Ein Dealer, der wegen Rauschgifthandels bereits in Haft sitzt, musste sich jetzt nochmals vor Gericht verantworten, weil er die Richter angelogen hatte. - © Symbolfoto: dpa
Ein Dealer, der wegen Rauschgifthandels bereits in Haft sitzt, musste sich jetzt nochmals vor Gericht verantworten, weil er die Richter angelogen hatte. | © Symbolfoto: dpa

Bielefeld Bielefelder Dealer will mit Falschaussage Kunden schützen

Prozess: Nicht seine erste Unwahrheit vor Gericht. Richter verurteilt 30-Jährigen zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten

Nils Middelhauve

Bielefeld. „Falschaussagen ärgern die Justiz, weil sie uns das Leben schwer machen. Und ganz besonders ärgert es uns, wenn man dies gleich zweimal macht", sagte der Vorsitzende Richter Carsten Wahlmann in der Urteilsbegründung. Das Landgericht verurteilte jetzt einen 30-jährigen Drogendealer aus Bielefeld wegen falscher uneidlicher Aussage zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten. Vor etwa drei Jahren betrieb der nun abermals angeklagte Faton I. (Namen aller Betroffenen geändert) einen schwunghaften Rauschgifthandel. Die Polizei war ihm und seinen Mitstreitern schon eine Weile auf den Fersen und hatte Telefongespräche überwacht, ehe am 10. Juli 2014 die Handschellen klickten. Bei einer polizeilichen Vernehmung machte I. umfassende Angaben zu den Hintergründen und Strukturen der Bande. So gab er an, dass der ihm auf einem Foto gezeigte Jens T. nach telefonischer Bestellung am 9. Juli 2014 bei ihm 100 Gramm Marihuana zum Preis von 800 Euro gekauft habe. Verhafteter Dealer musste merhmals gegen Kunden aussagen Das Landgericht verurteilte I. wegen seiner Drogengeschäfte im März 2015 zu fünf Jahren Haft. In den Folgemonaten musste der 30-Jährige mehrfach als Zeuge in den Strafverfahren derer aussagen, die er durch seine Aussagen belastet hatte. So auch am 17. August 2015, als sich sein Kunde Jens T. vor dem Amtsgericht verantworten musste. In seiner Zeugenvernehmung gab I. dort jedoch an, er habe niemals gesagt, dass T. 100 Gramm Marihuana bei ihm gekauft habe. Als er mit dem Protokoll seiner polizeilichen Aussage konfrontiert wurde, sagte I., daran könne er sich nicht erinnern. Es gab nun lediglich zwei Möglichkeiten: Entweder hatte der Dealer Jens T. zu Unrecht bezichtigt – oder aber vor Gericht gelogen. "Er tat mir einfach leid" In der Verhandlung vor der II. Großen Strafkammer des Landgerichts am Freitag, 17. März, gab I. zu, beim Amtsgericht nicht die Wahrheit gesagt zu haben. „Mein Mandant hat dafür nichts erhalten. Jens T. tat ihm einfach leid, er wollte ihn schützen", erklärte Verteidiger Lutz Klose gestern namens des Angeklagten. Das Gericht hielt Faton I. zugute, dass er sich in der Haft offenbar gut führt: Der Angeklagte nimmt dort freiwillig eine Psychotherapie in Anspruch, befindet sich im freien Vollzug und arbeitet. Negativ wertete die Kammer jedoch die Vorstrafen des Dealers wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und – siehe oben – eine sieben Jahre zurückliegende Verurteilung wegen einer Falschaussage.

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