Sally Lisa Starken, Barbara Schneider, Fotograf Veit Mette und Katharina Krause (v. l.). - © Barbara Franke
Sally Lisa Starken, Barbara Schneider, Fotograf Veit Mette und Katharina Krause (v. l.). | © Barbara Franke

Bielefeld Equal Pay Day: Frauen-Plakate prangen an Rathausbalkon

Aktivistinnen machen auf Gehaltsunterschiede aufmerksam

Dennis Rother

Bielefeld. Fest und bestimmt schauen sie auf den Bildern direkt in die Kamera. Gleichzeitig etwas skeptisch. Strahlend lächeln tun Barbara Schneider (70), Katharina Krause (25) und Feride Ciftci (27) nicht. Warum auch. Denn das, wofür ihre drei Porträt-Plakate am Samstag am Rathausbalkon sensibilisieren sollten, ist schließlich ernst: Es ging zum „Equal Pay Day" darum, dass Frauen im Vergleich zu Männern in gleichen Berufen immer noch deutlich weniger Geld bekommen (die NW berichtete ausführlich am 18. März). Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) der SPD organisierte die Aktion zum Stichtag mit dem Fotografen Veit Mette. Drei der zwölf entstandenen Aufnahmen bannten die hiesige ASF-Vorsitzende Sally Lisa Starken und ihre Mitstreiterinnen auf Plakate. „Bewusst unscharf und abstrakt" seien die Fotos, sagte Veit Mette. „Das zeigt, wie wenig greifbar der Zustand ist, zeigt die Unsicherheit." Hochglanzporträts hätten beim Thema sowieso keinen Sinn ergeben, so Mette. Von den drei Frauen, deren Plakate am Alten Rathaus prangten, waren zum Start am Samstagmittag zwei auch vor Ort: Katharina Krause, 25-jährige Soziologie-Studentin, und Barbara Schneider, 70 Jahre alt, ehemals Finanzbeamtin. Einiges hätte sich in den vergangenen Jahrzehnten schon gebessert, erzählte Schneider. „Alleine schon der Fakt, dass das Thema überhaupt als Thema wahrgenommen wird." Früher hätten etwa Frauen, deren Männer gut verdienten, bei Gehaltserhöhungen im Amt hinten angestanden. „Gesetzlich festgelegt war das nicht, bewusst auch nicht, passiert ist es trotzdem", so Schneider. Traditionell männerdominierten Chefetagen müssten Frauen bestenfalls mit eigenen Netzwerken begegnen, hieß es von den Beteiligten vor Ort. Und letztlich gehe es auch um Rente, berichteten die Frauen. Was während des Arbeitslebens zu wenig an Gehalt kommt, könne sich im Alter „verheerend" auswirken. Um den stillen, mahnenden Zeichen Nachdruck zu verleihen, haben die Initiatoren die Plakate mit prägnanten Sätzen versehen. Bei Katharina Krause steht etwa: „Süß ist nur mein Kaffee". Es ist ein Anprangern von despektierlichem Reduzieren aufs Äußere im Berufsleben. Bei Barbara Schneider steht: „Bescheiden ist nur mein Kontostand." Soll so viel heißen wie: Gleiche Bezahlung bei gleicher Leistung ist mehr als nur frommer Wunsch – und nur wegen des Geschlechts auf Geld zu verzichten, stünde nicht zur Diskussion. Und Feride Ciftci fragt mit ernüchtertem Gesichtsausdruck auf ihrem Plakat einfach nur „Ernsthaft?!", so als hätte man ihr im Bewerbungsgespräch soeben eröffnet, wie mickrig das Gehalt ausfällt. Und das obwohl ihr Mitbewerber – ein Mann – bei gleicher Ausbildung 20 Prozent mehr kassiert. Info: Zu sehen sind alle Fotos von nun an in Sennestadt im Bunten Haus, der hiesigen Verdi-Bildungsstätte, sowie im Internet unter der ASF-Adresse www.asf-bielefeld.de.

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