Christel Weber wird am 2. April als Pfarrerin der Neustädter Marienkirche eingeführt. - © Christian Weische
Christel Weber wird am 2. April als Pfarrerin der Neustädter Marienkirche eingeführt. | © Christian Weische

Bielefeld Christel Weber wird erste Pfarrerin der Neustädter Marien-Kirchgemeinde

Predigen ist ihre Leidenschaft: Christel Weber wird am Sonntag in ihr Amt als Pfarrerin der Neustädter Marien-Kirchengemeinde eingeführt. Sie ist an dieser Stelle die erste Frau

Christine Warnecke

Mitte. Mit Worten etwas bewegen, mit einer Predigt die Gedanken anregen – das will Christel Weber. Die Pfarrerin wird am Sonntag in ihr neues Amt in der Neustädter Marienkirche eingeführt und freut sich darauf, ihre Gemeinde und Bielefeld kennenzulernen. „Ich habe 18 Jahre lang in Borchen bei Paderborn gearbeitet und das hat mir auch gefallen. Nachdem ich aber in Leipzig war, wollte ich die nächste Pfarrstelle in einer Stadt antreten." In Leipzig hat die 55-Jährige rund zwei Jahre lang an ihrer Dissertation geschrieben. Das Thema: prophetische Predigten. „Das sind im Grunde solche, die etwas bewirkt haben. Martin Luther Kings „I have a dream"-Rede ist so ein Beispiel." Weber suchte in Südafrika und Chicago nach ähnlichen Geschichten, die Menschen ergriffen haben, und fand sie auch. Über Bethel, Marburg, Heidelberg und Hamburg nach Borchen Während der Dissertationszeit können Pfarrer ihre Stelle nicht behalten. Weil die Neustädter Marienkirche für ihre musikalische Vielfalt bekannt sei, bewarb sich Christel Weber zum 1. April auf diese Stelle. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal derart „nach Hause" kommen würde", sagt sie und lacht. „Ich komme aus Holtkamp und wollte zum Studieren erstmal weg." Bethel, Marburg, Heidelberg und Hamburg hießen die Stationen – „dabei war es mir vorher nie in den Sinn gekommen, Theologie zu studieren", so Weber. „Ich habe in der kirchlichen Jugendarbeit geholfen, aber ein Pfarrer gab mir erst diesen Anstoß. Es war dann tatsächlich der einzige Berufswunsch, den ich hatte."Das Vikariat absolvierte Weber in Bottrop, wo sie sich auch die erste Pfarrstelle mit ihrem Mann teilte. Später zog er nach Paderborn und Christel Weber übernahm die Stelle in Borchen. In Chicago machte sie ein Doktorat im Predigen („Doctor of ministry"). „Predigen ist ja eine Performance und beinhaltet rhetorische Elemente. Ziel ist für mich, dass die Menschen anders aus der Kirche kommen, als sie hineingegangen sind – ohne das scheierisch-missionarische Gehabe, das man aus manchen Filmen kennt." Ökumene als Lebenseinstellung Für sie zählt weniger, dass möglichst Viele in die Kirche kommen, als dass die Gemeinde ihren Auftrag erfüllt: als christliche Gemeinde das Leben in der Stadt zu gestalten. „Die Stadt ist da spannender als das Land, weil sie vielfältiger ist: mehr Nationalitäten leben zusammen, es gibt mehr Gegensätze, die Gesellschaft ist bunter. Ich bin gespannt, welche Aufgabe sich ergeben."Die Ökumene ist das zweite große Thema, das Christel Weber bewegt. Der Mann ihrer Tochter kommt aus Tansania, alle drei Kinder studieren im Ausland. Weil sie schon ausgezogen sind, war die Pfarr-Wohnung an der Marienkirche auch zu groß für Weber. Sie setzte die Zimmer zum Mieten ins Internet, nun ziehen zwei muslimische Studentinnen aus Jordanien ein. Zu dritt haben sie schon über die Vorlage für den ersten Predigttext am Sonntag gesprochen – es geht um Abraham, der seinen Sohns Isaak opfern soll. Eine Geschichte, die auch Juden und Muslime kennen. Für Christel Weber ein spannender erster Text für ihren Einführungsgottesdienst.

realisiert durch evolver group