsprechende Vereinbarung mit der Stadt Bielefeld getroffen." Deshalb soll der Notarzt am Standort Spenge nun also sieben Tage lang rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Den Notarzt stelle das Lukas-Krankenhaus in Bünde. Die Frage sei nur, ob der Arzt in Vollzeit in Spenge tätig sei oder nur einige Stunden am Tag und dann von einem anderen Kollegen abgelöst werde. „Das muss jetzt noch geklärt werden", so Bischof. Kritik zu der Praxis, den teuren Rettungshubschrauber im Stadtgebiet einzusetzen, äußerten hingegen Georg Rüter, Geschäftsführer des Franziskus-Hospitals, und Michael Schnabel, Chefarzt der dortigen Unfallchirurgie: „Dornberg, Babenhausen, Jöllenbeck und Theesen werden oft vom Rettungshubschrauber angeflogen", erklärt Rüter. "Die Notarzteinsätze sind derzeit sogar rückläufig" „Im Schnitt wird bei einem solchen Einsatz das Rettungsmittel eine Stunde lang blockiert", so Rüter. „Ist das für den hochwertigen Hubschrauber sinnvoll?" Andere Verlegungen müssten dann hinten anstehen, so Rüter. Professor Schnabel hat in seiner Marburger Zeit Erfahrung als Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes gemacht. Er schlägt vor, ein Notarzteinsatzfahrzeug für den Norden und Nordwesten am Traumazentrum des Franziskus zu stationieren. Doch Kleibrink sieht dafür keine Veranlassung: „Im Gegensatz zu den Rettungsdienstzahlen, die sich dramatisch nach oben entwickeln, sind die Notarzteinsätze derzeit sogar rückläufig. Ein neuer Standort ist daher nicht vorgesehen." Zumal es den Rettungshubschrauber unwirtschaftlich machen würde, wenn er in seinen Einsatzzahlen beschränkt würde.

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