Die Schülerin wird zur Lehrerin: Ebru Gaman (Mitte) erklärt Margret Schütte (links) und Ulrike Hampel die vielen Funktionen eines Smartphones. Im Hintergrund Kursleiter Gottlieb Kreis. - © Tarek Chafik
Die Schülerin wird zur Lehrerin: Ebru Gaman (Mitte) erklärt Margret Schütte (links) und Ulrike Hampel die vielen Funktionen eines Smartphones. Im Hintergrund Kursleiter Gottlieb Kreis. | © Tarek Chafik

Bielefeld Schüler werden zu Lehrern

Mobile Medien: Erneut ist beim Kinderschutzbund ein Kurs gestartet, bei dem junge Menschen Senioren in Sachen Smartphone an die Hand nehmen

Tarek Chafik

Bielefeld. Die Fragen von Sigrun Weber sind schon recht konkret: „Wie verhindere ich, dass mein Smartphone schon nach kurzer Zeit ausgeht? Kann ich mit dem Gerät ausdrucken? Und wie kriege ich diese Email wieder aus dem Ordner Entwürfe raus?“ Die Antworten von Chiara Chantal Walter sind nicht weniger präzise: „Das Gerät bleibt an, wenn Sie die Tastensperre aufheben. Wenn Sie einen Bluetooth-Drucker haben, können Sie damit ausdrucken. Die Email wird automatisch im Ordner Entwürfe gespeichert – Sie können Sie auch woanders ablegen.“ Was nach einem ganz gewöhnlichem Kundengespräch in jedem beliebigen Handygeschäft klingen mag, ist dennoch etwas recht Spezielles. Sigrun Weber ist nämlich über 70 Jahre alt, Chiara hingegen gerade mal bald 17. Insofern ist es schon eine Begegnung der besonderen Art, zu der es gegenwärtig einmal die Woche in den Räumen des Kinderschutzbundes an der Ernst-Rein-Straße kommt. Dort findet zurzeit zum wiederholten Mal ein Computerkurs statt, der unter dem etwas sperrigem Titel „Hauptschülerinnen und Hauptschüler vermitteln Seniorinnen und Senioren Fertigkeiten im Umgang mit Smartphone und Tablet“ firmiert. Man könnte auch sagen „Digital Natives unterrichten die Generation 60 Plus“ oder einfach nur „Schüler erklären Senioren die digitalen Medien“, vielleicht auch schlichtweg „Schüler werden zu Lehrern“. Sicher ist, dass der Kinderschutzbund in Zusammenarbeit mit der Hauptschule Jöllenbeck solche Kurse bereits seit 2010 regelmäßig anbietet, „mal für Computer, mal für Laptops und ganz aktuell eben für Tablet und Smartphone“, sagt Kursleiter Gottfried Kreis. Sicher ist außerdem, dass das Angebot gut angenommen wird und beide Seiten davon profitieren. Da ist die Generation jener, die noch mit dem Röhrenradio groß geworden ist und dennoch inzwischen recht souverän und zielstrebig im World Wide Web unterwegs ist. „Das Internet ist ein Paradies“, sagt eine Teilnehmerin, „wo sonst bekomme ich so schnell Informationen her“? Allerdings wird das Paradies schnell zum Rätselgarten für jeden, der erst seit wenigen Tagen ein Smartphone oder Tablet sein eigen nennen darf. Gerade ältere Menschen tun sich häufig schwer angesichts der zahlreichen Funktionen, Anwendungen und sonstigen Möglichkeiten, die diese Gerätschaften bieten. Ganz anders hingegen Chiara und ihre Mitschüler Florian Wrede, Ivan Thiessen und Ebru Gaman. Sie sind mit dem Smartphone groß geworden. Sie kennen sich aus mit Apps, wissen, wie man sich mit den mobilen Alleskönnern in offene W-Lans einwählt oder wie man mit den eingebauten Kameras ordentliche Aufnahmen hinbekommt. Und die jungen Leute können dieses Wissen nicht nur vermitteln, es macht ihnen außerdem „Spaß“, sagt Chiara. Den nächsten Kurs dieser Art bietet der Kinderschuitzbund nach den Osterferien an, ein genauer Termin steht zurzeit noch nicht fest.

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