Politisch motivierter Farbanschlag: Neben der Parteizentrale der SPD an der Arndtstraße sind auch die Zentralen der CDU und der Grünen betroffen. - © Jens Reichenbach
Politisch motivierter Farbanschlag: Neben der Parteizentrale der SPD an der Arndtstraße sind auch die Zentralen der CDU und der Grünen betroffen. | © Jens Reichenbach

Bielefeld Farbanschlag auf die Parteibüros von CDU, SPD und Grünen

Unbekannte schleudern Farbbeutel und gefüllte Gänseeier gegen die Eingänge der Parteien. Der Staatsschutz ermittelt

Jens Reichenbach

Bielefeld. Das hat es lange nicht mehr gegeben: Unbekannte haben in der Nacht zu Freitag, 21. April, einen Farbanschlag auf die Eingangstüren dreier Parteien in Bielefeld ausgeübt. Nach Angaben von Polizeisprecher Michael Kötter waren von den Anschlägen die Parteizentralen der Grünen, der SPD und der CDU betroffen. Nicht betroffen seien FDP, Linke und Piraten, so die Polizei. Nach ersten Erkenntnissen nutzten die Täter vor der SPD-Zentrale an der Arndtstraße mit Farbe gefüllte Ballons und Gänseeier. Vor der Tür waren am Morgen noch Schalensplitter der Eier zu erkennen. Der oder die Täter arbeiteten mit Schwarz, Rot, Gelb und Grün. Gesprühte Parolen bei CDU und Grünen Etwas anders bei der CDU: Hier wurden zwar auch die Fenster mit Schwarz, Rot, Gelb und Grün beworfen. Aber auf den Türschildern neben der Eingangstür an der Turnerstraße hat jemand auch das Wort "Faschos" gesprüht. Ebenfalls irritieren dürfte dann der Slogan, der am Parteibüro der Grünen auf den Fenstern prangt. Hier steht zu lesen: "FCK Erdogan, Blut an Euren Händen". Direkt daneben hängt im Fenster der Grünen ein Plakat, dass sich für ein "Nein" beim Referendum in der Türkei geworben hat. Weil die Polizei hier von politisch motivierter Sachbeschädigung ausgeht, ermittelt nun der Staatsschutz der Polizei. SPD-Vorsitzende vermutet rechte Szene hinter der Tat Wiebke Esdar von der SPD, Vincenzo Copertino von der CDU und Wiebke Vetter von den Grünen reagierten auf die Vorkommnisse gelassen: "Wir lassen uns davon gar nicht beeinflussen", sagte Vetter. Copertino betont: "Wir zucken mit den Schultern und das war es." Leider sei so eine Sachbeschädigung mit Kosten verbunden. Esdar, die auch im "Bündnis gegen Rechts" aktiv ist, kennt solche Farbattacken aus der rechtsradikalen Szene. Weil sie kürzlich in einem WDR-Fernsehbeitrag mit dem Titel "Wenn Hass an die Haustür klopft" zu sehen war, in dem sie von Bedrohungen von rechtsextremen Aktivisten berichtete, "habe ich beim Anblick der Farben Schwarz-Rot-Gold als Erstes an diese Möglichkeit gedacht gedacht". Einen echten Hinweis auf die Täter gibt es bisher nicht. Inzwischen haben sowohl die Bielefelder FDP als auch die hiesigen Linken die Attacke verurteilt: "Das Werfen von Farbbeuteln ist keine Form der politischen Auseinandersetzung sondern eine Sachbeschädigung", betonte Carsten Strauch, Kreissprecher der Linken. Der FDP-Vorsitzende Jan Maik Schlifter geht noch weiter: "Das sind keine reinen Sachbeschädigungen. Wenn statt mit Argumenten bei Nacht und aus dem Verborgenen gegen Parteien agiert wird, dann ist das ein Angriff auf die Demokratie."

realisiert durch evolver group