„Enforcement Trailer": Modell der Vetro-Citronic-Group. - © vetro
„Enforcement Trailer": Modell der Vetro-Citronic-Group. | © vetro

Bielefeld Stadt Bielefeld testet neue Blitzer-Technik und verwirrt Pkw-Fahrer

Tempomessung: Bielefeld ließ Versuch auf der Herforder Straße in Höhe Zurbrüggen laufen

Joachim Uthmann

Bielefeld. Den Starenkasten in Höhe des Möbelhauses Zurbrüggen kennen viele Autofahrer. Umso erstaunter war ein Bielefelder, dass auf der anderen Seite der Herforder Straße stadteinwärts geblitzt wurde – von einem Anhänger aus. Die Anlage dort löste zwar aus, war aber nicht scharf. Sie diente nur als Test. Führende Hersteller führen ihre neue Technik Städten vor – und hoffen auf neue Aufträge. Versuch auf der Herforder Straße Bielefeld ließ den Versuch auf der Herforder Straße Anfang April zu, bestätigt Ordnungsamtsleiter Friedhelm Feldmann. Ein Schild habe kurz davor auf den Test hingewiesen, damit Autofahrer nicht irritiert würden. „Es ging aber nur um die Demonstration eines neuen Blitzgerätes", betonte Feldmann: „Niemand wurde kontrolliert." Der Amtsleiter betont auch, dass Bielefeld derzeit nicht an die Anschaffung der neuen Technik denke: „Aber wir müssen uns auf dem Laufenden halten, wie sie sich entwickelt." Denn Erneuerungen seien immer wieder nötig. Demnächst stände der Austausch der sieben Kameras für die stationären Blitzanlagen an, für die die Ersatzbeschaffung teils nicht mehr möglich sei. Erhebliche Vorteile Nach Werbung der Hersteller bieten die neuen Anlagen erhebliche Vorteile: Sie sind mobil aufstellbar, können bis zu eine Woche lang blitzen – und das, ohne dass eine Begleitperson wie heute im Auto zur Bedienung erforderlich sei. Der Messbetrieb sei „ununterbrochen mindestens sieben Tage ohne personellen Einsatz vor Ort gewährleistet, mit autarker Energieversorgung", sagt etwa Thomas Fabricius von der Vetro-Vitronic Group (Wismar). Konkurrent Jenoptik (Jena), der den Test in Bielefeld machte, verspricht Kosteneinsparung, erhöhte Verkehrssicherheit und einfache Überwachung über eine WlanSchnittstelle per Outdoor-Tablet-PC. Autos, Lkw und Motorräder könnten differenziert und mehrere Fahrsteifen überwacht werden. „Das System arbeitet autark", so Sprecherin Cornelia Ehrler. Messung per Laser Technisch warten die Geräte mit zwei Neuerungen auf: zum einen messen sie per Laser statt mit Radar, zum anderen sind sie als „semistationäre" Geräte auf kleinen Anhängern einsetzbar, die am Straßenrand oder in Parkbuchten abgestellt werden können und „autark" blitzen. Die Anhängerkupplung sei einklappbar. Allerdings hat das Ganze seinen Preis. Beim Kauf liegen die Anschaffungskosten im unteren sechsstelligen Bereich, räumt Fabricius ein, bei Anmietung je nach Laufzeit und Umfang der Leistung im vier- bis fünfstelligen. In der Schweiz werden „semistationäre" Anlagen schon länger betrieben, teils noch mit der alten Radartechnik, so Ehrler. In Deutschland gebe es erste Einsätze mit Laser seit Ende 2015 auf der A 3 am Autobahnkreuz Hilden. Test von Jenoptik liefen in Bonn, Lübeck und auf der A 95 bei Bad Tölz. Vetro verweist auf mehrere Dutzend Städte und Polizeibehörden, darunter Essen und Kreis Mettmann. Nach Medienberichten sind die Erfahrungen eher positiv, gibt es aber auch Verbesserungsbedarf, etwa beim Aufbau. 14 Blitzer auf Straßen und der Autobahn Ob Bielefeld solche Anlagen über den Test hinaus einsetzt, ist offen. Das Ordnungsamt lässt derzeit an elf Straßen, auf dem Ostwestfalendamm und an der A 2 mit festen Anlagen blitzen. Hinzu kommen gut 400 Stellen an Gefahrenpunkten, Kitas und Schulen, wo zwei mobile Anlagen in Autos eingesetzt werden. Insgesamt nimmt die Stadt durch Tempo- und Rotlichtüberwachung mehr als zehn Millionen Euro/Jahr ein.

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