So duftet der Orient: Gewürze wie Nelken, Pfefferkörner und Lorbeerblätter geben den Gerichten ihr typisches Aroma(l.). Für Schärfe sorgen zudem getrocknete und gehackte Chilischoten (r.). - © Fotolia
So duftet der Orient: Gewürze wie Nelken, Pfefferkörner und Lorbeerblätter geben den Gerichten ihr typisches Aroma(l.). Für Schärfe sorgen zudem getrocknete und gehackte Chilischoten (r.). | © Fotolia

Bielefeld Sheherazades schönste Rezepte

Geschichte der Esskultur: Islamwissenschaftler Peter Heine veröffentlicht mit seiner Bielefelder Ehefrau das Buch „Köstlicher Orient“

Bielefeld. Rosenwasser, Marzipan, Dolma und Döner: Die orientalische Küche ist so vielseitig wie kaum eine andere. Migranten aus der Türkei, aus Pakistan, Afghanistan und Nordafrika ist es zu verdanken, dass viele dieser Gerichte Einzug in die deutsche Küche gehalten haben. Ausgewählte Rezepte sind in dem Buch „Köstlicher Orient" nachzulesen, einschließlich kurzer Abhandlungen darüber, wie sich diese Gerichte entwickelt und welche Bedeutung sie für die Menschen haben. Eintöpfe und Suppen, Nachspeisen und Getränke aus dem orientalischen Raum. Zusammengetragen hat das alles der Islamforscher Peter Heine. Der Wissenschaftler, verheiratet mit der Bielefelderin Ina Willeke, kam vor 72 Jahren in Warendorf zur Welt, studierte in Münster und Bagdad, bereiste zahlreiche orientalische Länder und ging nach seiner Habilitation nach Berlin, wo er das Zentrum Moderner Orient gründete. Auf das Schweinefleischverbot im Islam geht der Forscher ebenso ein wie auf rituelles Schlachten und das Alkoholverbot. Warum kein Schweinefleisch? Die eigentliche Ursache vermutet Heine im theologischen Denken. Die Borstentiere waren im Nahen Osten Opfertiere zu Ehren heidnischer Götter: „Mit dem Verbot des Fleischkonsums sollten sich Juden und Muslime von den Verehrern altorientalischer und antiker Gottheiten auch in der Alltagspraxis unterscheiden." Komplizierter stellt sich der Sachverhalt bei Alkohol dar. Heine verweist auf eine Sure, in der Wein aus Weintrauben positiv betrachtet wird. An anderer Stelle des Korans heißt es allerdings: „O ihr, die ihr glaubt, kommt nicht zum Gebet, während ihr betrunken seid, bis ihr wisst, was ihr sagt." Mit der Verbreitung westlicher Lebensart trank die muslimische Mittel- und Oberschicht vom späten 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts mehr Alkohol, bevorzugt Hochprozentiges aus Europa wie Whisky und Cognac, daneben auch einheimischen Anisschnaps, bekannt als Arrak oder Raki. Orientalische Rezepte bekannt gemacht hat verhältnismäßig früh Clemens Wilmenrod, der erste deutsche Fernsehkoch. In seinen Kochbüchern der 1950er und 1960er Jahre tauchen immer wieder Rezepte auf, die orientalische Wurzeln vermuten lassen. Bei einigen Angaben fallen allerdings Ungereimtheiten auf wie „Arabisches Reiterfleisch" mit Gehacktem „Halbundhalb", mit Schweinefleisch also. Imbisslokale mit Döner-Kebap auf der Karte sind bei uns heute flächendeckend anzutreffen. Viele türkische Köche erheben die Urheberschaft für dieses Gericht. Tatsächlich stammt der Döner (vom türkischen „Dönmek", sich drehen) aus dem Osmanischen Reich und ist keine Berliner Erfindung, wie oft behauptet wird. Die Deutschen lieben ihn trotzdem.

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